Bildung:Stadt steckt Hunderte Millionen Euro in ihre Schulen

Bildung: Schüler einer fünften Klasse eines Gymnasiums melden sich im Unterricht - die Stadt investiert viel in ihre Zukunft.

Schüler einer fünften Klasse eines Gymnasiums melden sich im Unterricht - die Stadt investiert viel in ihre Zukunft.

(Foto: Daniel Reinhardt/dpa)

Trotz knapper Kassen soll an der Bildung nicht gespart werden. Acht Schulen werden erweitert oder neu gebaut, so der Plan der Rathauskoalition. Auch Sporthallen und ein Hallenbad sind vorgesehen.

Von Heiner Effern

Die Stadt plant, baut und saniert seit fast zehn Jahren intensiv an ihren Schulen und Kitas, doch ein Ende ist nicht abzusehen. Zum fünften Mal seit 2014 wird deshalb ein großes Bauprogramm verabschiedet. Acht Schulen an sieben Standorten sollen erweitert oder neu errichtet werden. Die Stadt schätzt die Kosten alleine dafür auf 690 Millionen Euro. Damit steckt München, wenn man alle fünf Schul- und Kitabauprogramme zusammenrechnet, in einer Dekade insgesamt etwa 8,5 Milliarden Euro in neue oder zu sanierende Gebäude.

Im Kinder- und Jugendhilfeausschuss wurde der Beschluss bereits gefasst, der Bildungsausschuss des Stadtrats soll am Mittwoch nachziehen. Die Mehrheit dafür steht, darauf legt sich die Rathauskoalition aus Grünen/Rosa Liste und SPD/Volt bereits vorab fest. "Das ist ein Riesenprogramm, auf das wir stolz sind", sagte SPD-Bildungssprecherin Julia Schönfeld-Knor. Der Bedarf an neuen Klassenzimmern, Mensen oder Schulturnhallen steige ständig: "Wir gehen deshalb den Weg immer weiter."

Auch die Grünen bekennen sich zum Bauen für Bildung und Betreuung. "Wir haben in München eines der größten kommunalen Schul- und Kitabauprogramme überhaupt. Das zeigt: Die Koalition investiert weiterhin in die Zukunft unserer Stadt", sagte Fraktionschef Sebastian Weisenburger. Trotz der knappen Haushaltslage will die Koalition an der Qualität der Schulen und Kitas möglichst nicht oder nur wenig sparen. "Wir schaffen gute Lernorte für gute Bildung, damit die Münchner Kinder- und Jugendlichen beste Bedingungen vorfinden." Nicht umsonst kämen "Besucher aus der ganzen Welt", um sich das Ergebnis anzusehen, sagte SPD-Stadträtin Schönfeld-Knor.

Im fünften Paket der Schul- und Kita-Offensive sind unter anderem fünf Mensen, vier Sporthallen, ein Hallenbad und eine Einrichtung für die offene Kinder- und Jugendarbeit vorgesehen. Dazu sollen zusätzliche Räume für 26 neue Klassenzüge und vier neue Gruppen in einem Haus für Kinder entstehen. An allen sieben Standorten handelt es sich um Neu- oder Erweiterungsbauten, um den steigenden Bedarf zu decken, der vor allem durch Zuzug, die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium und den bald umzusetzenden Anspruch auf Ganztagsbetreuung hervorgerufen wird.

Eines der wuchtigsten Pakete der aktuellen Auflage dürfte das neue Gymnasium am Dreilingsweg in Pasing-Obermenzing werden. Sechs Züge, also sechs Klassen in jeder Jahrgangsstufe, sollen dort untergebracht werden. Weiter sind in dem Komplex eine Vierfach-Sporthalle, ein Hallenbad und eine Jugendfreizeitstätte vorgesehen. Ein größerer Umbruch steht zudem dem Schulcampus an der Peslmüllerstraße bevor, ebenfalls in Pasing. Dort soll der Trakt mit den Fachlehrsälen des Bertolt-Brecht-Gymnasiums abgerissen und an gleicher Stelle eine vierzügige Mittelschule errichtet werden.

Das Gymnasium selbst erhält einen Erweiterungsbau, damit vier Klassen pro Jahrgang unterkommen, wenn das G9 wieder in allen Klassenstufen umgesetzt ist. Dazu wird ein Pavillon als Ausweichquartier installiert. Das ist jedoch nur der Start mehrerer Bauvorhaben an der Peslmüllerstraße, die in weiteren Stufen folgen sollen. Auch das Theodolinden-Gymnasium im Stadtteil Untergiesing-Harlaching soll mehr Kapazitäten bekommen. Im geplanten Erweiterungsbau sollen die Fachlehrsäle für die Naturwissenschaften unterkommen; dafür sollen diese speziellen Räume im jetzigen Gebäude in zwölf zusätzliche Klassenzimmer umgewandelt werden.

Einen komplett neuen Gebäudekomplex will die Stadt an der Prof.-Eichmann-Straße in Obermenzing bauen. Dorthin soll die Carl-Spitzweg-Realschule ziehen, um das Schulzentrum in der Pfarrer-Grimm-Straße zu entlasten. Geplant sind Unterrichtsräume für fünf Klassen pro Jahrgang, eine Dreifach-Sporthalle und Sportanlagen im Freien. Der dritte große Schwerpunkt liegt bei den Grund- und Mittelschulen. Unter anderem wird im Eggarten eine neue vierzügige Grundschule mit Dreifach-Sporthalle sowie einem Haus für Kinder mit vier Gruppen entstehen. Ein Pavillon-Neubau soll dazu jeweils am Standort Knappertsbuschstraße/Ruth-Drexel-Straße (Bogenhausen) und am Standort Schererplatz (Pasing) Platz schaffen für mehr Klassenräume und eine Mensa.

Der Koalition ist trotz aller Bemühungen klar, dass auch diesmal nicht alle Wünsche von Lehrern und Eltern erfüllt werden können. "Wir stehen vor enormen organisatorischen und finanziellen Herausforderungen", sagte Grünen-Fraktionschef Weisenburger. Mehr Hilfe vom Freistaat wäre dringend nötig. Das sieht auch seine Stadtratskollegin Schönfeld-Knor so: Schon jetzt müsse die Stadt mehr Projekte strecken und schieben, als ihr lieb sei.

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