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Coronavirus in München:Streit um Schließung der Teststation

Drive-In-Tests auf Corona-Virus in München, 2020

Die Drive-In-Teststation auf der Theresienwiese musste schließen - über die Gründe streiten Stadt und KVB.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Stadt und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns sind uneins in der Frage, warum die Drive-In-Station auf der Theresienwiese geschlossen wurde. Die KVB verteidigt das Aus.

Von Stephan Handel und Dietrich Mittler

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) wehrt sich gegen Vorwürfe der Stadt wegen ihres Rückzugs von der Corona-Teststation auf der Theresienwiese. Der KVB-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Krombholz verweist vor allem darauf, dass seiner Vereinigung die Mit-Finanzierung der Teststation nach dem 16. Juni nicht mehr so einfach erlaubt gewesen sei. An diesem Tag hatte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann den Corona-Katastrophenfall für beendet erklärt.

Die Stadt hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass sich die KVB "überraschend und mit sofortiger Wirkung aus der Teststation auf der Theresienwiese zurückgezogen" habe. Oberbürgermeister Dieter Reiter ließ erklären, er sei "entsetzt", Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs bedauerte die Entscheidung.

Die Teststation auf der Theresenwiese war Mitte März eingerichtet worden. Die Stadt bezahlte den Betrieb, die Aicher-Ambulanz stellte medizinisches Personal zur Verfügung. Die Ärzte wurden von der KVB vermittelt - zumeist niedergelassene Mediziner, die zum Ärztlichen Bereitschaftsdienst verpflichtet sind; er wird von der Vereinigung der Kassenärzte organisiert. Ihre Bezahlung war zweigeteilt: An den Vormittagen wurden "epidemiologisch indizierte Tests" durchgeführt, also an Menschen aus Risikogruppen, die selbst aber keine Symptome zeigten, etwa Pflegepersonal.

Diese Tests wurden vom Gesundheitsamt veranlasst und deshalb auch - ebenso wie die Vergütung der Ärzte - von diesem bezahlt. Am Nachmittag kamen Patienten mit Symptomen, die von ihren Hausärzten zum Testen geschickt worden waren. Für diesen Dienst erhielten die Ärzte von der KVB 120 Euro pro Stunde sowie das übliche Behandlungshonorar von den Krankenkassen, das sind pro Test 13,18 Euro. Wie viel Geld die KVB insgesamt für die Teststation ausgegeben hat, ist noch nicht bekannt - abgerechnet wird quartalsweise.

In den Hochzeiten fanden unterhalb der Bavaria pro Tag bis zu 900 Testungen statt. Nun aber, sagt die KVB, sei die Zahl der Anfragen extrem zurückgegangen - zuletzt auf einstellige Werte. Das habe zur Folge, dass der Weiterbetrieb der Station nicht mehr notwendig und zudem wirtschaftlich nicht mehr lohnend sei. Die KVB finanziert sich und ihre Angebote durch einen Anteil an den Honoraren, die sie im Auftrag der Ärzte mit den Krankenkassen abrechnet und an die Praxen weiterleitet. "Wir haben uns immer dagegen gewehrt", sagt KVB-Chef Krombholz, "dass die KVB mit dem Geld, das die Praxen brauchen, zur Finanzierung der Teststrecken beiträgt. Das ist nicht Sache der Ärzte, das ist Sache des Staates."

Krombholz weist weiter darauf hin, dass die Corona-Tests nun in zahlreichen Arztpraxen angeboten werden sollen: "Das werden in München einige Dutzend sein, in ganz Bayern werden 500 Praxen zur Verfügung stehen. Das ist für den Staat günstiger als die Drive-in-Teststrecken, und das ist dann auch Umsatz für die Praxen - nach der toten Zeit."

Die Stadt hatte ihr Unverständnis über den Rückzug vor allem deshalb geäußert, weil Ministerpräsident Markus Söder angekündigt hatte, ab sofort könne sich jeder Bürger auf Corona testen lassen, bezahlen würden entweder die Krankenkassen oder der Staat. "Mit der Teststation", sagt Gesundheitsreferentin Jacobs, "hätte das Versprechen des Freistaats wirkungsvoll, pragmatisch und effizient umgesetzt werden können."

Sie meint auch, dass die Drive-in-Lösung für alle Beteiligten unkomplizierter sei als der Besuch in einer Arztpraxis: "Die möglicherweise infizierten Personen können im Auto sitzen bleiben, dadurch wird die Ansteckungsgefahr für andere minimal." Und auch für die niedergelassenen Ärzte sei es einfacher gewesen, Patienten im Verdachtsfall auf die Theresienwiese zu schicken, als sich komplizierte Hygiene- und Trennungsregeln für ihre Praxis überlegen zu müssen.

Die KVB hingegen verweist weiterhin auf die Gesetzeslage, auf die reale Situation mit relativ wenig Infizierten - und darauf, dass die Münchner Teststation ja nicht die erste und einzige ist, die den Betrieb einstellt. Tatsächlich melden Behörden aus ganz Bayern mehr und mehr die Schließung der Teststrecken oder wenigstens die Einschränkung des Betriebs. Ein KVB-Sprecher meint dazu: "Jetzt wird es Zeit, wieder zur Regelversorgung zurückzukehren" - und die finde nun mal in Arztpraxen und nicht auf der grünen Wiese statt.

© SZ vom 04.07.2020/lfr
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