Münchner Start-up Wenn man mit dem eigenen Geld spielt, "killt das dein Ego"

Der junge Unternehmer aber trägt Jeans, schwarzes Sakko, ein schwarzes T-Shirt von der Stange. Nur weil er jetzt Geld habe, müsse er es ja nicht ausgeben. Kunze weiß genau, was viele denken, wenn sie hören, dass er an der Universität in Stanford war, dann auch noch die Geschichte mit Bechtolsheim auf dieser Party, schon klar, wo der Junge herkommt.

Manche hätten ihm unterstellt, dass Bechtolsheim sein Onkel sei, Kunze schüttelt den Kopf, nur noch absurd. Seine Mutter ist Buchhalterin, sein Vater Beamter. Abitur am Adolf-Weber-Gymnasium, Schnitt so mittelmäßig. "Ziemlich normal alles", sagt Kunze. Er lächelt. Er weiß natürlich auch, dass diese Geschichte besser ankommt, als wenn Daddy Unternehmer wäre. Die ersten Prototypen der intelligenten Sensoren haben sie damals an der Technischen Universität München (TUM) gebaut, er hat Wirtschaftsinformatik studiert, ging später nach Stanford. Letztendlich schmiss er seinen Master aber für Konux. Wenn, dann richtig.

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Andreas von Bechtolsheim, der Mann von damals auf der Feier, ist mittlerweile Vorbild. Auch, weil er sich trotz seiner Milliarden "immer noch in einer Schlange bei McDonald's anstellen würde". Bechtolsheim lebt im Valley, ist aber am Ammersee aufgewachsen, studierte an der TUM. Vielleicht sind ihm deshalb Ideen aus der Heimat so willkommen, vielleicht lud er Kunze deshalb auf der Feier damals nach Palo Alto ein.

An einem Tag die Woche bleibt das Büro leer

Wie er den altgedienten Investor während des Essens beeindruckt hat, weiß Kunze selbst nicht so genau, "wir haben uns halt gut unterhalten". Man muss vielleicht dazusagen: gut unterhalten über Datensysteme. Kunze fährt auch heute immer wieder ins Valley, dort hat seine Firma einen zusätzlichen Sitz, wegen der ganzen amerikanischen Investoren. In einem Haus, "ungefähr so wie in dem Facebook-Film". Aber nicht dort, sondern in Sendling wird entschieden.

Kunze geht hinüber in die Küche, einen kleinen Raum mit Kaffeemaschine, einem abgewetztem Sofa, an die Wand ein Albert Einstein gesprüht, der die Zunge bleckt. Wüsste man nicht, dass Kunze, Humhal und Lata hier mal eben ein Sensorensystem erschaffen wollen, mit dem Verkehrsunternehmen Millionen sparen sollen - das Ganze wäre auch ein nettes Kollegstufenzimmer. Kunze brüht einen Kaffee auf, schwarz, einer von vielen am Tag. Sie haben jetzt beschlossen, dass sie einmal in der Woche nicht hierher ins Büro kommen, sagt er. Sei ja doch gut, auch mal zur Ruhe zu kommen. Nicht immer nur Extreme.

Er weiß noch, da gab es diesen Tag im Februar, die Firma Linkedin hatte ihre Umsatzerwartungen gesenkt, die Aktien fielen um mehr als 40 Prozent, sie waren ganz unten und Kunze war es auch. Wenn manche seiner Fonds in das Karrierenetzwerk investiert hatten, seien sie nun vielleicht abgeschreckt von neuen Projekten. Kunze schlief nicht mehr. Er starrte auf die Aktienkurse. Es gab nur noch diese eine Frage: "Wie reagieren meine Fonds?"

Jeden Fehler notiert Kunze, jeden Tag

In Konux hat unter anderem der deutsche MIG Fonds investiert sowie der UnternehmerTUM-Fonds. Das meiste Geld aber kam aus den USA, etwa von New Enterprise Associates, einem Fonds aus dem Silicon Valley. Letztendlich hat sich Kunze damals umsonst gesorgt, nach dem Absturz dieser Aktien gab nur einer etwas weniger Geld, am Ende war der Batzen noch immer viel größer als erwartet. Wäre vielleicht einen Eintrag in seiner Fehlersammlung wert.

Kunze sitzt im Konferenzraum, wo er gerade noch mit seinem Vorstand tagte, kaltes Licht aus Röhrenlampen, die Front verglast. Er öffnet ein Dokument auf seinem Computer, all seine Fehler der vergangenen Monate, immer nach dem gleichen Schema sortiert: Was lief falsch, was war das Ergebnis und was das "Learning"? Jeden Tag füllt er dieses Dokument mit neuen Zeilen, wie andere ein Tagebuch, jeden falschen Satz in einem Gespräch, jede falsche Entscheidung in einer Konferenz notiert er.

Vielleicht ist so viel Akribie aber auch nötig, wenn man mit 25 Jahren eine Firma führt. Kunze hat ja in all das hier, in die Fabrikhalle, die Sensoren und die Leute auch sein eigenes Geld gesteckt, hat eigens einen Kredit bei der Bank aufgenommen. Wenn man nicht nur mit dem Geld anderer spiele, sondern mit dem eigenen, "killt das dein Ego", sagt Kunze. Vor ihm der silberne Kasten. Wenn das hier scheitert, ist er fucked. So richtig.

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