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Kehrtwende im Stadtrat:Forum Humor nun doch im Viehhof

Viehbank München

Die heilige Halle des Humors: Eine private Initiative kämpft für ein Forum der komischen Kunst in der Viehbank.

(Foto: Stephan Rumpf)

Von der Idee, in der Schlachthofbank ein Hospiz einzurichten, nimmt die SPD wieder Abstand - man habe sich "vorschnell festgelegt".

Von Susanne Hermanski

Jetzt haben sie doch wieder etwas zu lachen, die Freunde des Forums Humor. Die SPD-Stadtratsfraktion hat nicht nur einen Rückzieher von ihrem Rückzieher von dem Projekt auf dem Schlachthofgelände gemacht - sie wollte dort zwischenzeitlich lieber ein Hospiz unterbringen. Sie beantragt nächste Woche vielmehr, dass die Stadtverwaltung nun offiziell damit beauftragt wird, "den Dialog über die Realisierung des Forums Humor in den Räumlichkeiten der Viehhofbank aufzunehmen". In der Begründung des Antrags, den auch die Grünen unterzeichnen werden, soll stehen: "Die Einrichtung eines Hauses für Humor in der Viehhofbank wird grundsätzlich begrüßt."

Das Hin- und Her um dieses Projekt ist beispiellos. Im Frühjahr, schon zu Corona-Zeiten, hatte die neue Koalition im Stadtrat das Projekt noch als Desiderat in ihr Regierungsprogramm aufgenommen. Plötzlich dann, vor drei Wochen, machte die Fraktionssprecherin der SPD Anne Hübner öffentlich, sie wolle in der alten Viehmarktbank ein Hospiz unterbringen. Dafür habe sie auch schon einen Trägerverein an der Hand, der mit einer Stiftung im Hintergrund die Umbauten selbst bezahlen könnte. Dabei handelte es sich um "Dasein e.V.", für dessen Projekt-Koordination die ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Isabell Zacharias zuständig ist.

Als Begründung hieß es, die städtische Finanzlage infolge der Corona-Krise lasse es nicht zu, die Initiative "Forum Humor" wie geplant bei den nötigen Umbauten für ihr Vorhaben zu unterstützen. Die private Initiative, zu deren prominenten Unterstützern Gerhard Polt, Luise Kinseher, Eckart von Hirschhausen und Stefan Zinner gehören, will in der alten Schlachthofbank eine neuartige Kultureinrichtung entstehen lassen, die Ausstellungsraum, Treffpunkt, Bühne, Humorakademie, Agentur sowie Künstlerateliers unter einem Dach vereint. An dem Konzept dafür wird seit Jahren gearbeitet, es ist speziell auf das Gebäude und dessen Lage in der Zenettistraße abgestimmt. Es steht in unmittelbarer Nachbarschaft zum bald fertigen Münchner Volkstheater-Bau und vis-à-vis vom Wirtshaus im Schlachthof mit seiner traditionsreichen Kabarettbühne.

Die plötzliche Wende der SPD hatte dementsprechend für manches Erstaunen gesorgt. Wer die Architektur der Alten Viehhofbank kennt, fragte sich ganz pragmatisch, wie in dem denkmalgeschützen Bau, der über riesige Räume und bis zu 4,70 Meter hohe Decken verfügt, sinnvoll ein Hospital für Sterbende eingerichtet werden könnte. Auch besitzt das Gelände der Viehofbank keinen Garten oder Anschluss an einen Park, wie das sonst bei Einrichtungen dieser Art üblich ist, damit Patienten und Angehörige dort Momente der Ruhe verbringen können. Aber auch ohne Detailkenntnis des Orts gab es Zweifel, ob der Schlachthof für ein Hospiz je eine angemessene Umgebung abgeben könnte.

Teil der Initiative sind unter anderem Gerhard Polt (links) und Reinhard Wittmann.

