Abacco's Steakhouse:Saftiges Fleisch, saftige Preise

Abacco's Steakhouse: Manchmal ist weniger wohl mehr: Im Abacco's muss man für ein kleines Stück Rindfleisch schon mal 60 Euro hinlegen. Die Halbe kostet 4,80 Euro.

Manchmal ist weniger wohl mehr: Im Abacco's muss man für ein kleines Stück Rindfleisch schon mal 60 Euro hinlegen. Die Halbe kostet 4,80 Euro.

(Foto: Stephan Rumpf)

Im Abacco's brät sich der Gast sein Steak selbst. Die Qualität der Speisen ist exzellent - doch man muss sich den Besuch auch leisten können.

Von Karl-Heinz Peffekoven

Das Abacco's liegt nicht weit vom Jakobsplatz entfernt und somit laut Eigenwerbung "direkt im pulsierenden Herzen der schönen Stadt". Und wer hier wie Peffekoven beim Essen erlebt hat, wie auf dem direkt an den Tischen vorbeiführenden Oberanger der Verkehr Richtung City pulsiert und der Luft über dem Freisitz des Steakhauses eine leichte Dieselnote gibt, der weiß: Es wird nicht zu viel versprochen. Der Münchner Ableger der Schweizer Restaurantkette ist im edlen Angerhof untergebracht, wovon der Gast auf dem bemerkenswert engen und schmucklosen Außenbereich des Lokals aber wenig hat. Besser, man geht hinein.

Innen warten erfreulicherweise die 3-G-Regel und ein cooles Club-Ambiente irgendwo zwischen Postmoderne und Neobarock, aber schön anzusehen. Seit 2019 gibt es Abacco's Steakhouse also auch in München, und was soll man sagen, es kommt bestens an beim oft jüngeren Publikum, daher: Reservierung sehr empfohlen, sogar werktags. Das mag überraschen, da die bodenständigere Konkurrenz-Kette Maredo vorübergehend sogar Insolvenz anmeldete, die bekannte Filiale am Rindermarkt ist geschlossen. Jedoch geht der Trend, wie man im Abacco's am Oberanger sieht, wohl in Richtung Edel- und Event-Steakhaus für zahlungskräftige Gäste.

Event jedenfalls insofern, dass das Grundprinzip so geht: Das Lokal liefert bestes Rindfleisch - und die Gäste braten es sich am Tisch auf dem heißen Stein. Ein mit dem Prinzip offenbar wenig vertrauter Internet-Kritiker hat dem Abacco's daher sogar vorgeworfen, es habe überhaupt keinen Koch, was einerseits Unfug ist, weil es noch etliche andere Gerichte gibt außer Steaks, aber einen wahren Kern hat: Hier brutzelt der Gast sein Steak selbst, wie es ihm gefällt.

Geboten wird die ganze Bandbreite der Steakvarianten, in diversen Größen, beginnend bei 150 Gramm bis zu einem halben Kilo und mehr. Beilagen kosten extra, je 3,90 Euro, außer den Pommes Frittes. Zu den Steaks gibt es lediglich drei hausgemachte Standardsoßen - Barbecue, Meerrettich und Chimichurri -, die aber in beliebiger Menge. Das Fleisch kommt etwa aus Argentinien und Nebraska, aus ökologischer, tierfreundlicher und hormonfreier Zucht, wie es heißt und was Peffekoven gern glaubte, um nicht weiter über den Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Steakhausketten nachsinnen zu müssen. Und es war wirklich von höchster Qualität.

Abacco's Steakhouse: Die Gäste braten sich ihr Fleisch am Tisch auf dem heißen Stein selbst.

Die Gäste braten sich ihr Fleisch am Tisch auf dem heißen Stein selbst.

(Foto: Stephan Rumpf)

Vielleicht ist es, dachte er bei einem Bissen US Prime Delmonico Rib Eye Steak, ja sogar ökologisch sinnvoll, wenn die 350 Gramm auf dem Teller 39,90 Euro kosten? Oder 300 Gramm US Prime Tenderloin Filet 60,40 Euro. Weil wir uns bewusst werden, wie wertvoll Fleisch als Nahrungsmittel ist? Aber wer kann sich das leisten, außer (natürlich ganz ausnahmsweise) Tester und hohe Einkommensgruppen?

