Leerstehende Wohnheimplätze:Der Freistaat muss den Studierenden helfen

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Leerstehende Wohnheimplätze: Unbewohnt: das orange Haus mit der Nummer 12 in der Freimanner Studentenstadt.

Unbewohnt: das orange Haus mit der Nummer 12 in der Freimanner Studentenstadt.

(Foto: Florian Peljak)

Gut 1200 Apartments stehen in der Studentenstadt leer. Um das Desaster nicht noch größer zu machen, sollte die Staatsregierung die nötigen Millionen für die Sanierung geben.

Kommentar von Bernd Kastner

Das Desaster ist da, und es ist groß. Man könnte lange darüber sinnieren, wer dafür verantwortlich ist, ob das Studentenwerk mehr schuld daran ist als die Staatsregierung oder umgekehrt. Sicher ist, dass der Ist-Zustand ein Schlag für sehr viele Studierende in München ist: Mehr als 1200 Plätze in drei großen Wohnheimen in der Studentenstadt Freimann stehen seit Monaten leer, und sie werden noch über Jahre ungenutzt bleiben. Wann die Sanierung beginnt? Wann die Häuser wieder bezogen werden? Völlig unklar.

Womöglich war das Münchner Studentenwerk 2015 recht naiv, als es Deutschlands größte Studierendensiedlung vom früheren Eigentümer, dem Verein Studentenstadt, übernahm - wohl wissend um die anstehende, teure Grundsanierung der Gebäude aus den Sechziger- und Siebzigerjahren. Naiv deshalb, weil man sich von der Staatsregierung keine Zusicherung geben ließ, dass diese das nötige Geld zuschießt. Wird schon werden, dachte man offenbar und vertraute darauf, dass das Geld schon fließt, wenn man es braucht. Die Staatsregierung wiederum hat das Studentenwerk wurschteln lassen und zugesehen, wie die Hochhäuser in der Stusta von Jahr zu Jahr maroder wurden. Geht schon irgendwie, meinte man wohl. Doch nach dem schrecklichen Brand 2021, bei dem eine Studentin starb, weiß man: Nichts geht mehr in den großen Häusern.

Und jetzt sträubt sich Wissenschaftsminister Markus Blume von der CSU dagegen, dem Studentenwerk die gewünschten 24,5 Millionen Euro für die Sanierung zweier Häuser zuzusichern. Stattdessen bringt er, um das Eigenkapital des Studentenwerks zu stärken, unter anderem Mietsteigerungen ins Spiel. Respekt, so ein Vorschlag erfordert durchaus politischen Mut in diesen Tagen, da angesichts von Inflation und steigenden Energiekosten über Entlastungen für viele Bevölkerungsgruppen gesprochen wird. Und ausgerechnet im teuren München sollen Studierende mehr fürs Wohnheim zahlen? So mutig Blumes Idee sein mag, sozial ist sie nicht, im Gegenteil. Wer auf einen Wohnheimplatz angewiesen ist, schwimmt nicht im Geld.

Es ist Stillstand in der ohnehin stillen Geisterstadt von Freimann. Derweil werden die Wartelisten für einen Wohnheimplatz länger und länger. Höchste Zeit, dass die Spitzen von Studentenwerk und Wissenschaftsministerium endlich reden, und zwar miteinander, und dabei nicht um den heißen Brei. Und ob es Blume gefällt oder nicht, der Freistaat sollte tun, worum er früher oder später ohnehin nicht herumkommen wird: Er sollte dem Studentenwerk die benötigten Millionen zusichern oder selbst die Sanierung in die Hand nehmen, und er sollte das rasch tun. Jede weitere Woche, die die Staatsregierung verstreichen lässt, kommt vielen Studierenden teuer zu stehen. Jede weitere Woche des Wartens macht das große Desaster in der Studentenstadt noch größer.

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