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Obergiesing:Kein Hitzefrei im Schulcontainer

Grundschule an der Weißenseestraße 45 in Obergiesing

Draußen kalt, drinnen heiß: In den 2014 aufgestellten Containern an der Weißenseeschule schwitzen die Kinder nicht nur wegen ihrer Aufgaben.

(Foto: Florian Peljak)
  • In den Containern einer Grundschule in Obergiesing herrschen seit langem Temperaturen jenseits der Marke von 26 Grad Celsius.
  • Die Eltern fordern die Stadt auf zu handeln, doch bislang ist nichts geschehen.
  • Der Bezirksausschuss verspricht eine Lösung in diesem Frühjahr.

Das Ausweichquartier scheint große Ähnlichkeit mit einer Sauna zu haben: In der sogenannten "Mobilen Schulraumeinheit", die 2014 auf dem Gelände der Weißenseeschule in Betrieb genommen worden ist, herrschen offenbar teils unerträglich hohe Temperaturen. Im Namen der circa 200 Schülerinnen und Schüler, die sich vor- und nachmittags in dem Containerbau aufhalten, hat deswegen der Elternbeirat Alarm geschlagen.

Wie es in einem Schreiben an Stadtschulrätin Beatrix Zurek heißt, werden bereits seit Inbetriebnahme der alternativen Klassenzimmer zu hohe Raumtemperaturen beklagt. Auch dem zuständigen Zentralen Immobilienmanagement (ZIM) habe man dies wiederholt gemeldet. Nach Angaben der Eltern hat der städtische Fachdienst für Arbeitssicherheit (FAS) im Juli 2018 eine Messung der Raumtemperaturen vorgenommen. Diese zeigten in den damals überprüften Räumen 108 beziehungsweise 118 "erschreckend hohe Durchschnittstemperaturen von 26,6 Grad Celsius". Auch durch Querlüften ließen sich die Räume nicht herunterkühlen. Die hohen Temperaturen im Inneren wurden sogar an Tagen erreicht, an denen mäßige Außentemperaturen herrschten.

Trotz dieser aus Gründen der Arbeitssicherheit für die Kinder und für die Mitarbeiter der Schule und des Tagesheims unzumutbaren Zustände sah man im Referat für Bildung und Sport und in dessen Immobilienmanagement keinen Anlass, tätig zu werden. So habe man der Schule mitgeteilt, dass eine Überprüfung der Lüftungsanlage gezeigt habe, dass diese ordnungsgemäß funktioniere.

Doch wie die Eltern kritisieren: "Leider wurde bei dieser Bewertung außer Acht gelassen, dass die Lüftungsanlage für die Bedürfnisse der Raumnutzung gegebenenfalls falsch dimensioniert ist." Auch wurden Vorschläge vonseiten der Schule, wie etwa durch das Anpflanzen von Bäumen für mehr Schatten zu sorgen oder die schwarzen Rollläden an den Fenstern der Mobilen Schulraumeinheit zu wechseln, allesamt abgelehnt.

Da sich also an der grundlegenden Situation nichts änderte und die Temperaturen in den Klassen- und Gruppenräumen nach Angaben der Eltern "teilweise extrem heiß" blieben, wurde 2019 erneut gemessen und protokolliert: "Die Ergebnisse zeigen erschreckend deutlich, dass die Raumtemperaturen sogar bei mäßigen Außentemperaturen und wenigen Sonnenstunden im Herbst so heiß werden, dass eine lern-, arbeits- oder gar aufenthaltsfreundliche Temperatur deutlich überstiegen ist." Dabei zeigte sich: Je mehr Menschen im Raum waren, desto höher stieg das Thermometer.

Um seinen Forderungen größeren Nachdruck zu verleihen, verwies der Elternbeirat zusätzlich auf die Technischen Regeln für Arbeitsstätten. Diesen sei auch die Stadt München verpflichtet, mahnen sie in dem Schreiben an Zurek. Jedenfalls habe der Fachdienst für Arbeitssicherheit am 3. Dezember 2019 erneut dringenden Handlungsbedarf angemahnt.

Eltern weisen auf gesundheitliche Probleme von Schülern hin

Doch wie die Eltern berichten: "Seitdem ist wieder nichts passiert!" Die verantwortlichen Stellen hätten weder zu dem Protokoll noch zu den dringend erforderlichen Maßnahmen Stellung bezogen oder deren Umsetzbarkeit geprüft. So stehe zu befürchten, dass sich auch 2020 die unzumutbaren Zustände in den Klassen- und Gruppenräumen fortsetzen werden.

Wobei die Eltern neben den erschwerten Lernbedingungen auch darauf hinweisen, dass die Untätigkeit der Stadt gesundheitliche Probleme bei den Schülerinnen und Schülern zur Folge habe: "Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen oder Unkonzentriertheit sind in jedem Jahr tägliche Begleiter", heißt es über den Schulalltag. Abschließend bittet der Elternbeirat "eindringlich" Stadtschulrätin Beatrix Zurek, das Gremium dabei zu unterstützen, die Verantwortlichen bei der Stadt endlich dazu zu bewegen, die "katastrophalen Temperaturzustände" in dem Containerbau zu beheben.

Immerhin hat für dieses Unterfangen der Bezirksausschuss Obergiesing-Fasangarten, an den sich die Eltern ebenfalls gewandt haben, schon seine Unterstützung zugesagt. Das Gremium forderte per einstimmigem Beschluss die Stadt auf, noch in diesem Frühjahr geeignete Maßnahmen zu ergreifen, damit an der Weißenseeschule die empfohlenen Raumtemperaturen dauerhaft eingehalten werden.

© SZ vom 25.02.2020/chrbr
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