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Entscheidung im Stadtrat:"Generalsanierung light" für den Gasteig

So soll der Gasteig nach der Generalüberholung einmal aussehen. An dem Vorhaben an sich wird nicht gerüttelt, nur an der Größenordnung.

So soll der Gasteig nach der Generalüberholung einmal aussehen. An dem Vorhaben an sich wird nicht gerüttelt, nur an der Größenordnung.

(Foto: Henn (Simulation))

450 Millionen Euro, mehr darf der Umbau nicht kosten. Die Rathauskoalition freut sich trotz Sparzwang über die Lösung, die CSU klagt über Arroganz der Grünen.

Von Anna Hoben

Das Kulturzentrum Gasteig bekommt eine "Generalsanierung light". So nannte am Dienstag Grünen-Fraktionsvorsitzender Florian Roth die Sparvariante, für welche die grün-rote Rathauskoalition sich nun entschieden hat und die sie bei einer Pressekonferenz vorgestellt hat. Die Kosten sollen dabei die Grenze von 450 Millionen Euro nicht überschreiten. Das ist genau der Betrag, der ursprünglich für die Sanierung eingeplant war. Zuletzt waren die Kosten jedoch auf mehr als 530 Millionen Euro gestiegen. Davon sollen nun etwa 15 Prozent eingespart werden. Darauf haben sich Grüne und SPD verständigt.

Man wolle die Sanierung trotz der angespannten Haushaltslage angehen, sagte Julia Schönfeld-Knor, kulturpolitische Sprecherin der SPD/Volt-Fraktion. Die Botschaft ist: Die Stadt hält an einer großen Lösung fest. Politische Gewinner sind vor allem die Grünen, die eine große Lösung stets favorisiert hatten. Die SPD hatte immer wieder auf eine deutlich günstigere Sanierung gedrängt - eine Basisversion nur mit dem neuen Konzertsaal für die Münchner Philharmoniker und einer Instandsetzung der restlichen Gebäudeteile wäre wohl schon für etwa 300 Millionen Euro machbar. Die Stadtverwaltung soll nun bis Jahresende darlegen, wie die Sanierung verwirklicht werden kann. Die Politik wolle da keine Vorgaben machen, sagte Schönfeld-Knor - sie setze nur den Kostendeckel fest.

Auch die geplante Glasfassade und das Glasdach seien nicht unantastbar, hieß es auf Nachfrage. Man wolle die sogenannten Steckbriefe nicht wegwerfen, sagte Roth, die aus den Nutzerwünschen erstellten Einzelbausteine also. Man müsse nun eben schauen, "ob wir jeden brauchen oder ob es bei einzelnen billiger geht". Da würden schon einige Wünsche wegfallen. Eine Deckelung auf 450 Millionen Euro sei "aber auch kein Billigheimer-Modell". Bei den zusätzlichen 80 Millionen, die die Summe auf 530 Millionen Euro hochgetrieben hätten, handelt es sich um Kosten für die Erstausstattung: Möblierung, Medientechnik, Küchentechnik. Gasteig-Geschäftsführer Max Wagner wollte sich am Dienstag nicht zu dem Sparplan äußern.

"Die Pandemie zwingt die Politik zu Einsparungen und verschärft die finanziellen Herausforderungen", sagte Kulturreferent Anton Biebl. "In einer Situation wie dieser müssen wir alle Projekte verantwortungsbewusst prüfen und Alternativen abwägen. Dafür habe ich vollstes Verständnis." Andere bezweifelten allerdings auch, dass es sich bei dem Kostendeckel überhaupt um eine echte Sparmaßnahme handele. Die 450 Millionen Euro seien lediglich "eine lange bekannte Kostenschätzung", sagte CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl. "Dass es möglichst nicht teurer werden soll, ist vollkommen klar." Aber: "Wenn wir jetzt bei der Sanierung sparen, zahlen wir später drauf." Um seriös zu prüfen, wo noch Abstriche möglich sind, seien Gespräche mit den verschiedenen Nutzern des Gasteig nötig.

Die Kosten für das Interimsquartier sind ebenfalls gestiegen, auf mehr als 150 Million Euro

Auch die CSU hat die große Lösung für die Generalsanierung stets favorisiert. Die Stadtregierung habe ihre Pläne verkündet, ohne mit den Nutzern des Gasteig und deren Mitarbeitern zu sprechen, kritisierte Beatrix Burkhardt, kulturpolitische Sprecherin der CSU-Fraktion, und schimpfte: "Das ist an Arroganz kaum zu überbieten. Gerade die Grünen, die immer von Transparenz und Partizipation reden, praktizieren das genaue Gegenteil."

Für die Umsetzung der Gasteig-Sanierung gilt es als wahrscheinlich, dass die Stadt einen externen Investor ins Boot holt. Schon der jetzige Gasteig wurde mit einem Leasing-Modell verwirklicht. Ein solches Modell wäre "denkbar", sagte SPD-Fraktionschefin Anne Hübner am Dienstag. Unterdessen sind die Kosten für den Interims-Gasteig deutlich gestiegen, auf mehr als 150 Millionen Euro. Bislang war von 112 Millionen Euro die Rede gewesen. Dazu kommen, neben dem Neubau für die Philharmonie in Sendling, nun noch Betriebskosten für alle Interimsstandorte. Beim Interims-Gasteig will die Stadtregierung nicht sparen, weil die Arbeiten schon so weit sind.

© SZ vom 11.11.2020/wean
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