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Oktoberfest:Die Absage der Wiesn war unvermeidlich

Leere, wo sonst das größte Volksfest der Welt stattfindet: die Theresienwiese in München.

(Foto: AP)

Trotz aller Impferfolge: Die Corona-Pandemie ist immer noch ein zu großes Risiko. Nun gilt es, solidarisch zu sein mit denen, die vom Oktoberfest wirklich abhängig sind.

Kommentar von Franz Kotteder

Womöglich hätte es doch noch klappen können. Allenthalben werden ja jetzt schon Hoffnungen genährt auf einen schönen, halbwegs entspannten Sommer - warum sollte dann der Herbst so sehr viel schlechter werden? Hätte die Wiesn nach dem Ausfall im vergangenen Jahr heuer also doch wieder stattfinden können, wo man doch jetzt bald schon die Außengastronomie öffnen darf?

Ministerpräsident Markus Söder und Oberbürgermeister Dieter Reiter haben am Montag insofern gerade noch so die Kurve gekriegt mit ihrer Absage des Oktoberfests. Einerseits hatten schon seit Längerem nur noch die größten Optimisten mit einer Wiesn 2021 gerechnet. Andererseits sinken aber jetzt die Inzidenzwerte langsam und Lockerungen nahen. In vier Wochen, wenn der Wiesn-Aufbau beginnen müsste, wäre es deshalb schon deutlich schwerer gewesen, eine Absage zu begründen und dafür auf Verständnis zu stoßen.

Aber die Entscheidung war letztlich unvermeidlich. Man mag schneller vorankommen mit den Impfungen als noch vor Kurzem absehbar, und die Infektionszahlen sinken wohl bald noch deutlicher. Das ändert jedoch nichts daran, dass die Pandemie weiter grassiert. Und das nach wie vor dort, wo sehr viele Menschen zusammenkommen. Das wird noch eine ganze Weile so bleiben, und obendrein tauchen immer wieder neue Mutationen auf, von denen man noch gar nicht wissen kann, wie ansteckend sie sind und ob die Impfstoffe überhaupt gegen sie wirken.

Der Verzicht auf Großveranstaltungen ist deshalb ein Akt der Solidarität, der leider noch eine Weile notwendig sein wird. Was, bitte, wäre denn auch eine Ersatzwiesn, die nur für Getestete und Geimpfte da wäre? Einigermaßen sicher wäre sie und sehr viel kleiner, aber irgendwie auch sehr langweilig und eine matte Sache. Es braucht jetzt aber auch Solidarität mit jenen, die wirtschaftlich stark abhängig sind von dieser Großveranstaltung.

Brauereien und Wiesnwirte sind zwar auch betroffen, haben aber meist noch das eine oder andere Standbein. Bei Schaustellern und Marktkaufleuten, Bedienungen und Sicherheitspersonal sieht das freilich anders aus. Hier sollten sich Stadt und Staat etwas einfallen lassen, damit nicht die mit den weniger tollen Jobs wieder am meisten zu leiden haben.

© SZ vom 04.05.2021/sim, van
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