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Paul-Heyse-Unterführung:Münchens ewiger Schandfleck wird saniert

Nächstes Jahr soll die Paul-Heyse-Unterführung endlich saniert werden.

(Foto: Gino Dambrowski)

Kommendes Jahr sollen die Bauarbeiten in der Paul-Heyse-Unterführung beginnen, das wird sich massiv auf den Verkehr auswirken: Für Fußgänger und Radfahrer soll sich die Situation verbessern - bis dahin müssen vor allem Autofahrer einiges aushalten.

Von Andreas Schubert

Sie ist laut, düster und schmutzig: Seit Jahren gilt die Paul-Heyse-Unterführung als optischer Schandfleck mitten in der Stadt. Nächstes Jahr soll die 210 Meter lange Röhre nach langer Verzögerung endlich saniert werden. Die Bauarbeiten sollen rund ein Jahr dauern - und nur während des Oktoberfests ausgesetzt werden, sofern dieses stattfindet.

Bisher ist es vor allem für Radfahrer und Fußgänger unangenehm, die Röhre zu passieren. Das funzelige Licht verbreitet nicht gerade ein Sicherheitsgefühl, der Lärm der Autos schmerzt in den Ohren. Künftig soll alles moderner und angenehmer werden, das Konzept dafür steht schon lange: Die Wände der Unterführung werden mit hell lackierten Metallpaneelen verkleidet. Weil die Wandverkleidung unterhalb der Tunneldecke über die Gehbahn ragt, entsteht so innerhalb des Tunnels ein eigenständig gestalteter Bereich für Fußgänger. Die neue Wandverkleidung ist zudem lärmabsorbierend, wodurch der Pegel um rund vier dB (A) sinken soll. Dies entspricht in etwa einer Verkehrsreduzierung um bis zu 60 Prozent. Ein aufwendiger Posten ist die Beleuchtung: Am oberen Ende der neuen Verschalung entstehen Leuchtbänder, die Stahlstützen in der Mitte der Unterführung sollen mit blau leuchtenden LED-Lampen angestrahlt werden, zudem erhält die Röhre Fluchtwegzeichen.

Die Arbeiten sollen bereits im Januar beginnen. Doch bevor es an die Aufhübschung geht, stehen noch einige andere Arbeiten in der westlichen Röhre an, in der der Verkehr nach Süden fließt. Das zieht das Ganze in die Länge. Zunächst werden die Stadtwerke eine Fernkälteleitung und eine Stromleitung verlegen. Eine alte Gasleitung, die nicht mehr gebraucht wird, wird entfernt. Dann muss die Betondecke der Fahrbahn saniert werden. Erst wenn diese Arbeiten erledigt sind, geht es an die Verkleidung und Beleuchtung. Ist dies abgeschlossen, starten die Arbeiten in der östlichen Röhre. Diese werden nicht so lange dauern, weil hier die Fahrbahn nicht aufgegraben werden muss. Etwa zehn Wochen sind dafür vorgesehen.

Auf den Verkehr werden sich die Bauarbeiten massiv auswirken. Mit Beginn der Verlegung der Fernkälte in der Weströhre der Unterführung wird diese in Richtung Süden für den Autoverkehr gesperrt, für Radler bleibt der Weg aber frei. Der Verkehr in der Oströhre in Richtung Norden kann weiterfließen, so wird zum Beispiel die Ringbuslinie 58 ihre Route beibehalten können. Wenn dann in der Oströhre die Wandverkleidung und Beleuchtung angebracht wird, geht es in der anderen Tunnelhälfte Richtung Norden.

Nach Süden wird der Verkehr ab der Seidlstraße über die Marsstraße zunächst in Richtung Westen umgeleitet, dann geht es auf der Hackerbrücke über die Bahngleise. Weiter führt der Weg über die Landsberger- und Bayerstraße oder über die Martin-Greif-Straße und Schwanthalerstraße. Fest dürfte stehen: Der Umweg wird die Fahrzeiten für Autos deutlich verlängern.

Bereits vor knapp drei Jahren hat der Stadtrat die Sanierung beschlossen. Dem vorangegangen war eine lange Debatte, wer denn nun welche Kosten übernehmen soll. Denn die Röhre mit Wänden, Stützen und Decke ist Eigentum der Deutschen Bahn (DB). Die hatte früher eine Beteiligung an der Aufwertung mehrmals abgelehnt und der Stadtverwaltung mitgeteilt, die Brücke befinde sich in einem verkehrssicheren Zustand und müsse erst gegen 2040 erneuert werden. Die Bahn selbst hatte lediglich 2013 und 2014 kleinere Unterhaltsmaßnahmen an der aus dem frühen 20. Jahrhundert stammenden Stahlkonstruktion und kleinflächige Betonsanierungen vorgenommen. Weitere Verbesserungen hatte die DB abgelehnt, mit der Begründung, die Wände seien zwar feucht, aber tragfähig.

Schließlich einigte man sich auf ein Konzept und darauf, dass sich die Bahn an den Kosten von 6,3 Millionen Euro beteiligen wird. Und dann sollten die Bauarbeiten 2019 über die Bühne gehen - doch auf die Ausschreibung der Stadt meldete sich niemand. Dies ist nun offenbar geschehen, den Namen der ausführenden Baufirmen nennt das Baureferat aber nicht, da "Geschäftsbelange von Dritten" betroffen und noch nicht alle "Verfahren zur Beauftragung" abgeschlossen seien.

Einer der sich lange für die nun bevorstehende Sanierung eingesetzt hat, ist der frühere CSU-Stadtrat Richard Quaas. Alleine in der vergangenen Amtsperiode hat er mehrere Anfragen gestellt, wann es denn mit der längst beschlossenen Maßnahme losgeht, die Unterführung bezeichnete er wiederholt als "Schandfleck" oder "Sauerei". Es sei erfreulich, dass endlich etwas passiere, sagt Quaas nun. "Das war wirklich höchste Zeit."

© SZ vom 11.09.2020/mmo

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