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Sanierung des Stadtmuseums:Die Bagger rollen früher an

Münchner Stadtmuseum in München, 2013

Die Sanierung des Stadtmuseums soll nun 2025 beginnen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Sanierung des maroden Stadtmuseum soll nun 2025 beginnen. Dies ist eine neue Wende in der Debatte über die Renovierungsarbeiten - denn eigentlich waren diese vorübergehend auf Eis gelegt worden.

Von Susanne Hermanski und Evelyn Vogel

Eine neue Volte im Zirkus um das marode Münchner Stadtmuseum: Das Gebäude am Sankt Jakobsplatz soll nun doch schon früher, nämlich vom dritten Quartal 2025 an saniert werden. Zum Hintergrund: Im Juli hatte die grün-rote Stadtregierung angesichts der sich abzeichnenden Haushaltsprobleme infolge der Corona-Krise eine Streichliste vorgelegt. Die sah vor, die seit Jahrzehnten geplante und überfällige Sanierung und Modernisierung des historischen Gebäudekomplexes, für die gut 200 Millionen Euro bewilligt worden waren und die 2023 beginnen sollte - vorläufig auszusetzen.

Um mehrere Jahre, auf jeden Fall aber bis in die nächste Legislaturperiode. Und dies obwohl der Auszug für Ende 2022 bereits logistisch geplant und ein komplettes externes Programm für die Bauzeit erarbeitet war - einschließlich verbindlicher Mietverträge für ein Interimsquartier auf dem alten Arri-Gelände an der Türkenstraße von diesem Sommer an.

140 Millionen Euro hatte man auf diesem Wege sparen wollen. In der Theorie. Zweifel wurden nicht nur vonseiten der Museumsdirektorin Frauke von der Haar laut, sondern auch aus den Reihen der erfahrenen Finanz- und Kulturpolitiker. Von "haushaltspolitischen Schulbuben im Münchner Rathaus" hatte etwa der frühere Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) gesprochen. Nun gibt Kommunalreferentin (und Ex-CSU-Bürgermeisterkandidatin) Kristina Frank, einen unmissverständlichen Hinweis darauf, woher der Sinneswandel der Stadtregierung rühren könnte: "Das angemietete Interimsquartier gilt es nun bestmöglich zu nutzen, um unnötige Kosten so weit als möglich zu reduzieren", sagt sie. Zudem sieht sie offenbar auch die denkmalschützerischen Verpflichtungen der Stadt: "Auch in schweren Zeiten müssen wir unseren Immobilienbestand in Schuss halten."

Kulturreferent Anton Biebl verbucht die Wendung als ein Verdienst seines Referats: "Wir haben dem Stadtrat überzeugend darlegen können, dass und wie die Investitionen in das Münchner Stadtmuseum auch in der aktuellen Haushaltslage verantwortungsvoll realisiert werden können." Zugleich lobt er das Team des Stadtmuseums unter Leitung von Frauke von der Haar. Dieses zeige "welches Potenzial in diesem Haus und seinen Sammlungen steckt". Notwendig sei nun, das Stadtmuseum architektonisch fit für die Zukunft zu machen.

Frauke von der Haar zeigt sich froh und erleichtert von der aktuellen Entwicklung: "Das Bekenntnis des Münchner Stadtrats zum Stadtmuseum und zur Kultur ist − gerade in diesen schwierigen Zeiten − ein starkes Zeichen." Das Museum sei der Ort, an dem die Münchner Bürger sich zu Hause fühlen sollten. Die Generalsanierung könne dafür nun den passenden Rahmen schaffen.

Das Stadtmuseum soll sich inhaltlich und architektonisch zur Stadt hin öffnen

Die Dringlichkeit der Sanierung betont auch Baureferentin Rosemarie Hingerl: "Die Erwartungen der Besucherinnen und Besucher an die Aufenthaltsqualität kann das Haus, das aus mehreren Einzelbauten aus verschiedenen Epochen und Jahrzehnten besteht, derzeit nicht mehr erfüllen. Bausubstanz, Infrastruktur, Serviceeinrichtungen und Ausstattung des größten kommunalen Museums Deutschlands entsprechen längst nicht mehr den heutigen Standards." Die Generalsanierung sei seriös geplant und verantwortungsvoll kalkuliert. Man wolle das Haus weiterhin sachkundig unterstützen. "Wir sind sehr froh, dass es nun weiterhin Schritt für Schritt in die Umsetzung gehen kann", so Hingerl.

2015 wurde das Architekturbüro Auer Weber beauftragt, für das Münchner Stadtmuseum ein visionäres und zukunftsfähiges Sanierungskonzept zu entwickeln. Dabei muss der Entwurf auch den Anforderungen des Denkmalschutzes Rechnung tragen. Die architektonischen Eingriffe sollen nicht nur die Bausubstanz verbessern, sondern auch Barrierefreiheit garantieren. Ein neuer Zugang soll das Museum besser erschließen und ein verändertes Besuchserlebnis schaffen. Geplant ist ein im Innenhof entstehendes Atrium, das sowohl vom Rindermarkt wie auch vom Sebastiansplatz her durchquert werden kann.

Auf diese Weise soll sich das Stadtmuseum inhaltlich und architektonisch zur Stadt hin öffnen. Von den 203 Millionen Euro, die 2019 vom Stadtrat für Generalsanierung und Umbau des Stadtmuseums bewilligt worden waren, entfallen nach Angaben der Stadt 70 Prozent auf den Erhalt des etwa 30 000 Quadratmeter großen denkmalgeschützten Gebäudekomplexes.

© SZ vom 14.11.2020/lfr
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