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Testphase beendet:Münchens Pop-up-Radwege verschwinden wieder

Die Pop-up-Bikelane in der Elisenstraße.

Die Pop-up-Bikelane in der Elisenstraße.

(Foto: Florian Peljak)

Dabei haben sie mancherorts die Zahl der Radfahrer fast verdoppelt. Mehrere Organisationen fordern eine Verlängerung, doch SPD und CSU wollen die Erkenntnisse erst tiefgreifender auswerten.

Von Andreas Schubert

Die vorübergehenden Radspuren an fünf viel befahrenen Straßen sollen Ende des Monats wieder verschwinden. Doch inzwischen regt sich Widerstand gegen die Pläne. Mehrere Organisationen fordern, die sogenannten Pop-up-Bikelanes auch über den Winter beizubehalten. Sie schließen sich damit einem Antrag der Fraktionen Linke/Die Partei und ÖDP/Freie Wähler an. Und auch die Grünen unterstützen diese Forderung. Am Mittwoch wird sich der Mobilitätsausschuss mit den Radspuren befassen.

Zur Erinnerung: Im Juni hat die Stadt die Spuren an besonders gefährlichen Stellen gelb markiert - in der Rosenheimer Straße, in der Zweibrücken-, der Elisen-und Theresienstraße sowie in der Gabelsbergerstraße. Dieser Verkehrsversuch läuft nun nach rund vier Monaten aus. Dagegen wollen der Fahrradklub ADFC und die Initiatoren des Radentscheids an diesem Dienstagmorgen, 9 Uhr, an der Zweibrückenstraße demonstrieren.

Im Mai habe der Stadtrat beschlossen, dass ihm im Oktober nach Auswertung des Verkehrsversuchs ein Vorschlag zum weiteren Vorgehen an den einzelnen Strecken vorgelegt werden soll. Beschlossen worden sei damit nicht, dass die Pop-up-Radwege nach dem 31. Oktober alle ersatzlos entfernt werden, teilt der ADFC mit. Doch darauf wird es im Mobilitätsausschuss wohl hinauslaufen. Die Fahrrad-Aktivisten halten den Abbau der Spuren dagegen für "völlig unverständlich". Sie sehen die Sicherheit der Radler gerade bei widrigen Bedingungen im Herbst und Winter massiv gefährdet und verweisen auch auf die coronabedingte starke Zunahme von nicht so versierten und unerschrockenen Radfahrern, heißt es in der Demo-Ankündigung.

Doch sie alle radelten auf den Pop-up-Radwegen deutlich sicherer, entlasteten den öffentlichen Nahverkehr und das Klima "und sollten nicht leichtfertig zurück ins Auto getrieben werden", so der ADFC. Auch der Bund Naturschutz und die Gemeinsamen Elternbeiräte städtischer Kindertageseinrichtungen befürworten die Fortführung der gelben Pop-up-Bikelanes über den Oktober hinaus, weil diese gerade im Winter eine sicherere Fortbewegung - auch mit Lastenrädern - ermöglichten. Auch die Rückmeldungen der betroffenen Bezirksausschüsse sind nach Angaben des Planungsreferats generell positiv. Bei einer Umfrage des Planungsreferates fiel das Ergebnis in rund 7000 ausgefüllten Fragebögen vorwiegend positiv zugunsten der Bikelanes aus. Auch die Zahlen belegen nach Ansicht der Befürworter, dass die Spuren von den Radlern angenommen wurden. Das Planungsreferat hält sie indessen für bedingt repräsentativ.

Dennoch hat sich etwa der Radverkehr in der Elisenstraße fast (von täglich 1800 Radlern auf 3500) und in der Theresienstraße mehr als verdoppelt (von 900 auf 2000). In der Rosenheimer Straße zwischen Orleansstraße und Rosenheimer Platz dagegen ist die Zahl von täglichen Radlern nur von 2500 auf 2600 gestiegen, wobei sich seit Einführung der Spuren am Nachmittag der Autoverkehr stadtauswärts regelmäßig staute. Stadteinwärts kamen auf der Rosenheimer Straße wegen häufiger Rückstaus auch die Busse der Münchner Verkehrsgesellschaft langsamer voran. Die Verwaltung merkt dazu an, dass diese Rückstaus auch einer Baustelle geschuldet seien. Auf den Autoverkehr tagsüber hätten die Bikelanes, außer zu den Spitzenzeiten, keine größeren Auswirkungen. Teilweise ist der Autoverkehr sogar zurückgegangen, wohl weil die Fahrer andere Routen nutzen.

Im Winter sind weniger Radler und mehr Autos unterwegs, argumentiert die CSU

Obwohl die Grünen am Mittwoch für den Erhalt der Bikelanes stimmen wollen, wird ihr Koalitionspartner SPD für deren Beseitigung votieren. Nikolaus Gradl, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion erklärt, ohne Bürgerbeteiligung wolle man den Verkehrsversuch nicht verlängern. Die Bewertung der Radwege, die auch Rückmeldungen der Polizei und der MVG beinhaltet, gehe ihm nicht tief genug. Auch die CSU wird am Mittwoch für die Beseitigung stimmen. Es sind wetterbedingt wieder weniger Radfahrer unterwegs, teilt Fraktionschef Manuel Pretzl mit. Gleichzeitig nutzen viele Leute wegen der Corona-Pandemie derzeit das Auto statt den ÖPNV. Man sei nicht generell gegen Radwege an den Straßen, auf denen es Pop-Up-Bike-Lanes gab, so Pretzl: "Die Planung muss aber sinnvoll und nachhaltig sein. Wir fordern eine sorgfältige Auswertung des Verkehrsversuchs."

Grünen-Stadträtin Gudrun Lux dagegen spricht sich für den Fortbestand der Radspuren aus. Sie erhöhen die Sicherheit für Radler und an vielen Stellen auch für Fußgänger. Alle Pop-Up-Bikelanes sollten ohne zeitliche Lücke als Provisorien beibehalten werden, bis dauerhafte und radentscheidkonforme Lösungen verwirklicht sind. Eine Dauerlösung könnten die temporären Radspuren nicht sein, sagt Lux.

© SZ vom 27.10.2020/wean

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