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Bauarbeiten in der Prannerstraße:Die "Transformation" in der Altstadt

Prannerstrasse

Viel städtebaulicher Charakter, noch mehr Blech und Asphalt: Die Prannerstraße hat nach Ansicht ihrer Bewohner mehr Potenzial.

(Foto: Catherina Hess)

Eine neue Anwohnerinitiative schlägt eine Aufwertung der historischen Prannerstraße vor. Autos sollen Platz machen für Bars, Geschäfte und saisonal nutzbare Räume.

Von Nicole Graner

Die Prannerstraße bis zum Maxtor ist eine sehr breite und schöne Straße. Auch wenn sie derzeit eine Baustelle ist. An der Hausnummer 4 wird zum Beispiel ein neues Geschäfts- und Bürohaus errichtet, das auch eine dreigeschossige Tiefgarage bekommt. Auch wird ein neues Hotel gebaut. Doch was geschieht mit dieser historischen Straße, die einst für viele Adelige Wohnsitz war und bis heute eine wichtige Verbindung zu Plätzen und Promenaden in der Altstadt ist, wenn die Bauarbeiten beendet sind? Soll sie wieder nur eine Straße mit Parkplätzen und viel Anlieferverkehr werden?

Die neu formierte "Initiative Prannerstraße" wünscht sich, dass diese Straße ein neues Gesicht bekommt. Durch ein neues Konzept schöner wird, mehr Aufenthaltsqualität bietet - mit neuen Räumen und weniger parkenden Autos. Und sie hat sich viel Arbeit gemacht. Denn ihre Mitglieder haben den Lokalpolitikern erste Ideenskizzen schon einmal vorgestellt, haben in einer kurzen Präsentation gut durchdachte Vorschläge präsentiert.

Auslöser dafür, so erzählt Julius Streifeneder von der Urban Standards GmbH und Unterstützer der Initiative, seien die aktuellen Baustellen gewesen. Auch wenn Parkplätze gerade wegfielen, habe diese provisorische Atmosphäre gezeigt, dass in der Prannerstraße "nichts zusammenbricht". Sondern eine Chance bestehe, diese Straße passend zum Stadtratsbeschluss "Autofreie Altstadt" auf einen "zeitgemäßen Standard zu heben". Was heißt, ein "gesundes Gleichgewicht" von Autofahrern, Parkenden, Lieferwagen und Fußgängern herzustellen.

Das Straßenbild sei derzeit, so erklärt Streifeneder weiter, zu 70 Prozent von fließendem und ruhendem Verkehr geprägt, nur zu 30 Prozent von Fußgängern. Die Initiative wünscht sich eine neue Verteilung. Also breitere Gehwege, eine Umwandlung von Quer- in Längsparkplätze sowie die Reduktion von Parkplätzen generell und eine Einbahnregelung. Auch sollen Kreuzungspunkte wie zum Beispiel am Maxtor besser gestaltet werden. Mit verkehrsberuhigten Aufenthaltsmöglichkeiten wie saisonalen Räumen, Bars, Vinotheken. Eine erste grobe Skizze zeigt für die Prannerstraße auch Multifunktionszonen zum Parken, Anliefern und Rangieren sowie kleine Geschäfte, Boulevards und Stadtinseln. Natürlich wäre auch viel Grün schön, sagt Streifeneder. Gerade weil die Straße durch ihre Südlage im Sommer "sehr heiß" werde.

Was bei den Ideen der Initiative heraussticht, ist die "Transformation" in kleinen Schritten. Erst einmal müsse man den Raum kuratieren, sich langsam vortasten, "um ihn zu bespielen". Der Initiative geht es auch nicht um eine "Verkämpfung in Einzelheiten" wie Gehwegkanten, sondern um das Ausprobieren, was eine längerfristige Perspektive haben könnte. "Dann werden eben erst einmal nur Pflanztröge aufgestellt. Hauptsache, es bewegt sich was", sagt Streifeneder. Außerdem, und das sei ganz wichtig, wolle man ja in diesen Prozess alle Anrainer einbeziehen.

Die Ideen finden auch die Lokalpolitiker des Bezirksausschusses (BA) Altstadt-Lehel gut. "Das ist eine tolle Sache", sagt die BA-Vorsitzende Andrea Stadler-Bachmaier (Grüne). Und die gewählten Stadtteilvertreter wollen die Prannerstraße, wie sie in der jüngsten Sitzung sagen, "zum Thema" machen. Zumal das Quartier ein sehr wichtiges im Viertel sei, und man sich eine Planung seitens der Stadt nicht aus der Hand nehmen lassen wolle. Aber: Man wolle nicht vorgreifen. Durch die Bauarbeiten sei die reale Parksituation nicht ersichtlich. Auch sei, wie Jörg Hoffmann (FDP) betont, ein neues Raumkonzept "eng" mit der Entwicklung der geplanten Tiefgarage verbunden. Nur die Prannerstraße herauszugreifen, sei wenig sinnvoll, wenn es doch um ein Gesamtkonzept gehe.

Das Anliegen soll nun an das Planungs- und Mobilitätsreferat der Stadt München weitergeleitet werden, damit die Ideen in die aktuellen Planungen miteinfließen können. Aber, und das ist der BA-Vorsitzenden Andrea Stadler-Bachmaier wichtig, es solle einen runden Tisch zu diesem Thema geben. Und zwar so schnell wie möglich. Denn es gebe, so erklärt Wolfgang Püschel (SPD), ja schon Gespräche mit Investoren für die Tiefgarage. Der BA peilt als Termin Mai oder Juni an. Bis dahin will man überlegen, wen man dazu einladen will und wo der runde Tisch stattfinden kann. Die Initiative Prannerstraße wird mit Sicherheit dabei sein.

© SZ vom 05.03.2021/kafe
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