Kultur in München:Welche Ausstellungen sich im Herbst lohnen

Kunsthalle
"Fantastisch real. Belgische Moderne von Ensor bis Magritte"
15. Oktober 2021 â€" 6. März 2022
in der Kunsthalle München, Theatinerstr. 8, 80333 München
www.kunsthalle-muc.de
täglich 10 bis 20 Uhr
Tel. 089 â€" 224412

Jean Delville: "Orpheus in der Unterwelt" von 1896 aus der Sammlung Lucile Audouy, Paris.

(Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2021)

Wo magische Momente, unvergessliche Clubnächte und gehäutete Räume zu erleben sind - ein Streifzug durch den Münchner Museumsherbst.

Von Jürgen Moises und Evelyn Vogel

Fantastische Formen in der Kunsthalle

Die Grenzen von Fantasie und Wirklichkeit wollten sie künstlerisch ausloten, Geheimnissen und Rätseln jenseits der Realität Form und Farbe verleihen. Das ist den belgischen Künstlern der Moderne, hier Jean Delvilles "Orpheus in der Unterwelt", deren Werke aus den Jahren 1860 bis 1960 nun in der Kunsthalle München zu sehen sind, auch hervorragend gelungen.

"Fantastisch real" nennt sich die sehenswerte Schau, die in Kooperation mit dem Königlichen Museum für Schöne Künste Antwerpen etwa 130 Gemälde, Grafiken und Skulpturen versammelt, um die wilden Experimente der belgischen Maler ins rechte Licht zu rücken.

Fantastisch real. Belgische Moderne von Ensor bis Magritte, bis 6. März, Kunsthalle München, Theatinerstr. 8

Verflossene Nächte im Stadtmuseum

clubs in Muenchen

Innenansicht des Ultraschall II um das Jahr 2000.

(Foto: Marcus Zumbansen)

Man kann schon leicht nostalgisch werden, wenn man der vertrauten Einrichtung des Atomic Cafés gegenübersteht. Nur ist sie nun ein Museumsstück, genauso wie die Plakate der Registratur oder Fotos wie dieses aus dem Ultraschall II. "Nachts" heißt die Ausstellung im Stadtmuseum, die die Geschichte der "Clubkultur in München" nacherzählt, vom Jazz in den US-Kasernen in den Vierzigern bis zu heutigen Clubs wie Milla oder Blitz.

Das geschieht in Form von Fotos, Videos, Texten, Tonbeispielen und vielen Relikten. Ein soziokultureller Streifzug durch das Nachtleben, der zeigt, welch bedeutende Rolle dieses in und für München hat.

Nachts. Clubkultur in München, bis 1. Mai, Stadtmuseum München, St.-Jakobs-Platz 1

Faszinierende Hüllen im Brandhorst

Museum Brandhorst

"Storm" hat Alexandra Bircken die Skulptur genannt, die unter anderem in ihrer Ausstellung "Alexandra Bircken A-Z" im Museum Brandhorst zu sehen ist.

(Foto: Roman März/Courtesy BQ, Berlin und Herald St, London)

Kleider machen nicht nur Leute, sie sind wie eine zweite Haut, in der man sich bestenfalls wohlfühlt, mit der man ein Statement setzt. Die Frage nach der zweiten Haut beschäftigt die Künstlerin Alexandra Bircken seit Jahren. Deshalb umgibt sie Körper - menschliche wie die von Gegenständen - mit Hüllen aus Textilien, Holz, Leder, Latex, Knochen bis hin zu Teilen einer Plazenta. Nimmt Abformungen, zersägt, bricht auf oder stülpt das Innere nach außen. Am Ende bleiben die Hüllen wie eigenständige Wesen. Wie spannend, faszinierend, mitunter auch irritierend das aussieht, zeigt die Ausstellung "Alexandra Bircken: A-Z" im Museum Brandhorst.

Alexandra Bircken: A-Z, bis 16. Januar, Museum Brandhorst, Theresienstr. 35a

Kollektive Kraft im Lenbachhaus

Lenbachhaus

Von der Malerin Tarsila do Amaral aus der "Grupo dos Cinco" aus São Paulo stammt "Das Schreckgespenst / A Cuca" von 1924.

(Foto: Yves Chenot/Tarsila do Amaral Licenciamento e Empreendimentos Ltda)

Die Künstler mögen unterschiedlich gewesen sein, doch eine Erkenntnis einte alle: Als Gruppe sind wir stärker. Und so entstanden im 20. Jahrhundert weltweit zahlreiche Künstlerkollektive, unter ihnen der Blaue Reiter. Seit Frühjahr zeigt das Lenbachhaus im ersten Teil der Reihe "Gruppendynamik" dessen Netzwerk und Einflüsse. Nun gibt das Museum zusätzlich einen schönen Einblick in die Beziehungsgeflechte einiger weltweiter Künstlergruppen des 20. Jahrhunderts, von Afrika über Asien bis Südamerika (hier die Grupo dos Cinco), in der Ausstellung "Kollektive der Moderne". Damit ist das ganze Haus sozusagen von Kopf bis Fuß auf Gruppendynamik eingestellt.

Gruppendynamik - Kollektive der Moderne, bis 24. April, Lenbachhaus, Luisenstr. 33

Blanke Seelen im Haus der Kunst

Kultur in München: Heidi Bucher hat unzählige Räume und damit Schichten der Erinnerung in Latex "gehäutet". Das Libellenlust-Kostüm von 1976 nimmt eine Sonderstellung ein.

Heidi Bucher hat unzählige Räume und damit Schichten der Erinnerung in Latex "gehäutet". Das Libellenlust-Kostüm von 1976 nimmt eine Sonderstellung ein.

(Foto: Daniele Kaehr/The Estate of Heidi Bucher)

Eine Künstlerin, die sich ebenfalls ein Leben lang mit Hüllen beschäftigte, ist die 1993 gestorbene Heidi Bucher, deren aktuelle Ausstellung "Metamorphosen" im Haus der Kunst einen umfassenden Einblick in das Werk der Schweizer Künstlerin gibt. Wenn Räume sprechen könnten, welche Geschichten würden sie erzählen? Heidi Bucher versuchte auf ihre Weise, diesen Räumen ihre Geheimnisse zu entlocken. Mit Latex überzog sie Fenster, Portale, Wände, ja ganz Räume. Videos zeigen, wie sie diese Hüllen unter Einsatz ihrer gesamten Körperkraft Stück für Stück abzog. Entstanden sind perfekte Abbilder von Raumkubaturen, die wie die Seelen der Häuser anmuten.

Heidi Bucher: Metamorphosen, bis 13. Februar, Haus der Kunst, Prinzregentenstr. 1

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