Stadtwerke München:Fernwärme wird teurer

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Stadtwerke München: Weil Gas und Kohle teurer werden, schlagen die Preiserhöhungen auch auf den Fernwärmepreis durch.

Weil Gas und Kohle teurer werden, schlagen die Preiserhöhungen auch auf den Fernwärmepreis durch.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Die Stadtwerke erhöhen den Arbeitspreis um gut 17 Prozent und geben damit Anpassungen auf dem Markt nur zum Teil an ihre Kunden weiter.

Von Anna Hoben

Die Stadtwerke (SWM) erhöhen erneut den Preis für die Fernwärme: Zum 1. Oktober wird die Megawattstunde 180,32 Euro kosten - statt 153,70 Euro wie bisher. Die SWM verkaufen das in einer Mitteilung als "gute Nachricht" - mit der Begründung, man habe den Anstieg spürbar abmildern können. Statt um knapp 74 Prozent steige der Arbeitspreis, der für die tatsächlichen Verbrauchskosten angesetzt wird, um gut 17 Prozent, heißt es. Der Grundpreis erhöhe sich um 2,4 Prozent.

Die Argumentation der Stadtwerke: Wegen der steigenden Marktpreise für Gas und Kohle, die sich seit der bisher letzten Fernwärme-Preisanpassung nochmals stark verteuert hätten, hätte sich aus der Preisänderungsklausel eine Steigerung des Arbeitspreises um fast 74 Prozent ergeben. "Die Preissteigerungen geben die SWM aber nur zum Teil an die Kunden weiter", heißt es in der Mitteilung.

Der städtische Energieversorger passt die Preise alle drei Monate an; Grundlage für die Berechnung ist eine komplizierte Formel, in die sowohl die Kostenentwicklung bei der Erzeugung der Fernwärme als auch die Verhältnisse auf dem Wärmemarkt einfließen. Die bislang letzte turnusmäßige Anpassung im Juli hatten die SWM ausgesetzt; damals hätten die Preise um 44 Prozent steigen sollen, blieben dann aber vorerst wie im Quartal zuvor.

Das Unternehmern warnt vor weiter steigenden Energiepreisen

Klar ist, dass die aktuelle Erhöhung nicht die letzte gewesen sein wird. Es sei absehbar, "dass die Energiepreise weiter steigen werden und die SWM diese Anstiege zukünftig nicht in diesem Umfang begrenzen können", teilt das Unternehmen mit. Zusätzlich wirkten sich von Oktober an auch steigende Umlagen auf die Fernwärmepreise aus.

Die Fraktion Die Linke/Die Partei im Stadtrat kritisierte die Interpretation der Stadtwerke, wonach der Anstieg viel weniger drastisch sei, als er hätte ausfallen können, als "Schönfärberei". Bei einem durchschnittlichen Wärmebedarf von 15 Megawattstunden ergäben sich Mehrkosten von knapp 2000 Euro pro Jahr im Vergleich zu den Preisen von Anfang 2021. Auch bei anderen Energieversorgern seien die Kosten für Fernwärme gestiegen, dort blieben sie jedoch weit unter den Preisen der SWM - trotz eines zum Teil höheren Erdgas-Anteils bei der Fernwärmeerzeugung als in München.

So müsse etwa ein Durchschnittshaushalt in Nürnberg oder Stuttgart gut 1000 Euro weniger bezahlen als einer in München. "Es scheint, als wenn die SWM vor der startenden Heizperiode noch einmal die Hand aufhalten wollen", sagte Fraktionschef Stefan Jagel. Den SWM warf er vor, bei der Fernwärme "schamlos" ihre Monopolstellung auszunutzen und so die soziale Krise zu verschärfen. Der aktuelle Preis der Fernwärme entspreche nicht den wahren Kosten für ihre Erzeugung, argumentiert die Linke.

Die Preisexplosion bei der Fernwärme hatte bereits im Frühjahr zu Unmut im Rathaus geführt. Die Rathauskoalition aus Grünen/Rosa Liste und SPD/Volt hatte damals mehr Transparenz und Klarheit von den Stadtwerken gefordert, wie die Steigerungen zustande kommen.

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