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Verkehr in München:Ein neuer Parkplatz für die S-Bahn

Von oben erinnert der Abstellplatz in Steinhausen (links im Bild) an eine Spielzeugbahn. Doch in den Hallen wird rund um die Uhr gearbeitet.

(Foto: Deutsche Bahn)
  • Am Osterwochenende hat die Bahn in Steinhausen ihre neue Abstellanlage samt elektronischem Stellwerk in Betrieb genommen.
  • Die Abstellanlage hat die Bahn schon in Hinblick auf die zweite S-Bahn-Stammstrecke erweitert. Der S-Bahn-Betrieb soll insgesamt stabiler und einfacher werden.
  • Die Bauarbeiten hatten schon Mitte 2017 in Steinhausen begonnen.

Vom Hochhaus der Süddeutschen Zeitung aus betrachtet sieht das S-Bahn-Werk Steinhausen aus wie eine Spielzeugeisenbahn. Auf rund 30 Gleisen warten Züge darauf, auf die Strecke zu rollen. Alle paar Minuten erreicht oder verlässt ein Zug die Abstellanlage im Osten Münchens. Das sieht in der Regel recht gemächlich aus - doch was in den Hallen geschieht, ist nicht zu sehen.

Hier werden rund um die Uhr die Züge der Münchner S-Bahn gewartet und gereinigt. Die Mitarbeiter untersuchen die Züge auch, wenn sie keinen augenscheinlichen Schaden aufweisen. Routinemäßig werden etwa die Achsen mit Ultraschall auf feine Risse untersucht.

Am Osterwochenende hat die Bahn in Steinhausen ihre neue Abstellanlage samt elektronischem Stellwerk in Betrieb genommen. Damit soll der Betrieb insgesamt stabiler und einfacher werden. Rund 70 Millionen Euro hat der Bau des neuen Stellwerks und der sieben zusätzlichen Abstellgleise gekostet, für die extra die Gleise der S 8 verschwenkt werden mussten. Finanziert hat dies der Bund aus Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes. Allein die Inbetriebnahme des Stellwerks hat drei Wochenenden gedauert.

Weil die Bahn ihren Betrieb wegen der Corona-Krise auf den Samstagsfahrplan umgestellt hat, hätten die Passagiere davon gar nichts mitbekommen, wie ein Bahnsprecher erklärt. Die Verstärkerzüge, die wegen der Umstellung auf das neue elektronische Stellwerk ausgefallen wären, sind derzeit ohnehin gestrichen.

Mitte 2017 haben die Bauarbeiten in Steinhausen begonnen. Und Projektleiter Lutz Spillner betont eigens, er sei "stolz", dass die Arbeiten samt Inbetriebnahme trotz aktuell widriger Umstände fristgerecht abgeschlossen worden sind. Besprechungen habe man per Videokonferenz abgehalten. Und beim Schichtwechsel hätten die Mitarbeiter die Übergaben in gebührendem Abstand erledigt. Hätte das Coronavirus auch nur einen Arbeiter einer Schicht erwischt - die Kollegen hätten allesamt zu Hause bleiben müssen, der Termin hätte wohl nicht eingehalten werden können.

Die Abstellanlage hat die Bahn schon in Hinblick auf die zweite S-Bahn-Stammstrecke erweitert. Für mehr als sieben Gleise war in Steinhausen kein Platz. Dass die Bahn irgendwann einen weiteren Standort für eine Abstellanlage suchen wird, ist nicht ausgeschlossen.

In Steinhausen werden die Züge zentral abgestellt, nur wenige "parken" nachts an den Außenästen. Wenn morgens der Betrieb der S-Bahn anrollt, geht es darum, die Züge reibungslos und pünktlich auf die Strecke zu bringen. Von sechs Uhr an fährt auf der Stammstrecke bereits alle zwei Minuten ein Zug. Die Bahn wird nicht müde zu betonen, welcher Aufwand hinter all dem Rangieren bei einem Fuhrpark von 450 Zügen steckt und was in den Gebäuden des S-Bahnwerks passiert.

Die Züge müssen genau disponiert werden, oder "sortiert", wie Lutz Spillner es nennt. Die Disponenten müssen planen, welcher Zug wann auf welche Strecke kommt - und welcher etwa zur Wartung zurück in den Betriebshof muss. Bei einem Busbetriebshof funktioniere dies wesentlich einfacher, weil Busse ja nicht auf Schienen angewiesen seien, sagt ein Bahnsprecher.

Was die aktuelle Situation der S-Bahn betrifft, so arbeite man gerade daran, auf mehr Linien dreispännige Langzüge einzusetzen, sagt ein Bahnsprecher. Viele Passagiere, die auch während der Corona-Krise morgens zur Arbeit pendeln müssen, hatten bemängelt, dass es bei manchen Zügen nicht möglich sei, einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu anderen Passagieren einzuhalten.

Bei der S 3 und S 4 fahren morgens wieder vereinzelt Langzüge, diese sollen nun auch auf der S 6 und der S 2 kommen. Die Bahn hat wiederholt erklärt, dass dies alles nicht so einfach sei, weil auch für die Bereitstellung von Fahrzeugen Personal gebraucht werde. Und hier bestehe das Risiko von krankheitsbedingten Ausfällen. Die Vorgabe der Bayerischen Eisenbahngesellschaft und damit des Freistaats laute, lieber einen etwas reduzierten Betrieb zu liefern, aber dafür einen dauerhaft stabilen.

© SZ vom 16.04.2020/kaal

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