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Neue Linien, mehr Digitalisierung:Zehntausendfacher Testbetrieb

Linienbusse FFB

Sieben neue Ringbuslinien sollen Städte im Umland verbinden und so indirekt München entlasten.

(Foto: Günther Reger)

Wie der MVV-Chef mehr Begeisterung für den öffentlichen Nahverkehr erzeugen will

Mit dem Linienbus auf dem Standstreifen am Autobahn-Stau vorbei: Diese Vision könnte in absehbarer Zeit Realität werden, sofern der Freistaat mitspielt. Laut MVV-Chef Bernd Rosenbusch sollten die Schnellbusse an Park-and-Ride-Anlagen im Umland starten und dann zu U- und S-Bahnstationen fahren. Weil die Verlängerung von U-Bahnlinien und der Ausbau von S-Bahnstrecken Projekte sind, die sich über viele Jahre hinziehen, sei der Bus derzeit "das Mittel des Wahl", so Rosenbusch.

Die Park-and-Ride-Stationen müssten dort stehen, wo der Stau anfängt.

Am Mittwoch hat Rosenbusch Pläne vorgestellt, mit denen der öffentliche Nahverkehr zeitnah attraktiver gestaltet werden kann. Dazu gibt es mehrere Ansätze, die von neuen Buslinien bis hin zu neuen digitalen Angeboten reichen.

Konkrete Zeitpläne gibt es bereits für sieben neue Ringbuslinien im Umland. Von Ende nächsten Jahres an sollen Verbindungen zwischen Dachau und Garching-Forschungszentrum, Unterschleißheim und Haar, Heimstetten und Oberhaching, Oberhaching und Wolfratshausen, Buchenau und Dachau, Buchenau und Starnberg sowie zwischen Bad Tölz und Starnberg aufgenommen werden. Dies wird auch den Münchner Verkehr entlasten, da Fahrgäste bisher umständlich mit den Öffentlichen in die Stadt fahren und dort umsteigen mussten. Jetzt sollen verschiedene Kreisstädte und S-Bahn-Stationen mit den Bustangenten verbunden werden. Das wird bis zu 16 Millionen Euro pro Jahr kosten. Die Verträge mit Busunternehmen sollen zunächst für fünf Jahre geschlossen werden, die Hälfte von durch den Betrieb entstehender Verluste ist durch Fördergeld des Freistaats gedeckt.

Auch mit Digitalisierung will der MVV mehr Begeisterung für den ÖPNV erreichen. Noch dieses Jahr startet mit 10 000 Testpersonen ein zweijähriger Politversuch für ein GPS-gesteuertes Abrechnungssystem, mit dem die Kunden exakt nach der zurückgelegten Entfernung zahlen. Rosenbusch kündigte zudem an, dass es ebenfalls noch 2020 auch Wochen- und Monatstickets als Handyticket geben soll, ein neues Sicherheitsmodul soll dafür sorgen, dass die Tickets fälschungssicher sind.

Mehr als 910 000 MVV-Kunden haben im vergangenen Jahr rund 14,3 Millionen Handytickets gekauft, ein Drittel mehr als im Jahr davor. Erhältlich sind die elektronischen Tickets mit Apps verschiedener Anbieter, etwa der S-Bahn München, der BOB, der Deutschen Bahn, des MVV und der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Und das Angebot soll noch besser werden. Im Landkreis Fürstenfeldbruck hat der MVV in seiner App nun auch Ruftaxis integriert.

Und auch die MVG hat nun angekündigt, dass sie dieses Jahr verschiedene Mobilitätsangebote miteinander in einer App bündeln will. Mit dem Zugang via M-Login sollen Kunden dann zum Beispiel MVV-Tickets kaufen, Carsharing-Autos, E-Scooter oder Fahrräder mieten sowie Fahrdienste bestellen können. Bis Mitte März will sich die MVG die potenziellen Partner aussuchen.

Für Bernd Rosenbusch reicht das alles aber noch nicht, um einen Großteil der Autofahrer zum Umsteigen auf den ÖPNV zu bewegen. Er wirbt für die Erweiterung des MVV. Ob sich das für potenzielle Beitrittskandidaten rentiert, soll eine Studie klären, an der sich die Landkreise Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen, Landsberg, Landshut, Mühldorf und Rosenheim sowie die Städte Rosenheim und Landshut beteiligen. Was den Umstieg noch verhindere, so Rosenbusch, sei der niedrige Benzinpreis. Als dieser 2008 vorübergehend sehr hoch war, habe man beobachten können, dass viele lieber den ÖPNV nutzten.

© SZ vom 14.02.2020
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