Pullach:Das Großhesseloher Wehr muss saniert werden

Pullach: Das Schleusenwärterhaus bleibt so, wie es alle kennen, aber ansonsten ändert sich so einiges am Großhesseloher Wehr. Die von oben gesteuerten Schleusentore, in denen sich Treibgut leicht verfängt, werden durch überströmbare Klappen ersetzt, die von unten in den Fluss eingefahren werden.

Das Schleusenwärterhaus bleibt so, wie es alle kennen, aber ansonsten ändert sich so einiges am Großhesseloher Wehr. Die von oben gesteuerten Schleusentore, in denen sich Treibgut leicht verfängt, werden durch überströmbare Klappen ersetzt, die von unten in den Fluss eingefahren werden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Das Großhesseloher Wehr ist schon mehr als ein Jahrhundert alt und muss saniert werden. Neue Schleusentore sollen Treibgut besser verkraften. Und eine weniger steile Treppe wird den Fischen das Wandern erleichtern

Von Julian Raff

Dank Sylvensteinspeicher und Fluss-Renaturierung ist München bis jetzt gut durch eine weitere Starkregenphase gekommen. Um den Hochwasserschutz und die ökologische Funktion der Isar zu erhalten und zu verbessern, sind dennoch Modernisierungen nötig: In gut einem Jahr wollen die Stadtwerke München (SWM) die bereits seit Längerem geplante Sanierung des über 100 Jahre alten Großhesseloher Wehrs angehen.

Die komplexe Anlage erstreckt sich auf Pullacher Gemeindegebiet, südlich zu Füßen der Großhesseloher Brücke 160 Meter breit übers Flussbett und bildet das Tor zur städtischen Isar. Zwischen 1906 und 1908 entstanden, ist die Anlage zwar fast ein Industriedenkmal, kann aber ihre Funktion nicht mehr voll erfüllen. Immer häufiger zum Problem werden vor allem die von oben gesteuerten Schleusentore. Bei Hochwasser verfängt sich Treibgut leicht in den Aufbauten der Mechanik, weshalb die alten Wehrtafeln durch überströmbare Klappen ersetzt werden sollen, die von unten in den Strom eingefahren werden.

Die Mechanik wird im Untergrund verschwinden, allerdings bleibt das bewohnte Schleusenwärterhaus auf dem Mitteldamm erhalten und damit das wohl prägendste historische Element der Anlage. Mindestens ebenso sanierungsbedürftig ist die Fischtreppe in der Mitte des isarseitigen Dammabschnitts. Nach dem Erkenntnisstand des frühen 20. Jahrhunderts wurden die Stufen viel zu steil angelegt und bilden daher für die meisten Fischarten ein unüberwindbares Hindernis.

Die neue Treppe wird am Isar-Westufer beim Häuschen angelegt und erreicht mit 15 Zwischenbecken nur noch ein Sechstel der früheren Steigung. Die Lebensräume geschützter Fischarten sollen so besser vernetzt werden, wie es nicht zuletzt die FFH-Richtlinien fordern. Ursprünglich sollte die Sanierung des Wehrs bereits im Herbst 2015 starten. Wie SWM-Sprecher Michael Silva erklärt, wurde das Projekt verschoben, um sowohl den Naturschutz, als auch den Bauablauf zu optimieren. Kritik gab es vor sechs Jahren vor allem am geplanten "Schlauchwehr", einer mehrere Meter hohen, aufblasbaren Gummiwand, die die Kiesschleuse ersetzen sollte und als optisch unpassend empfunden wurde. In der Neuplanung wird der Zu- und Überlauf durch pneumatisch betriebene Wehrklappen geregelt. Wenig ändern wird sich am Erscheinungsbild des östlichen, unbeweglichen Damms und so auch an den flussauf- und abwärts gelegenen Kiesbänken.

Eine aktuelle Kostenprognose kann Silva nicht abgeben, da das Genehmigungsverfahren noch läuft. Fest steht dagegen der Baubeginn im September 2022, die Bauzeit soll 15 Monate betragen. Rein technisch gesehen, ließe sich die Sanierung wohl schneller bewerkstelligen, allerdings sollen Arbeiten, die viel Anfahrtsverkehr erfordern, vor allem in den Wintermonaten erfolgen. Erholungssuchende müssen sich dennoch auf Beeinträchtigungen einstellen: Die einzig ökologisch vertretbare Zufahrt führt von Norden über die Conwentzbrücke beim markanten Hinterbrühler Flößerdenkmal zur Baustelle.

Pullach: Wenn sich Treibgut in den Aufbauten der Mechanik verfängt, gerät diese an ihre Grenzen. Neue Technik soll Abhilfe schaffen.

Wenn sich Treibgut in den Aufbauten der Mechanik verfängt, gerät diese an ihre Grenzen. Neue Technik soll Abhilfe schaffen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Auf der gut einen Kilometer langen Strecke muss im Isarbett eine vier Meter breite Baustraße angelegt werden, deren ungebundene Kiestragschicht den Boden nicht versiegelt. Welche Bereiche eventuell auch in der wärmeren Jahreszeit sicherheitshalber gesperrt werden müssen, wird ein Durchgangskonzept regeln. Auf jeden Fall benutzbar bleiben soll der Weg auf der Deichkrone zwischen Fluss und Kanal und damit der Fern-Radweg während der Hauptnutzungszeit.

Unbeeinträchtigt bleiben wird die derzeit pandemiebedingt ruhende Floßfahrt auf dem Kanal. Der westseitige (Sollner) Bezirksausschuss begrüßt das Vorhaben und spricht sich dafür aus, das Tempo der Baustellenfahrzeuge von 30 auf 20 Stundenkilometer zu drosseln. Die ostseitigen Nachbarn im Harlachinger BA möchten vor ihrer Stellungnahme noch einen SWM-Experten einladen.

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