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Demografiebericht:München wächst - vor allem am Stadtrand

Baustelle an der ehemaligen Kuvertfabrik in München Pasing, 2019

Großbaustelle an der ehemaligen Pasinger Kuvertfabrik, wo ein neues Wohnquartier entsteht.

(Foto: Florian Peljak)

Während in vielen Innenstadtbezirken die Einwohnerzahlen in den nächsten 20 Jahren kaum zulegen, werden sich Viertel am Stadtrand durch große Neubaugebiete massiv verändern.

Wir schreiben das Jahr 2040. Die lange ersehnte U-Bahn-Linie 9 ist kürzlich in Betrieb gegangen und schaufelt im Minutentakt Tausende Menschen in die Stadt, auch die U 29 rauscht nun zwischen Harthof und Großhadern durch die teilweise neue Röhre. Die westliche Endstation der U 5 ist allerdings immer noch in Pasing, dabei hatte der Stadtrat schon lange gefordert, dass die Linie über Freiham bis zum Raumfahrtbahnhof Oberpfaffenhofen verlängert wird. Zukunftsmusik, klar. Doch in der Münchner Stadtplanung sind zwei Jahrzehnte kein großer Zeitraum. Und der neue Demografiebericht mit der Bevölkerungsprognose bis 2040 prophezeit einigen Stadtbezirken ein exorbitantes Wachstum. Das bedeutet nicht nur, dass die Viertel vor allem im Münchner Norden, Westen und Nordosten eine deutlich verbesserte Infrastruktur beim öffentlichen Nahverkehr brauchen. Auch Schulen, Kindergärten und weitere soziale Angebote müssen in der weiterhin stark wachsenden Metropole frühzeitig geschaffen werden.

Zwar hat das Planungsreferat seine Bevölkerungsprognose leicht nach unten korrigiert, wonach München nicht schon 2035, sondern erst fünf Jahre später 1,85 Millionen Einwohner haben könnte. 18,8 Prozent mehr Münchner als 2017 würden dann in der Stadt leben. Doch angesichts der geplanten Großbauprojekte wird es bei der Verteilung der Stadtbevölkerung zum Teil massive Verschiebungen geben. Allen voran der Münchner Westen wird am stärksten wachsen. Wegen des Neubaugebiets in Freiham wird sich die Einwohnerzahl im Bezirk Aubing-Lochhausen-Langwied um mehr als 40 000 Menschen erhöhen und damit im Vergleich zu heute nahezu verdoppeln. Auch im Münchner Norden wird es in Zukunft deutlich enger: Feldmoching-Hasenbergl soll wegen zahlreicher Neubauprojekte um mehr als 50 Prozent beziehungsweise etwa 30 000 Einwohnern wachsen.

Ausbau der Verkehrsinfrastruktur

Weitere Boomgebiete sollen die Stadtbezirke Moosach, Trudering-Riem, Schwabing-Freimann sowie Bogenhausen werden, wo derzeit bekanntlich über ein riesiges Planungsgebiet diskutiert wird. Es entsteht also eine gewisse Unwucht, was die Bevölkerungsentwicklung im Münchner Stadtgebiet angeht. Die bisherigen Verkehrssysteme, insbesondere im Münchner Norden, werden deshalb bald an ihre Grenzen stoßen, weshalb nun der Weg für den Bau der U 9 frei gemacht worden ist. Auch die Überlegungen, eine Seilbahn entlang des Frankfurter Rings zwischen Oberwiesenfeld und Studentenstadt zu bauen, könnte die stark wachsenden Stadtviertel im Norden entlasten. In der Machbarkeitsstudie, die der Stadtrat im vergangenen Dezember beschlossen hatte, soll untersucht werden, ob die Seilbahn sogar bis Unterföhring weitergeführt werden könnte. Auch der S-Bahn-Nordring, für den bereits eine Machbarkeitsstudie vorliegt, soll verhindern, dass der Verkehr kollabiert.

