Schwabing:Der Schulturm macht Pause

Oskar von Miller- und Max- Gymnasium, Baustelle

Eingerüstetes Wahrzeichen: Der Turm vom "Oskar" muss im oberen Drittel abgetragen werden. Dann wird alles neu und historisch genau rekonstruiert und später wieder aufgesetzt.

(Foto: Seeberger.Buss/oh)

Das 48 Meter hohe Wahrzeichen des Oskar-von-Miller-Gymnasiums muss für die Sanierung teilweise abgetragen werden. Für Handwerker ist das eine echte Herausforderung.

Von Nicole Graner, Schwabing

48 Meter ist der alte Turm des Oskar-von-Miller-Gymnasiums hoch. Und seit einiger Zeit im Zuge der Generalsanierung und Erweiterung bis oben hin eingerüstet. 48 Meter, da kann es einem schon schwindelig werden, wenn man hoch hinaus und einen Blick über die Dächer Schwabings werfen will. Aber Projektleiterin Christine Roth vom Baureferat München hat es sich nicht nehmen lassen: Sie war ganz oben, seitdem der Turm auch innen ein Gerüst hat und damit "begehbar" ist. "Ich bin eigentlich schwindelfrei", sagt sie, "aber ich war trotzdem sehr vorsichtig - und es ging besser als ich selbst gedacht habe."

Ja, dieser Turm. Er sei eine statische Herausforderung. "Echt speziell", wie Roth sagt. Begehbar sei er ja schon seit zehn Jahren nicht mehr gewesen. Wind und Hitze hätten dem Holz des Dachstuhls sehr zugesetzt, und auch die Holztreppe sei marode gewesen. Nur mit Sicherungsseil habe man sie überhaupt benutzen können. Auch die Innenwände des Wehrumgangs seien instabil gewesen, das Fachwerk angegriffen. "Bis wir überhaupt ein sicheres Gerüst bauen durften, hat es gedauert. Es war einfach zu viel kaputt." Im Turmstüberl, wo es früher wohl, so erzählt die Projektleiterin, unerlaubte Partys gegeben habe, gab es keinen Fußboden mehr. Mittlerweile ist der Turm nun entkernt.

Aber das Abenteuer geht weiter: Denn vermutlich schon von nächste Woche an wird der Turm schrittweise von oben abgetragen. Denn da oben zu arbeiten, ist selbst für den schwindelfreisten Zimmerer schwierig. Und alles soll ja in Abstimmung mit dem Denkmalamt und nach historischem Vorbild nachgebaut werden. Also entschieden sich die Planer, die einzelnen "Geschosse" stückweise herunterzunehmen, in weniger luftigen Höhen neu zu bauen und dann alles wieder aufzusetzen. Als erstes ist die sogenannte Laterne mit den Glocken dran. "Da sind wir gerade dabei herauszufinden, wie viel sie überhaupt wiegen", sagt Roth. Später kommen der Dachstuhl und das Turmstüberl an die Reihe.

Seit drei Jahren werden das Oskar-von-Miller- und das Maximiliansgymnasium saniert, die Schüler an Interimstandorten Ecke Domagk-/Ungererstraße und Oettingenstraße unterrichtet. Auf der Baustelle fahren Lkw an und ab, stehen 130 Meter Gerüst und 500 Meter Bauzaun.

Viel ist seit Baubeginn 2018 geschehen. Das einst gigantische Loch im ehemaligen Pausenhof, unter dem sich nun zwei Turnhallen im Rohbau befinden, ist zu. Der Dachstuhl ist ausgebaut und mit großen Fenstern für weitere Klassenzimmer versehen. Der Estrich in den Räumen ist gemacht, die Decken sind großteils fertig, und die Heizkörper hängen. Drei Fahrstühle wird es künftig geben. Einer davon geht bis zu den Turnhallen in 17 Metern Tiefe. Ein Leitsystem für Seh- und Gehbehinderte ist geplant und ein behindertengerechter Sanitärbereich. Die Turnhallen haben ein variables Lüftungssystem. Ein ausgetüfteltes Lichtkonzept soll Tageslicht simulieren.

Christine Roth, die den Baufortschritt am Dienstag dem Bezirksausschuss (BA) Schwabing-Freimann vorstellte, ist das Verhältnis zu den Anwohnern sehr wichtig. Sie würden, so sagt sie, regelmäßig informiert. Drei Kameras zeichneten an der Baustelle auf. Damit würden die Dezibelzahlen regelmäßig überprüft. "Ständig überlegen wir, ob Baumaßnahmen auch leiser oder zeitversetzt möglich sind", erklärt die Projektleiterin. Petra Piloty (SPD) lobte die Baustelle. "Sie ist vorbildlich."

Derzeit sind 170 Handwerker dort unterwegs, 40 Firmen und 40 weitere Planer und Experten. Nicht nur der Turm ist eine Herausforderung, auch die Logistik. Momentan müssen zum Beispiel auf engstem Raum 29 000 Quadratmeter Bodenbelag angeliefert und gelagert werden. Aber Christine Roth ist sehr zufrieden. "Wir haben einfach ein gutes Team - wir werden es bis September 2022 schaffen." Nur die Turmuhr wird nicht, wie versprochen, in diesem Herbst wieder funktionieren. Denn das nächste Abenteuer für den Oskar-Turm beginnt ja erst.

© SZ vom 20.05.2021/van, kafe
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