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Tourismus:Nachhaltig durch München wandern

Nur eines von vielen lohnenswerten Etappenzielen des München Trail: Der direkt auf St. Lukas zuführende Kabelsteg über die Isar.

(Foto: AGEG Tourism)

Wandern in der Großstadt? Barbara Fritz hat den 113 Kilometer langen "München Trail" entwickelt - nachhaltige Touren durch die Stadt mit Tipps zum Einkehren.

Zum Wandern in die Großstadt - was für eine verrückte Idee! Aber nein, das Konzept, das sich Barbara Fritz da überlegt hat, ist alles andere als verrückt. Es ist ein Gegenentwurf zum herkömmlichen Städtetourismus. Beim München Trail, den die Betreiberin der Münchner Agentur "Ageg Tourism for Sustainability" zusammen mit mehreren Partnern im Bamberger Haus vorstellt, handelt es sich um einen 113 Kilometer langen Weg, auf dem Besucher sowie Münchner und Umland-Münchner die Stadt authentisch erleben und entdecken können. Der Trail führt in zehn Tagesetappen durch die Vielfalt von 15 Stadtvierteln, und zwar abseits der üblichen Touristikrouten.

Barbara Fritz hat sich mit ihrer Agentur auf nachhaltige Tourismusentwicklung spezialisiert. Die Idee für einen Wanderweg durch München sei ihr bei ihrem täglichen Fußmarsch von Untergiesing zu ihrem Büro am Viktualienmarkt gekommen, sagt sie. Schon da könne man München in vielen Facetten erleben. Als sie dann einen Langstrecken-Trail für den Balkan entwickelte, habe sie gedacht, so etwas müsse sich auch für die Großstadt verwirklichen lassen.

München Trail

"München Trail": Was auf den zehn Etappen zu sehen ist

Die "Initialzündung" habe schließlich ein Wettbewerb von Airbnb gebracht, bei dem sie mit ihrer Idee gewonnen habe. Das Konzept erfülle alle Anforderungen für nachhaltigen Tourismus, es bringe Besucher und Einheimische zusammen, lobt Tobias Heyer von Airbnb Deutschland. Er sei überzeugt, dass der München Trail auch "international eine Vorreiterrolle übernehmen" werde. Laut Fritz gibt es einen solchen Trail, "der wie ein Fernwanderweg durch die Stadt läuft", anderswo in dieser Form noch nicht. Wichtig sei ihr, dass mit den Etappen, die auf vorhandenen Wegen durch alte ursprüngliche Viertel führen, die einheimische Bevölkerung nicht gestört und gleichzeitig die Tourismusströme entzerrt würden.

Die zehn Etappen sind zu einem Rundkurs verbunden, der sich an den Parkanlagen und dem Grün der Stadt orientiert, sie sollen ein ganzjähriges Erlebnis ermöglichen, das "innovativ, nachhaltig und klimafreundlich" ist. Wanderer können überall einsteigen, nur einzelne Etappen gehen, den Trail aber auch in mehreren Tagen komplett bewältigen. Wanderurlaub in der Stadt sei inzwischen gefragt bei Leuten, die aktiv sein, gleichzeitig aber auch die Schönheiten und Besonderheiten ihres Reiseziels erleben wollen, sagt Fritz.

Unter dem Motto "Mach dich auf den Weg und entdecke die Vielfalt Münchens" führt der Trail von der Isar am südlichen Stadtrand bis weit hinauf in den Norden nach Feldmoching, die einzelnen Etappen, die neun bis 14 Kilometer lang sind, stehen jeweils unter einem bestimmten Thema. So gelangt der Wanderer auf der zweiten Etappe "Von Bayern nach Asien" unter anderem in den Westpark, wo einzelne Bereiche im fernöstlichen Stil angelegt sind. "Das königliche Flanieren" kann er auf der Etappe fünf im Nymphenburger Schlosspark nachempfinden. "Durch Wald und Wiese" geht es dann auf der folgenden Etappe bis in das noch dörfliche Stadtviertel Feldmoching. Vielfalt ist garantiert auf Wegen, die von Bogenhausen bis zur Blutenburg und vom Gärtnerplatz bis nach Giesing führen.

Wenn man sich aufmerksam treiben lasse, könne man auch "Orte entdecken, die nicht einmal Einheimische kennen", findet eine Studentin der Tourismusfakultät der Hochschule München, die ebenfalls zu den Projektpartnern gehört. Man habe Wege gefunden, die leicht begehbar und deshalb auch für Familien geeignet seien, sagt Barbara Fritz. Abstecher seien immer wieder möglich.

Neben all den neuen Entdeckungen aus Bereichen wie Kunst, Kultur, Geschichte und Architektur soll bei dieser Form des Stadtwanderns die Genusskultur nicht zu kurz kommen. Zum Wandern gehöre unbedingt auch das Einkehren, weiß die Tourismusexpertin Fritz. Der Weg führe deshalb an authentischen Gasthäusern vorbei, die echte Bier- und Wirtshauskultur vermitteln. Das Bamberger Haus gehört zu den ersten Trail-Partnern. In dem Traditionsbetrieb am Rand des Luitpoldparks gibt es seit vier Jahren einen Biergarten, ein Restaurant mit österreichischer Küche und eine Pizzeria. Ganz im Sinn des Trails achtet man dort auf Nachhaltigkeit, auch was die Arbeitsbedingungen in der Gastronomie angeht. Auch am Xaver's in der Rumfordstraße wird der Wanderer auf dem Trail vorbeikommen. Dort haben die jungen Wirte ein "echtes Münchner Wirtshaus" eingerichtet, das die jüngere Generation anziehen will, in dem sich aber auch ältere Gäste wohlfühlen sollen.

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Das Projekt will die lokale Wertschöpfung erhöhen, deshalb finden sich auf den Etappen auch ausgewählte Einkaufsmöglichkeiten, besondere Geschäfte oder Manufakturen etwa. Auf außergewöhnliche Events soll der Wanderer ebenfalls aufmerksam gemacht werden. Sogar einen Lauf auf dem Trail in Wettbewerbsform kann sich Barbara Fritz vorstellen. Vielleicht, so hofft sie, wird der Trail irgendwann sogar mit Schildern gekennzeichnet. Langfristig sollen auch Führungen ins Programm aufgenommen werden. Bei der Präsentation konnten die Gäste schon einmal eine solche erleben, auf einem Teilstück der siebten Etappe.

Das alles macht Lust darauf, die Stadt einmal in Ruhe zu Fuß zu erleben. Unter www.münchen-trail.de sind der Trail und seine einzelnen Etappen vorgestellt mit Text und vielen Bildern. Bei der Rückkehr ins normale Münchner Leben vertraut man sich dann aber doch den öffentlichen Verkehrsmitteln an in der Hoffnung, das sei schneller als der Marsch zu Fuß. Am Sendlinger-Tor-Platz, wo an diesem Tag weder Bus noch Tram zu finden sind, wünschte man sich dann aber einen Schleichweg, auf dem man diesem Chaos entfliehen könnte.

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