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Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt:Tausenden Sportlern fehlen Trainingsräume

Die große Sporthalle des MTV 1879 München an der Häberlstraße: ein Kleinod mit viel Charme.

(Foto: MTV 1879 München)
  • Der größte Breitensportverein in der Münchner Innenstadt, der MTV 1879, steckt in der Krise.
  • Grund dafür ist die Sanierung der denkmalgeschützten Sporthalle, die fast zwei Jahre dauern wird.
  • In der Sporthalle hat schon der Playboy Fotoaufnahmen gemacht, Filmszenen wurden hier gedreht. Im schlimmsten Fall muss der Verein die Halle verkaufen.

Der MTV 1879, größter Breitensportverein der Innenstadt, steckt in der Krise - wegen eines massiven Hallenproblems. Denn die Renovierung des denkmalgeschützten Baus an der Häberlstraße nahe dem Goetheplatz, im vergangenen Jahr vor Pfingsten begonnen, verlängert sich drastisch. Geplant war, die Sanierung in drei bis vier Monaten durchzuziehen. Doch der Verein hatte nicht mit den Schäden gerechnet, die sich während des Umbaus zeigten. Inzwischen geht niemand mehr davon aus, dass die Halle vor April 2020 fertig wird. So lange, beinahe zwei Jahre, fehlt Tausenden Mitgliedern ein Großteil der Trainingsräume. Und die Verzögerung stellt den MTV 1879 vor Finanzierungsprobleme.

Die MTV-Halle an der Häberlstraße ist ein Schmuckstück mit viel Flair. Die Zeitschrift Playboy nutzte sie als Kulisse für Fotos, Oliver Kahn und Thomas Gottschalk machten dort Werbeaufnahmen, auch Filmproduktionen mit Veronica Ferres oder Heinz Hönig fanden in der Halle statt. Das Gebäude wird für viele Sportarten genutzt, man kann fechten oder - während man im Kletterfelsen hängt - den Fußballspielern durch eine Glasscheibe zuschauen. Oder von den Fitnessgeräten von der Galerie aus. Ursprünglich wurde die Halle 1908 errichtet, im Zweiten Weltkrieg zerbombt und dann in der jetzigen Form im Jahr 1950 eröffnet.

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Beim Abbruch der Fundamente gab es die erste Hiobsbotschaft: Die Decke des Fechtsaals unter der großen Halle ist nicht stark genug. Das Eisengeflecht im Beton war teils stark korrodiert. Später ergab eine Untersuchung, dass der Beton mit Chloriden belastet ist. "Uns sind immer wieder Schwachstellen in die Quere gekommen", sagt MTV-Vorstandsvorsitzender Klaus Laroche.

Seit mehr als einem Jahr ruhen die Arbeiten auf der Baustelle. Zunächst ging es um weitere Untersuchungen, dann wartete der Verein auf die Genehmigung des Denkmalschutzamtes. Diese liegt seit Kurzem vor. Damit kann der Verein - 14 Monate nach dem ersten Befund - zumindest loslegen und den Boden unter dem Parkett erneuern. Gleichzeitig wird an den Büroräumen im zweiten Stock gearbeitet, der Dojo-Übungsraum für die Kampfsportler umgebaut, ebenso der Fechtsaal im Keller.

Die Verzögerung stellt den Verein vor große Herausforderungen. 25 000 Sportstunden werden normalerweise pro Jahr gestemmt. Teile der Halle an der Häberlstraße sind nach wie vor nutzbar: so die Kletterwand hinter einer Glasscheibe in der großen Halle, ebenso die Fitnessgeräte, die in die Halle 2 umgezogen sind. Außensportarten wie Tennis, Fuß- oder Basketball finden auf dem vereinseigenen Grundstück an der Werdenfelsstraße in Sendling-Westpark statt.

Die MTV-Halle wurde bis 2018 viel für Wettkämpfe genutzt. Von der Kletterwand aus, hinter dem großen Glasfenster, konnte man zuschauen.

(Foto: MTV 1879 München)

Ansonsten trainiert der MTV, wo immer sich eine Möglichkeit bietet: Am "Kulturstrand" gibt es Yoga und Intervalltraining, an Schulen, sobald der Unterricht zu Ende ist, meist in kleinen Hallen. "Derzeit reicht es hinten und vorne nicht", sagt Laroche. Die Folge: 8000 Mitglieder hatte der Verein bisher, die Entwicklung war kontinuierlich am Steigen. Einige Monate nach Baustart ist deren Zahl jedoch eingebrochen - in einem Jahr um sieben bis acht Prozent, sagt Laroche.

Der Vorstandschef geht derzeit in die Bezirksausschüsse (BA), wirbt um Unterstützung. Laroche hofft, über den offiziellen Weg über die Stadtverwaltung hinaus Räume zu finden. Vielleicht wisse jemand eine Lagerhalle, die leer steht, eine Fabrikhalle, einen Gemeindesaal, wo eine Übungseinheit für Kinder durchgeführt werden könne? Im BA Ludwigsvorstadt- Isarvorstadt wurde Laroche empfohlen, doch bei der Arbeitsagentur nachzufragen: Große Teile des Gebäudes an der Kapuzinerstraße wirkten leer und wenig genutzt.

Ein weiteres Problem: Mit dem Schwund zahlender Mitglieder verringern sich die Einnahmen - und das zu einem Zeitpunkt, in dem die Baukosten explodieren und man zugleich Räume und Hallen anmieten muss. Der MTV habe Probleme mit der Finanzierung, gibt Laroche unumwunden zu. "Zwei Jahre Bauzeit kosten mehr als vier Monate." Der Verein sei jetzt auf viel Unterstützung angewiesen - von Banken, von der Stadt, von Mitgliedern, Spendern, privaten Darlehensgebern.

Noch hofft man, dass der Verein die Durststrecke übersteht. Derzeit sind die Mitglieder froh, dass die Sanierung weitergeht. Langwierige Entscheidungsfindungen zum Denkmalschutz wirkten auf den Verein wie ein "Klotz am Bein", sagt Klaus Laroche. Es liege zwar sehr in seinem Interesse, den Charme der Halle zu erhalten. "Aber unser Satzungszweck ist Sport."

Jeden weiteren Monat liefen weitere Mitglieder weg, Sportler seien in der Regel ihrem Sport verbunden, nicht einem Verein. "Doch wenn wir keine Einnahmen haben, steht da irgendwann eine Bauruine. Und wir wären gezwungen, zu verkaufen."

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