(Foto: Stephan Rumpf)

Bei allem Respekt vor dem wichtigen Ansinnen, eine weitere Sterbeklinik in München einzurichten, luden die beiden Vorstände des Forums Humor, Marianne Wille und Reinhard Wittmann, die SPD-Fraktionssprecherin zu einem Ortstermin. Denn in der Tat hatte Anne Hübner die Viehbank "noch nie von innen gesehen", sagt sie. Danach habe sie ihre Meinung denn auch revidiert. "Da hatte ich mich vorschnell festgelegt. Das tut mir rückblickend leid", sagt die Fraktionsvorsitzende der SPD. Und sie bittet um Verständnis dafür. Der Einbruch der städtischen Finanzen infolge der Pandemie sei dramatisch, das habe im Stadtrat "einen Schockzustand ausgelöst, es gibt eine gewisse Verzweiflung angesichts der Haushaltslage". Da sei die Vorstellung einnehmend gewesen, der Hospizverein könnte das unter Denkmalschutz stehende Gebäude übernehmen, ohne, dass der Stadt viele Kosten entstünden.

Unterdessen wiesen die Initiatoren des Forums Humor darauf hin, dass auch sie einen Investor an der Hand haben, der bereit ist, ein Konzept für die Gebäudesanierung zu entwickeln - "mit einem geradezu mäzenatischen Ansatz", sagt Reinhard Wittmann, der Gründungsdirektor des Münchner Literaturhauses war. Als solcher hat er auch reiche Erfahrung mit Finanzierungskonzepten für Kultureinrichtungen vorzuweisen. Der Stadt ist dieser Investor wohlbekannt, er baut gerade neben der Viehbank das Volkstheater. Es handelt sich um die schwäbische Firma Reisch. Dies bestätigt auch Anne Hübner.

Anne Hübner im Rathaus in München 2019

SPD-Fraktionschefin Anne Hübner.

(Foto: Florian Peljak)

Der Bauunternehmer wolle schon bis Ende Oktober eine Kostenschätzung vorlegen, "die dann eine belastbare Aussage dazu sein wird, was der Umbau des Hauses wirklich kostet", sagt Hübner. Zuletzt war eine Summe von 20 Millionen Euro für den Umbau veranschlagt worden. "Das halte ich persönlich aber nicht für realistisch", sagt Hübner. Dennoch sieht sie nun in dem Projekt "ein Stück Hoffnung für die Bürger, dass es nach der schwierigen Zeit der Pandemie auch wieder aufwärts geht".

Mit der Investorenlösung würde der städtische Haushalt prinzipiell nicht zu sehr belastet werden. Dennoch gälte es noch einige Fragen zu klären. Etwa, ob die Stadt das Gebäude via Erbpacht an die Firma Reisch übergibt. Zu überlegen wäre ebenso, ob die Stadt dem Investor einen einmaligen Zuschuss für die Investitionskosten gewährt - was in Summe gesehen billiger sein könnte - oder ob die Stadt dem Forum Humor einen jährlichen Betriebskostenzuschuss gibt. Nach den Vorstellungen von Reinhard Wittmann könnte das Forum mit so einem Finanzierungsmodell in drei bis vier Jahren eröffnet werden.

Fragt man Katrin Habenschaden, was die Grünen zu den Volten ihres Koalitionspartners SPD sagen, entgegnet sie: "Als Bürgermeisterin bewerte ich den Meinungsfindungsprozess der Fraktionen nicht." In ihrer Position als Kulturbürgermeisterin empfindet sie "das Forum Humor aber als eine Bereicherung für die Münchner Kulturlandschaft". Der Standort Viehhof erscheine ihr ebenfalls passend. Allerdings müsse sich die Stadt derzeit von vielen Wunschprojekten verabschieden, "um noch die Pflichtaufgaben für die Bürgerinnen und Bürger stemmen zu können". Optimistischer klingt die Opposition. Die CSU unterstützte das Forum Humor bereits, als sie noch an der Stadtregierung beteiligt war. Beatrix Burkhardt, Kulturpolitische Sprecherin der CSU, begrüßt die "politische Kehrtwende" der SPD" und "geht davon aus, dass das Projekt somit realisiert werden kann".

© SZ vom 24.10.2020/syn
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