Für das riesige neue Stadtviertel Freiham ist bislang noch keine U-Bahn vorgesehen, die bisherigen Pläne reichen nur bis Pasing im Westen. Dafür könnte die Verlängerung nach Südosten bis hin nach Ottobrunn beziehungsweise Taufkirchen nicht nur viele Pendler dort dazu bewegen, vom Auto in die künftige U 5 umzusteigen. Die neue Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie der TU München wird künftig mehrere Tausend Studenten täglich auf den neuen Campus in Ottobrunn/Taufkirchen ziehen.

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Dabei wollen junge Menschen vor allem in der Innenstadt leben. Bereits heute ist deutlich zu beobachten, dass diese Gruppe vorzugsweise von außerhalb in die innerstädtischen Bereiche zieht. Einige Jahre später, vor allem wenn die jungen Erwachsenen eine Familie gründen, ziehen sie bevorzugt in die Neubaugebiete am Stadtrand. Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt mit dem Glockenbach- und Gärtnerplatzviertel ist besonders bei jungen Münchnern beliebt. Es ist nach der Maxvorstadt der zweitjüngste Stadtbezirk und derjenige mit dem niedrigsten Altersquotienten (das ist der Anteil der älteren, nicht mehr erwerbstätigen Menschen im Verhältnis zu den Menschen im typischen Erwerbsalter). Die Maxvorstadt hingegen wird ihren Rang als jüngster Stadtbezirk an Stadtrandlagen mit großen Neubaugebieten verlieren.

Auffällig ist, dass die beliebten Viertel der Innenstadt in den kommenden zwei Jahrzehnten nur wenig wachsen werden. In Schwabing-West werden 2040 wohl nur etwa 2500 Menschen mehr als heute leben, insgesamt dann 73 000 Personen. Dennoch wird der Stadtbezirk auch in 20 Jahren weiterhin die höchste Einwohnerdichte haben, dann werden voraussichtlich 16 700 Menschen pro Quadratkilometer dort leben (heute sind es 16 151). Im Vergleich: Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte in München liegt derzeit bei 5012 Menschen pro Quadratkilometer (in Berlin sind es laut Statistischem Bundesamt 4055, in Hamburg lediglich 2424 Menschen). Im Jahr 2040 wird sie laut der Bevölkerungsprognose des Planungsreferats bei 6000 Einwohnern pro Quadratkilometer liegen.

Auch andere innerstädtische Viertel stagnieren bei der Einwohnerzahl weitgehend: Das betrifft die Altstadt und das Lehel ebenso wie Sendling, die Schwanthalerhöhe, Untergiesing-Harlaching sowie Hadern. Das liegt vor allem in der Innenstadt daran, dass eine Nachverdichtung so gut wie nicht mehr möglich ist. Ein weiterer Grund ist laut Stadtbaurätin Elisabeth Merk aber auch, dass dort überproportional viele Singles leben.

In den Stadtrandlagen kommen auf die Planer große Herausforderungen zu. Ein starkes Wachstum von erwarteten 34,5 Prozent in Moosach bedeutet für den Stadtbezirk einen Zuwachs von 19 000 Menschen, etwa sechs Prozent aller Neubauten Münchens entstehen dort. Die Experten rechnen damit, dass München auch künftig ein attraktiver Wohnstandort für Familien bleiben wird. "Die Stadtplanung wird daher langfristig vor der großen Aufgabe stehen, für all die Moosacher Buben und Mädchen genügend Einrichtungen im Bereich der sozialen Infrastruktur zu schaffen", heißt es im aktuellen Demografiebericht der Stadt. Ramersdorf-Perlach wiederum ist bereits heute einwohnerstärkster Stadtbezirk mit 116 000 Menschen und hat damit die Dimension einer Großstadt. Er wird bis 2040 voraussichtlich auf 135 000 Menschen anwachsen. Die Planer müssen in jedem Stadtteil auf besondere Herausforderungen eingehen. Doch eins ist sicher: München wächst weiter.

© SZ vom 31.07.2019/flud

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