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Obdachlosenunterkunft in Neuhausen:Nachtarock

CSU will Belegung einer Obdachlosenunterkunft neu diskutieren

Von Sonja Niesmann, Neuhausen

Nicht obdachlose junge Menschen, sondern lieber Klinikpersonal will die CSU im Neuhauser Bezirksausschuss (BA) in einer neuen städtischen Unterkunft an der Dantestraße 18 untergebracht wissen. Nach kurzer, aber leicht scharfer Debatte in der jüngsten Sitzung des Gremiums sprach sich eine große Mehrheit gegen diesen Antrag aus.

Etwa 8600 Menschen in München hatten vor der Corona-Krise kein dauerhaftes Dach über dem Kopf, ab Herbst rechnet das Sozialreferat mit einem starken Anstieg der Zahl. Es hat deshalb an der Dantestraße und am Hohenzollernplatz in Schwabing für 25 Jahre zwei Häuser angemietet, um dort Wohnungslose unterzubringen. In Gern sollen bis zu 90 junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 27 Jahren einziehen und auch sozialpädagogisch betreut werden. Bis Jahresende allerdings soll die Dantestraße 18 zunächst als Quarantäne-Einrichtung, vor allem für Flüchtlinge, genutzt werden, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen.

Die Leitung der München-Kliniken habe doch "den ersten Zugriff" auf das Haus gehabt, aber abgelehnt, belehrte Rudolf Stummvoll (Grüne) die CSU. Das Rotkreuz-Klinikum oder kirchliche Krankenhausträger, deren Schwestern und Pfleger ebenfalls günstigen Wohnraum brauchen, habe man aber nicht gefragt, kritisierte Nima Lirawi (CSU). Zu Recht, gab Barbara Marc (SPD) zurück: "Die Stadt muss sich vorrangig um die vielen Menschen kümmern, die unterzubringen sie verpflichtet ist."

BA-Vorsitzende Anna Hanusch (Grüne) wies darauf hin, dass der Stadtrat am 29. April die Nutzung der beiden Gebäude beschlossen hatte, am selben Tag hatte es auch der Neuhauser Bezirksausschuss auf der Tagesordnung und kommentarlos zur Kenntnis genommen. Jetzt Wochen später nachzutarocken und eine andere Nutzung vorzuschlagen, meinte Hanusch, mute doch ein bisschen so an, als sollten hier Gruppen von Menschen gegeneinander ausgespielt werden. Das wies die CSU von sich.

© SZ vom 08.07.2020

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