Horrende Nebenkosten:Münchner Wohnen lässt Mieter Nachzahlungen abstottern

Horrende Nebenkosten: Wegen der teuren Gaspreise sind Mieter von Nachforderungen in Höhe von bis zu 3000 Euro betroffen.

Wegen der teuren Gaspreise sind Mieter von Nachforderungen in Höhe von bis zu 3000 Euro betroffen.

(Foto: Michael Gstettenbauer/Imago)

Die städtische Wohngesellschaft versucht den Ärger einzudämmen, den die Forderungen von bis zu 3000 Euro ausgelöst haben. Der Mieterverein will die Belege genau prüfen.

Von Joachim Mölter

Einige Menschen dürften erschrocken sein, als sie in diesen Tagen eine Mahnung der städtischen Wohnungsgesellschaft Münchner Wohnen mitsamt einem rosafarbenen "Merkblatt zum Zahlungsverzug" in der Post fanden. Darin wies das Unternehmen auf die Möglichkeit einer fristlosen Kündigung hin, falls jemand mit zwei Monatsmieten in Rückstand gerate. Wer in finanzieller Not sei und Beratung oder Hilfe benötige, könne diese bei der Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit bekommen; eine Liste der Sozialbürgerhäuser stand auf der Rückseite.

Dem Eindruck, dass Mietern der Münchner Wohnen (MW) die Obdachlosigkeit droht, falls sie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen, versuchte Geschäftsführer Christian Müller am Freitag bei einer Medienrunde entgegenzuwirken. "Die Münchner Wohnen wird ihrer sozialen Verantwortung gerecht", versprach der ehemalige SPD-Stadtrat und beruhigte: "Es wird niemanden geben, der aufgrund der Nebenkosten seine Wohnung verliert."

Müller muss derzeit Wogen glätten, die durch zum Teil erhebliche Nachforderungen bei den Betriebs- und Nebenkostenabrechnungen für das Jahr 2022 entstanden sind. Die resultieren aus dem Anstieg des Gaspreises, den Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine verursacht hat. Die Situation ist etwas unübersichtlich, weil es die Münchner Wohnen erst seit Januar gibt, sie ist entstanden aus der Fusion der bis dahin existenten kommunalen Wohngesellschaften Gewofag und GWG. Den Ärger wegen der Abrechnungen für 2022 hat die MW also in die Wiege gelegt bekommen, in diesem Fall von der GWG. Denn es sind vor allem deren Mieter, die nun von Nachforderungen in Höhe von bis zu 3000 Euro betroffen sind.

Nicht nur die Stadtratsfraktion von Linke/Die Partei hat sich des Themas angenommen, auch beim Mieterverein München beschäftigt man sich damit, wie dessen Vorsitzende Beatrix Zurek bestätigt. Für eine "erkleckliche Zahl" seiner Mitglieder hat der Verein bereits Einsicht in die Belege angefordert. "Man tut immer gut daran, die Nachforderungen zu überprüfen", rät Zurek. Wenn die Summen aus dem üblichen Rahmen fallen, sollte man schauen, ob sie überhaupt noch angemessen seien. Falls dem nicht so sei, müsse man "in den Austausch gehen und die Sache im Zweifel gerichtlich klären".

Die MW sei für Gespräche offen, versicherten ihre Vertreter am Freitag. Man komme den Mietern schon "sehr, sehr weit entgegen", betonte Müller. So habe man bislang mehr als 6000 Ratenzahlungen vereinbart, auch über den bis dato üblichen Rahmen von drei Monaten hinaus: "Wir lassen niemanden im Regen stehen."

Der Geschäftsführer räumte freilich auch Pannen bei der Kommunikation ein. So sei die Telefonanlage der GWG nicht für die hohe Zahl von Anfragen ausgelegt gewesen, die es gegen Ende des vorigen Jahres wegen der Abrechnungen gegeben habe. Viele Anrufer seien deshalb nicht durchgekommen. "Ich kann versichern, dass dieses Thema abgestellt ist", sagte Müller; die Mieter bekämen auf alle Fragen Antworten.

Fragen aufgeworfen hatte vor allem der Umstand, dass die GWG im November 2021 einen neuen Gasliefervertrag mit den Stadtwerken München (SWM) abgeschlossen hatte. Statt eines jährlichen Festpreises enthält der nun eine vierteljährliche Anpassung an den Börsenpreis, was dazu geführt hat, dass sich eine Kilowattstunde Gas im letzten Quartal 2022 auf das Zehnfache verteuerte. Das sei bei Abschluss des Vertrages nicht abzusehen gewesen, nahm der bei den SWM für die Geschäftskunden zuständige Christian Decker das Wohnungsunternehmen in Schutz. Zwar habe sich der Gaspreis schon im Herbst 2021 "dynamisch nach oben entwickelt", aber mit dem Ukraine-Krieg und seinen Folgen habe man nicht rechnen können. Mit dem flexiblen Vertrag habe sich die GWG immerhin die Chance erhalten, von günstigeren Preisen wieder zu profitieren.

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