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Musikdozenten:Keine Zweifel an der fachlcihen Qualifikation

Nun sind Lehrbeauftragte im gesamtdeutschen Hochschulbetrieb bei all ihrer akademischen Bildung die Deppen eben dieses akademischen Betriebs. Die Ludwig-Maximilians-Universität, gerade wieder zur Exzellenz-Uni gekürt, erlaubt sich in manchen Studienbereichen jenseits der finanziell gepäppelten Mint-Fächer einen Lehrbeauftragten-Lohn von 18,50 Euro pro Stunde. Immerhin haben die Musikhochschulen in Deutschland die Entlohnung für Lehrbeauftragte unlängst auf einen Unterrichtsstundenlohn von 45 bis 55 Euro angehoben. Der große Unterschied zur Situation an Universitäten aber ist: Hier werden Lehrbeauftragte nach Angestelltenrecht behandelt und nicht, wie an den Unis, nach Arbeitsrecht. Das nimmt dieser Freiberufler-Gruppe fast jeglichen rechtlichen Anspruch. Die sie vertretende Bundeskonferenz hält die aktuelle Beschäftigungspraxis daher verfassungsrechtlich für bedenklich.

Dazu kommt, dass, wie im Falle Hauser, die Zahl der wöchentlichen Arbeitsstunden beschränkt werden kann. Hauser, der noch vom Vorvorgänger des amtierenden Präsidenten Bernd Redmann, dem leidenschaftlichen Organisten Robert M. Helmschrott engagiert worden war, musste schon unter dessen Nachfolger Siegfried Mauser beim Unterrichten von slawischer und jüdischer Musik kürzertreten, weil dieser offenbar das kulturelle Gewicht solcher Fächer nicht so hoch einschätzte (laut Hauser sagte Mauser, da könne man ja gleich "grönländische Musik" unterrichten.) Jedenfalls dezimierte er Hausers Unterrichtszeit von 8 auf 5,25 Stunden und verbot Studierenden dort, trotz zahlreicher Proteste, den Besuch von mehr als maximal zwei Semestern, eine Reduzierung, die erst im Sommersemester 2019 wieder leicht entschärft wurde.

Jedenfalls errechnet sich daraus ein Wochensalär, das sich im günstigsten Falle auf 288,70 Euro beläuft, was einem Monatseinkommen von knapp über 1150 Euro entspricht. Wovon dann alle Sozialabgaben und die von vielen Politikern geforderte private Altersvorsorge abzuziehen sind. Von der Miete fürs Appartement am Arbeitsplatz in München gar nicht zu reden. Man muss da nicht die letzte Rechnung für die Erneuerung der Lichtmaschine am eigenen Auto zu Rate ziehen, um ein gewisses Missverhältnis zwischen dem Verdienst eine Handwerkers und dem eines Lehrbeauftragten nach vielen Jahren Studium und endlosen Übungsstunden am Instrument festzustellen.

Noch dazu da niemand Hans-Christian Hauser die fachliche Qualifikation wirklich absprechen will. Er ist qualifiziert als Pianist, als Organist, als Komponist und Dirigent, als Kirchenmusiker, Liedbegleiter, Chorleiter und so weiter. Er spricht mehrere Sprachen, darunter Russisch, Chinesisch und Ivrith, also modernes Hebräisch, was seiner Intention, der Vermittlung jüdischer (Vokal-)Musik natürlich entgegenkommt.

Seitens der Musikhochschule legt man, unabhängig von Hausers Nichtweiterbeschäftigung, auch Wert auf die Feststellung, man stärke weiter das "Ausbildungsangebot im Bereich jüdischer Musik und sehe die Hochschule auch in der Verantwortung für eine lebendige Erinnerungskultur". Man eröffne in diesem Zusammenhang demnächst das "Ben-Haim-Forschungszentrum" mit Schwerpunkt auf Leben und Werk von NS-verfolgten Komponist*innen. Auch arbeite derzeit eine Gastprofessorin im Forschungsfeld jüdischer Musik. Kurz: Jeglicher Vorwurf, man wolle mit Hausers Rauswurf jüdische Musik an der Hochschule beschneiden, entbehre jeglicher Grundlage.

Was ja auch niemand behauptet. Was also könnte dahinterstecken, dass ein Lehrender nach 31 Jahren seine Bestimmung verliert? Petra Kucharsky, die Witwe des 2010 verstorbenen Kammersängers Andrej Kucharsky, der in den Achtzigerjahren das Fach slawischer Vokalmusik an der Hochschule eingeführt hat, mutmaßt, Hauser sei als Nachfolger ihre Mannes vielleicht "zu erfolgreich" gewesen und zitiert aus Richard Wagners Oper "die Meistersinger", wo der handwerkliche Nachwuchs so eifrig war, dass die Hauptfigur, der Schuhmacher Hans Sachs, argwöhnte, der Erfolg der nach vorne drängenden Jungen "macht den Meistern bang!".

Ein Insider aus der Musikhochschule hat eine pragmatischere Vermutung parat: Der Musikausbilder Hauser habe halt vielleicht nur zu wenig Studenten akquiriert. Das aber wäre wohl auch der Politik des Hauses zu verdanken, die die Arbeit von Hans-Christian Hauser so stark beschnitt. Und der hat wohl verdrängt, was er ist: nur ein Lehrbeauftragter.

Hinweis: In einer früheren Fassung hieß es irrtümlich, die Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen plane einen Gang vor das Bundesverfassungsgericht. Diese Information beruhte auf einem Missverständnis. Tatsächlich hegt die Bundeskonferenz zwar verfassungsrechtliche Bedenken gegen die aktuelle Praxis, plane derzeit aber nicht den Gang nach Karlsruhe.

© SZ vom 30.10.2019/syn
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