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Verkehr in München:Auf diesen zehn Straßen könnten breitere Radwege entstehen

Fahrradampel nahe des Gasteigs. Hier soll der Radweg ausgebaut werden.

Grünes Licht für Radler: Ganze 450 Kilometer des Hauptverkehrsstraßennetzes muss die Verwaltung prüfen und zum Beschluss vorlegen.

(Foto: Robert Haas)
  • Am Mittwoch legt das Planungsreferat dem Stadtrat eine Liste mit zehn Straßen vor, an denen ebenfalls breitere und vor allem sicherere Radwege entstehen sollen.
  • Stimmen die Politiker dafür, wird die Verwaltung die Strecken dann genauer untersuchen und Varianten ausarbeiten.
  • CSU und FDP hatten beantragt, diese Liste zu veröffentlichen. Weil Parkplätze gestrichen werden könnten, sorgt sich die CSU um das Kleingewerbe.

Zehn erste Maßnahmen zur Umsetzung des Radentscheids hat der Stadtrat im vergangenen Dezember beschlossen. Jedes Quartal bis 2025 sollen zehn weitere folgen. An diesem Mittwoch legt das Planungsreferat dem Stadtrat eine weitere Liste mit zehn Straßen vor, an denen breitere und vor allem sicherere Radwege entstehen sollen. Auf der stehen auch weitere 22 Straßen, in denen Sicherheitsmängel für Radlerinnen und Radler ausgemacht wurden. Sie wurden aufgrund von Vorschlägen, unter anderem aus Bezirksausschüssen, aufgenommen.

CSU und FDP hatten beantragt, diese Liste zu veröffentlichen, nachdem die Abendzeitung ein Arbeitspapier des Referats als "geheime Liste" veröffentlicht hatte - woraufhin die CSU am Beispiel der Humboldtstraße den Niedergang des Kleingewerbes heraufbeschwor, sofern dort Parkplätze zugunsten von Radstreifen gestrichen würden.

Auch die Grünen hatten für die Veröffentlichung der Liste gestimmt und gleichzeitig vorgeschlagen, den aktuellen Planungsstand dazuzuschreiben. Die Humboldtstraße und andere Straßenzüge tragen nun den Vermerk "zurückgestellt". Für die zehn nun für das zweite Maßnahmenbündel vorgeschlagenen Straßen hat das Planungsreferat "Steckbriefe" erstellt, die die Grundlage für weitere Planungen sein sollen.

Stimmen die Politiker dafür, wird die Verwaltung die Strecken dann genauer untersuchen und Varianten ausarbeiten. Anschließend will die Stadt Anwohner und Gewerbetreibende sowie die Bezirksausschüsse und die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mit einbeziehen, dann gehen die Maßnahmen wieder zur Entscheidung zurück an den Stadtrat.

Insgesamt 450 Kilometer am Hauptverkehrsstraßennetz, wo mehr als 30 Kilometer pro Stunde schnell gefahren werden darf, muss die Verwaltung per Bürgerwillen bis zum Jahr 2025 untersuchen und zum Beschluss vorlegen.

Punkt eins des zweiten Maßnahmenbündels ist der wahrlich nicht gerade radlerfreundlichen Stiglmaierplatz. Hier sind derzeit hauptsächlich schmale Radwege zu finden, die heute nicht mehr den Richtlinien entsprechen. Zudem müssen sich die Planer Lösungen für die zum Platz hinführenden Straßen überlegen. Parkplätze wären dagegen nicht viele betroffen: Es sind gerade mal fünf.

Punkt zwei auf der Liste ist die Rosenheimer Straße zwischen Rosenheimer Platz und Gasteig. Hier ist das Rad-Aufkommen laut Verwaltung sehr hoch. Weil stadtauswärts bereits ein Radstreifen vorhanden ist, soll zunächst nur in Richtung stadteinwärts weiter geplant werden. Der Steckbrief sieht allerdings bereits vor, eine Fahrspur für Autos zu streichen.

Auch auf der Martin-Luther-Straße in Giesing könnte pro Richtung ein Fahrstreifen wegfallen. Parkplätze sollen an der Lothstraße zwischen Dachauer- und Georgenstraße geopfert werden, ebenso an der Winzererstraße zwischen Loth- und Schwere-Reiter-Straße. Ohne Streichung käme nach aktuellem Stand die Pilgersheimer Straße zwischen Freibadstraße und Edlinger Platz davon, hier würden die Fahrspuren nur schmäler.

An der Gebsattelstraße zwischen Mariahilfplatz und Regerstraße fielen die Parkplätze weg, Fahrspuren müssten wiederum an der Ungererstraße zwischen Münchner Freiheit und Frankfurter Ring und an der Marsstraße zwischen Pappenheim- und Arnulfstraße gestrichen werden. Sieben Parkplätze würden letzlich an der Stadelheimer Straße gestrichen werden, zugunsten eines Zweirichtungsradweges.

Andreas Groh, Münchner Vorsitzender des Fahrradklubs ADFC und einer der Sprecher des Radentscheids, bewertet die Vorlage als gut, jedoch mit einer Einschränkung: Er vermisst eine Verbesserung des Isarradwegs an der Widenmayerstraße im Maßnahmenpaket. Dort komme es immer wieder zu brenzligen Situationen, so Groh. "Gleichzeitig eignet sich diese Strecke hervorragend als Pilot für einen geschützten Radfahrstreifen, der sich dort sehr einfach, schnell und kostengünstig einrichten ließe."

© SZ vom 04.03.2020/flud

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