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Paul-Heyse-Unterführung:Keiner will den Drecksjob machen

Die Paul-Heyse-Unterführung gehört zu den maroden Ecken hinter dem Hauptbahnhof.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wer die Paul-Heyse-Unterführung zu Fuß durchschreitet, fühlt sich, als habe er eine Schachtel Zigaretten geraucht. Zwar war der Sanierungsjob ausgeschrieben - doch niemand wollte ihn machen.

Sollte es irgendwo eine Rangliste geben, wem die hässlichste Straße gewidmet ist, hätte der Literaturnobelpreisträger Paul Heyse garantiert die, pardon, Arschkarte gezogen. Ja, so deutlich muss man es schon sagen. Im 19. Jahrhundert war der Mann eine große Nummer unter den deutschen Literaten, es soll heute sogar noch Menschen in München geben, die jemanden kennen, der von jemandem gehört hat, der im Rahmen eines lange zurückliegenden Germanistikstudiums auch mal was von ihm gelesen hat. Aber das sind nur Gerüchte, vielleicht war es ja auch Heinrich Heine.

Zum großen Unglück für den armen Paul Heyse verbinden die Münchner heute mit seinem Namen weder Gedichte noch Erzählungen - sondern vor allem ein großes Drama: die nach ihm benannte Unterführung am Hauptbahnhof. Diese allgemein als Schandfleck und Taubenklo verrufene Röhre ist so scheußlich, dass manche ein Taxi nehmen, um von der einen auf die andere Seite zu gelangen. Und wer doch mutig genug für einen Fußmarsch unter den Bahngleisen hindurch ist, fühlt sich wegen der Abgase hinterher so, als habe er eine ganze Schachtel Zigaretten auf einmal geraucht.

Nun will die Stadt schon seit Langem dieses "Skandalbauwerk", wie der Stadtrat Richard Quaas die Röhre nennt, sanieren lassen. Aber passiert ist immer noch nichts. Eine Antwort der Stadt auf eine Anfrage des CSU-Manns hat nun gezeigt, dass sich hinter den Kulissen durchaus etwas getan hat. So hat die Verwaltung sich mit der Bahn, der die Unterführung gehört, auf eine Finanzierung geeinigt. Das Kreisverwaltungsreferat hat ein Verkehrskonzept für die Bauzeit ausgetüftelt, und dann hat die Stadt die Bauarbeiten ausgeschrieben, diesen Sommer sollte es losgehen.

Ja und dann? Hat sich keiner gemeldet, der es machen wollte. Nicht mal ein einziges Röhrensanierungs-Start-up, kein handwerklich begabter Paul-Heyse-Experte auf Jobsuche, niemand! Die Unterführung ist einfach zu abschreckend.

Jetzt sucht die Stadt einen neuen Bautermin. Vielleicht findet sich dann doch noch eine Firma, die sich der schmutzigen Aufgabe annimmt. Im Baureferat soll es jemanden geben, der jemanden kennt, der schon mal von so einer gehört hat.

© SZ vom 05.11.2019/vewo
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