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München:Astra Zeneca beim "Schichtl"

Oktoberfest in München, 2019

Die Wiesn-Zelte auf der Theresienwiese - in einem normalen Jahr.

(Foto: Robert Haas)

Auf der Theresienwiese könnte es im Herbst lustig zugehen - selbst wenn das Oktoberfest ausfällt.

Glosse von Stefan Simon

Um zu verhindern, dass es in München nach zuschauerlosen Fußball-EM-Spielen auch noch zu einer "Geister-Wiesn" kommt, will die Stadt im Herbst zwei Wochen lang das größte Impffest der Welt abhalten. Der streng geheime Geheimplan mit dem Namen "Coronarinoline" sieht vor, dass in den Festzelten auf der Theresienwiese in diesem Jahr kein Bier ausgeschenkt wird, sie sollen vielmehr an Pharmakonzerne verpachtet werden. Der Erlös geht an Not leidende Wiesnwirte, allerdings erst nach Abzug einer Gebühr für ein Sicherheitskonzept gegen Querdenker. Oberbürgermeister Dieter Reiter will am 18. September nach dem Einzug der Braunülen-Hersteller um Punkt 12 Uhr das erste Fass Biontech anzapfen.

Reservierungen für einzelne Zelte und Vakzine sind leider nicht möglich. Gegen mehrere Dienstleister, die sich dafür selbst ins Gespräch gebracht haben, laufen derzeit staatsanwaltliche Ermittlungen und Parteiausschlussverfahren. Wer welchen Impfstoff bekommt, wird deshalb erst bei der Ankunft auf dem Festgelände festgelegt. In der Nähe der Eingänge stehen mehrere Los-, Wurf- und Schießbuden bereit. Wer sich mit korrekt sitzender FFP2-Maske am längsten auf dem Teufelsrad hält, hat freie Auswahl. Eine Ausnahme stellt der Impfstoff von Astra Zeneca dar, dieser wird ohne Beschränkung jeweils zur vollen Stunde beim "Schichtl" verabreicht. Die traditionelle Enthauptung eines Menschen bei lebendigem Leib hat das Wiesn-Varieté dafür vorübergehend aus dem Programm genommen.

Der Stadtrat will das Geschehen im Auge behalten und während der Impf-Wiesn im Riesenrad tagen. Das Hygienekonzept sieht einen Politiker pro Gondel vor. Eine Fraktion will die Stadtspitze allerdings in der Geisterbahn unterbringen; welche, wird noch nicht verraten. Dem Plan zufolge sollen mehr als sechs Millionen Menschen aus aller Welt nach München kommen und immunisiert werden - wenn der Impfstoff reicht. Der Verein gegen betrügerisches Einschenken überwacht, dass die Spritzen sauber aufgezogen werden. An den Familientagen dürfen auch Impfwillige der Kategorie 4 mitgebracht werden. Münchner können außerdem nebenan auf der Oidn Wiesn ihren Tetanusschutz auffrischen lassen. Impfskeptiker erhalten statt Biontech eine Bionade. Auf ein friedliches Piksen!

© SZ vom 08.04.2021/vewo
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