Nahverkehr:Neue Tram in den Münchner Norden

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Nahverkehr: Die Tramlinie 12 soll künftig nicht mehr am Scheidplatz enden.

Die Tramlinie 12 soll künftig nicht mehr am Scheidplatz enden.

(Foto: Florian Peljak)

Um geplante Wohngebiete und Arbeitsplätze besser ans Stadtzentrum anzuschließen, wird die Linie 12 über den Scheidplatz hinaus verlängert. Welche Auswirkungen das für Autofahrer hat.

Von Ellen Draxel

Der Münchner Norden wächst - und damit steigen die Anforderungen an den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Allein in Neufreimann entstehen auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne in den kommenden Jahren 5500 neue Wohnungen für bis zu 15 000 Menschen. Zugleich erweitert der Autobauer BMW sein Forschungs- und Innovationszentrum in Milbertshofen: Bis 2050 sollen an dem Standort im Bereich der früheren Kronprinz-Rupprecht-Kaserne rund 15 000 Menschen arbeiten.

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) plant deshalb eine "zusätzliche effiziente Anbindung an das Stadtzentrum" - mit einer Verlängerung der Tramlinie 12. Bislang endet die vom Romanplatz in Neuhausen kommende Linie 12 am Scheidplatz. Künftig soll sie durchfahren bis in die Parkstadt Schwabing, auf derselben Route wie die Tram 23 nördlich des Parzivalplatzes. Die neue 12er-Strecke führt dann durch die Parzivalstraße, vorbei am Klinikum Schwabing.

Die dort bereits verlegten Gleise dienen momentan lediglich dem Ein- und Ausrücken von Fahrzeugen der Linie 23, doch das wird sich ändern und auf die Frequenz der Fahrzeugbewegungen auswirken. Sollen anfänglich neben den Ein- und Ausrück-Fahrten der 23er nur Wagen der Tram 12 die Route nutzen, sind "perspektivisch" auch eine Verstärker- und eine Nachtlinie vorgesehen. Statt der sieben Trambahnen je Richtung, die bisher täglich die Parzivalstraße entlangfahren, hält die MVG langfristig je Richtung bis zu 230 Züge, die die Strecke in 24 Stunden passieren, für möglich - "abhängig von der Entwicklung der Fahrgastnachfrage und der Finanzierung", wie Sprecher Maximilian Kaltner erklärt. Das wären pro Richtung 190 Fahrten am Tag und 40 in der Nacht.

Um eine attraktive Verbindung zu gewährleisten, ist vorab allerdings noch eine bauliche Anpassung nötig. Die MVG will daher im kommenden Jahr zwischen der südlichen Belgrad- und der Parzivalstraße zwei neue Gleisbögen nachrüsten. Sie sollen eine Schleifenfahrt über die Wendeanlage am Scheidplatz obsolet machen und so kürzere Fahrzeiten zwischen dem Münchner Norden und der Innenstadt ermöglichen. Zwei Minuten Fahrzeitverkürzung, prognostizieren die Stadtwerke, bewirkten einen 40 Prozent höheren Fahrgastzuwachs. Diese Zahl rechtfertigt aus Sicht der Verkehrsbetriebe "auch eine verschlechterte Umsteigebeziehung zwischen Tram und U-Bahn am Scheidplatz, da die Trambahnen künftig nicht mehr so nahe an den Aufzügen des U-Bahnhofs halten".

Weichen müssen 36 Parkplätze und eine Auto-Abbiegespur

Weil die derzeitige Haltestellenposition am Scheidplatz, ein wichtiger Verknüpfungspunkt zwischen U-Bahn, Bus und Tram, künftig von den verlängerten Linien nicht mehr bedient wird, ist außerdem ein Haltestellenausbau erforderlich. So soll die bisherige Bushaltestelle "Scheidplatz Süd" an der westlichen Parzivalstraße, die bis jetzt nur die Buslinien 140, 141 und N41 anfahren, nun auch für die Trambahn ertüchtigt werden. Geplant sind eine Verlängerung und ein barrierefreier Ausbau. In der Gegenrichtung ist ein Inselbahnsteig vorgesehen.

Die Neugestaltung des Straßenraums ermöglicht zudem eine Verbreiterung der Radverkehrsflächen in Anlehnung an den Radentscheid und eine Optimierung der Verkehrsführung. Weichen müssen 36 Parkplätze und eine Auto-Abbiegespur in Richtung Belgradstraße. Dafür können - auf Bitten des Westschwabinger Bezirksausschusses, der angesichts einer Fahrspurreduzierung ein Gutachten zur Leistungsfähigkeit des Knotens Belgrad-/Parzivalstraße gefordert hatte - sechs Bäume erhalten werden.

Die Tramlinie 23, so Kaltner, werde während des Einbaus der Gleisbögen und der Realisierung der neuen beziehungsweise neu situierten Tramhaltestellen voraussichtlich im Herbst kommenden Jahres durch Busse ersetzt. "Um die Sperrzeit für Fahrgäste auf einen möglichst kurzen Zeitraum zu begrenzen, überlagern sich die Bauarbeiten am Scheidplatz Süd mit denen am Kurfürstenplatz." Westschwabings Lokalpolitiker haben der Planung in ihrer jüngsten Sitzung zugestimmt. In Betrieb genommen werden soll die neue Haltestelle "Scheidplatz Süd" mit dem Fahrplanwechsel Ende 2023. Doch bis die ersten Straßenbahnen ins nördliche Schwabing rollen, wird es noch bis mindestens Dezember 2024 dauern.

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