Peffekoven wollte derlei Gegrübel mit einem Hellen hinunterspülen, musste aber feststellen, dass eine Halbe hier 4,80 Euro kostet, was er aus grundsätzlichen Erwägungen unterließ, die mit Bier / München / Grundnahrungsmittel zusammenhingen. Dann lieber Wein? Auch die Weinpreise sind hoch, wenn auch nicht so bizarr hoch wie seit einiger Zeit in München üblich. Verkleinere die Menge, schieß den Preis hinauf zu den Sternen, lautet das Prinzip etlicher von überzogenen Mieten und Corona geplagten Gastronomen. Ehrliche 0,2 Liter trockener und gut trinkbarer Bockwartaler Riesling sind im Abacco's aber für vergleichsweise faire 5,90 Euro zu haben, ein schöner erdiger Primitivo aus Apulien für 7,90, und von da an geht es aufwärts. Wer den 59,90 Euro nachweint für eine Flasche zugegeben ausgezeichneten Zweigelt vom Weingut Umathum/Burgenland, der finde Trost in der mutigen Oenologenlyrik der Weinkarte: "Leuchtendes Rubinrot, würzig, pfeffriges Aroma, das an reife Kirschen erinnert, vollmundig mit angenehmer, weicher Fruchtnote, lang anhaltend."

Die SZ-Kostprobe

Die Restaurant-Kritik "Kostprobe" der Süddeutschen Zeitung hat eine lange Tradition: Seit 1975 erscheint sie wöchentlich im Lokalteil, seit einigen Jahren auch Online und mit einer Bewertungsskala. Etwa ein Dutzend kulinarisch bewanderter Redakteurinnen und Redakteure aus sämtlichen Ressorts - von München, Wissen bis zur Politik - schreiben im Wechsel über die Gastronomie in der Stadt. Die Auswahl ist unendlich, die bayerische Wirtschaft kommt genauso dran wie das griechische Fischlokal, die amerikanische Fastfood-Kette, der besondere Bratwurststand oder das mit Sternen dekorierte Gourmetlokal. Das Besondere an der SZ-Kostprobe: Die Autorinnen und Autoren schreiben unter Pseudonym, oft ist dies kulinarisch angehaucht. Sie gehen unerkannt etwa zwei- bis dreimal in das zu testende Lokal, je nachdem wie lange das von der Redaktion vorgegebene Budget reicht. Eiserne Grundregeln: hundert Tage Schonfrist, bis sich die Küche eines neuen Lokals eingearbeitet hat. Und: Nie bei der Arbeit als Restaurantkritiker erwischen lassen - um unbefangen Speis und Trank, Service und Atmosphäre beschreiben zu können. SZ

Wer kein Steak möchte, kommt hier auch zurecht. Es gibt scharfe Tigergarnelen, zartes neuseeländisches Weidelamm (je nach Portion ab 19,90 Euro) und Hähnchenbrustfilet (ab 14,90 Euro). Für Vegetarier ist das Angebot naturgemäß begrenzt, hier seien die Suppen empfohlen, etwa die schön pikante Linsensuppe mit italienischen Pardina-Linsen, Möhren, Sellerie, Parmesan und Chiliöl oder die Süßkartoffelsuppe mit Lorbeer, Kurkuma, Crème Fraîche und pfeffriger Schärfe (beide 6,90). Bei den Salaten sind fleischlos nur der griechische Salat und der Caesar's Salad, beide guter Durchschnitt, aufs Grüne kommt es hier nicht wirklich an.

Als wirklich nett, aufmerksam und um das Wohl der Gäste bemüht empfanden Peffekoven und Begleitung das Personal. Im Internet ist bisweilen Gemecker am Service zu finden, aber Peffekoven hat nur einen ungnädigen Kellner erlebt. Das Abacco's gibt sich übrigens die besondere Mühe, fast jede Gästebewertung auf dem Online-Portal Tripadvisor persönlich zu beantworten, gleich ob Lob, ernst zu nehmende Kritik von Gästen oder Genöle der Netz-üblichen Querulanten (einer beklagt sich sogar darüber, das weibliche Personal sei hier zu attraktiv). Ob es die Mühe lohnt, aus den Monologen mancher Bewerter heraus in einen Dialog zu kommen? Schön wäre es. Aber der gute Wille zumindest zählt.

Adresse: Oberanger 31-33, 80331 München, Telefon: 089/242124, www.abaccos-steakhouse.de/muenchen, Öffnungszeiten: Sonntag bis Donnerstag 11.30 Uhr bis 23.30 Uhr, Freitag und Samstag 11.30 Uhr bis 0 Uhr

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