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SZ-Adventskalender:"Ich habe schon genug zu kämpfen"

SZ Adventskalender Benefizaktion

Ein Spruch an der Wand unterstreicht die Lebenseinstellung von Thomas P. : "Denke nicht so oft an das, was fehlt, sondern an das, was du hast."

(Foto: Robert Haas)

Thomas P. ist alleinerziehend. Wegen der Corona-Pandemie ist er in Kurzarbeit. Schon in normalen Zeiten kann er nur das Nötigste für seine Kinder ausgeben.

Von Sven Loerzer

"Einfach war es nicht", all die Jahre schon, noch vor der Corona-Pandemie. Ohne Unterstützung von "Oma und Opa", seinen Eltern, hätte er es wohl nicht geschafft, sagt Thomas P., 44. Der alleinerziehende Vater von der zwölfjährigen Malin und dem achtjährigen Elias, hat einen "hochstrukturierten Alltag in der Familie, der durch Schule, Haushalt und die Arbeit bis ins Kleinste durchgetaktet ist", sagt eine Sozialarbeiterin, die mit seinem Schicksal befasst ist. Thomas P. arbeitet in einer Indoor-Sporthalle, sein Einkommen reicht nicht ganz zum Leben, deshalb übernimmt das Jobcenter einen Teil der Miete.

Erst seit diesem Schuljahr hat sein Sohn einen Hortplatz, während nun seine Tochter eine Ganztagsklasse besucht. Zuvor waren die Kinder nach Schulende bei den Großeltern, wo sie der Vater nach Arbeitsende abholte. Die Corona-Pandemie aber machte das zunichte. Zwar musste die Sporthalle wegen des Lockdowns geschlossen bleiben, "aber unser Chef hat uns nicht hängen lassen". Während Renovierungsarbeiten in der Halle stattfanden, konnte er seine Kinder, als die Schulen geschlossen waren, dorthin mitnehmen und dort ihre Hausaufgaben machen lassen. Denn der Opa, der lungenkrank ist, fiel wegen seines erhöhten Risikos für die Kinderbetreuung aus. Auch, um Ansteckungsgefahren für ihn zu reduzieren.

Lange war die Indoor-Sporthalle nicht auf, zwei Monate, nun ist sie erneut geschlossen, diesmal bedeutet das Kurzarbeit für den Familienvater. "Ich weiß nicht, wann sie wieder aufmacht", sagt Thomas P., "das ist psychisch eine ziemliche Belastung, man macht sich ja doch viele Gedanken." Für die Kinder war die Zeit der Kontaktbeschränkungen schwierig. Elias habe es am Anfang nicht verstehen können, warum die Spielplätze abgesperrt blieben während des Lockdowns im Frühjahr. "Meine Kinder wollten raus."

Finanziell wurde es schwieriger, auch in normalen Zeiten muss Thomas P. mit dem Geld gut haushalten. "Ich kaufe mir nie etwas Neues. Ich verzichte lieber auf alles, damit ich den Kindern bieten kann, was sie brauchen." Ein Spruch auf einer Tafel an der Wand unterstreicht seine Lebenseinstellung: "Denke nicht so oft an das, was fehlt, sondern an das, was du hast."

So können Sie spenden

Wer helfen will, wird um ein Geldgeschenk gebeten, Sachspenden können leider nicht entgegengenommen werden. Bareinzahlungen sind von Montag bis Donnerstag von 10 bis 18 Uhr, Freitag von 10 bis 16 Uhr sowie nur an den vier Adventsamstagen von 10 bis 16 Uhr im SZ-Servicezentrum, Fürstenfelder Straße 7, möglich. Sicher online spenden können Leser im Internet unter www.sz-adventskalender.de. Überweisungen sind auf folgendes Konto möglich:

"Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung e.V."

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Spenden sind steuerlich abzugsfähig; bis zu einem Betrag in Höhe von 200 Euro reicht der vereinfachte Nachweis. Bei Spenden in Höhe von mehr als 200 Euro senden wir Ihnen die Spendenbestätigung zu, sofern auf der Überweisung der Absender vollständig angegeben ist. Jede Spende wird ohne Abzug dem guten Zweck zugeführt. Alle Sach- und Verwaltungskosten trägt der Süddeutsche Verlag. www.facebook.com/szadventskalender

Viel wichtiger ist ihm das "innige Verhältnis" innerhalb der Familie, "jeder ist für jeden da, das hilft schon". Eigentlich würde er gerne umziehen, denn die Wohnung hat nur knapp mehr als 50 Quadratmeter. Damit die Kinder ihren eigenen Bereich haben, schläft Thomas P. auf einer Ausziehcouch im Wohnzimmer, "da schläft man auf Dauer nicht so gut darauf". Aber angesichts des schwierigen Wohnungsmarkts und seiner finanziellen Lage verdrängt er den Gedanken. "Ich versuche, immer, etwas zu sparen, aber jetzt mit der Corona-Pandemie gelingt mir das nicht."

Was seine Kinder sich wünschen? Ach, es gäbe schon so Wünsche, sagt Thomas P., aber das sei unerreichbar. Seine Tochter hätte gern ein Tablet, schon im Hinblick auf weiteres Homeschooling. Für den alten Computer zu Hause fehlt ein Drucker, die Aufgaben muss der Vater bei den Großeltern ausdrucken lassen. Und sie träumen von einem kleinen Urlaub, wenn denn das irgendwann wieder möglich sein sollte. Disneyland würden sich seine Kinder wünschen, "aber ich habe schon genug zu kämpfen". Die Kraft dazu, die geben ihm seine Kinder. "Wenn meine Kinder strahlen, dann geht es mir auch gut, das ist das Wichtigste für mich." Und sich nicht mit dem Corona-Virus anzustecken. Er tue alles, um sich nicht zu infizieren. "Das Allerwichtigste ist Gesundheit. Und die kann man nicht bezahlen."

© SZ vom 03.12.2020/vewo
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