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Kultur in der Krise:Neue Hilfspakete für Künstler

Kulturrettungsschirm Söder

Geschafft: Die Kulturvertreter Bernd Schweinar, Helmut Schleich, Wolfgang Krebs, Luise Kinseher und Jürgen Kirner (v.l.) nach geleisteter Überzeugungsarbeit.

(Foto: Bernd Schweinar)

Nach Gesprächen mit Kreativen und Verbänden hat Ministerpräsident Markus Söder Unterstützung für Kulturschaffende in Not zugesagt.

Von Michael Zirnstein

Woche um Woche warteten Künstler und Kreativenverbände auf eine Ansage von Markus Söder, wie er ihnen über den harten Corona-Winter helfen wird. Am Dienstag nahm sich der Ministerpräsident in seiner 54-minütigen Regierungserklärung drei Minuten Zeit, um zu sagen, dass Kultur ihm wichtig ist und warum: "Weil Kultur in diesen Zeiten nicht irgendein Wirtschaftszweig ist ... Künstlerinnen und Künstler geben uns mit ihrer Kunst mehr als eine Dienstleistung, sie geben uns auch Hoffnung und Freude, was vielleicht in den nächsten Monaten besonders wichtig ist. Sie zeigen uns, dass es mehr gibt als Corona. Deswegen sollten wir sie besonders unterstützen."

Wie genau die Unterstützung aussieht, ließ er noch im Vagen, deutete aber an, das Ende September ausgelaufene Hilfsprogramm für soloselbstständige Künstler neu zu starten und zu verbessern, weil es "nicht funktioniert" habe, wie Söder einräumte: "Es hat bislang nicht seine Wirkung erzielt." Es heißt, statt der erwarteten 60 000 Anträge sind nur 8000 eingegangen, 120 Millionen bereitgestellte Euro wurden nicht verteilt. Der nach wie vor skeptische Philipp Ernst, Vizepräsident des Bayerischen Landesverbands der Kultur- und Kreativwirtschaft, erklärt das so: "Das Hilfsprogramm war kompliziert, schlecht kommuniziert, wurde mehrmals nachgebessert und hat Berechtigte durch undurchsichtige Vergaberichtlinien abgeschreckt."

So wollte Söder das nicht stehen lassen. Bis der Bund eine Überbrückungshilfe mit einem "fiktiven Unternehmerlohn" starte, werde er mit einem vergleichbaren "Künstler-Selbstständigen-Programm vorangehen", und zwar - das ließ die Verbände aufhorchen - "bis die Pandemie vorbei ist". Mit Stipendien wolle er auch Berufseinsteigern helfen. Söder betonte, das sei "so mit der Kunstwelt besprochen", etwa in einer großen Runde mit Kulturschaffenden am Montag, die ihn "sehr beeindruckt habe".

Diese Runde hatte Bernd Schweinar vom Verband für Pop-Kultur in Bayern angestoßen. Der "Rock-Intendant" hat viele bayerische Künstler mobilisiert und sich auch in der Staatskanzlei von Luise Kinseher, Wolfgang Krebs, Helmut Schleich, Urban Priol, Jürgen Kirner und Thomas Darchinger flankieren lassen. Das Ergebnis stimmt den VP.By-Chef hoffnungsfroh, zumal er Söder auch von der Notwendigkeit einer Förderung für Kulturbühnen und kleinere bis mittlere Veranstaltungsagenturen überzeugen konnte. Noch gibt es allerdings nichts Schriftliches. Bis der Ministerrat die Kulturhilfe absegnet, heißt es wieder warten.

© SZ vom 24.10.2020
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