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Münchner Spaziergang:Die Ruhe vor dem Abriss

Lange wird es das Arabellahaus in München wohl nicht mehr geben.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Ein Streifzug durch den Arabellapark führt zu einem Stück Architekturgeschichte, dessen Tage wohl gezählt sind.

Kolumne von Sebastian Krass

Eine kleine Brücke führt aus dem Denninger Anger über die große Straße hinein in den Arabellapark. Es ist wie ein Hintereingang in dieses Wohn- und Gewerbegebiet mit seinen teils enormen Dimensionen, zumindest für Münchner Verhältnisse. Über einen Fußweg geht es erst einmal vorbei an Wohnhäusern. Dann stehen da zwei kleine Nashörner, das eine hat einen Apfel aufgespießt. Sie erfüllen das entscheidende Kriterium für gute Bronzekunst im öffentlichen Raum: dass Kinder darauf klettern können. Inzwischen hat sich hinten das Herzstück des Quartiers ins Bild geschoben: das Arabellahaus. 150 Meter lang, 75 Meter oder 23 Stockwerke hoch, eine städtebauliche Ansage aus den Sechzigern - die zu einem Stück Architekturgeschichte geworden ist.

Der Weg führt zum Rosenkavalierplatz mit dem Cadillac-Kino, "We will be back" steht über der verschlossenen Tür. Im Fenster hängen Kinderbilder mit Regenbogen und der Botschaft: "Alles wird gut". Im Arabellahaus haben die meisten Geschäfte noch geschlossen. Drinnen ist die Rezeption des Sheraton-Hotels mit Flatterband abgesperrt . Nur ein Concierge für die Bewohner der etwa 500 Mietwohnungen hält die Stellung. Hier kamen früher Freddie Mercury und die Rolling Stones vorbei, um in den Musicland Studios ihre Alben aufzunehmen.

Die Ruhe in diesem sonst so geschäftigen Gebäude lässt einen an das Jahr 2026 denken: Dann soll das Arabellahaus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Die Bausubstanz lasse eine Sanierung nicht zu, meint die Bayerische Hausbau. Der Denkmalschutz sah keinen Grund einzuschreiten, es handele sich um ein "ganz normales Scheiben-Hochhaus, mehr nicht". Dieses schmale Gebäude mit seiner Kassetten-Fassade, die je nach Blickwinkel ihr Aussehen wandelt, und den vielen Details, den lederbezogenen Aufzugtüren und den Gemälden in den Vorräumen zum Lift - dieses Monument aus einer anderen Zeit soll also verschwinden. Dabei ist es doch eigentlich untrennbar verbunden mit dem jüngeren, aber denkmalgeschützten Hypo-Hochhaus nebenan. Schade wäre das, sehr schade.

Alle Streifzüge finden Sie unter sz.de/spaziergang

© SZ vom 21.04.2020
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