Moosach:Traditionswirtshaus Spieglwirt feiert Neueröffnung

Moosach: Nach langem Leerstand wieder eröffnet: der Moosacher Spieglwirt.

Nach langem Leerstand wieder eröffnet: der Moosacher Spieglwirt.

(Foto: Robert Haas)

1894 erbaut, stand das Haus zuletzt leer. Die Augustiner-Brauerei kaufte es - nach umfassender Renovierung ist jetzt wieder ein Schmuckstück bayerischer Wirtshauskultur entstanden.

Von Franz Kotteder

Der neue Wirt Marcus Wagner ist sichtlich gerührt. Da hat ihm der Nachbar Rudi Böck doch glatt ein Geschenk zur Wiedereröffnung des Moosacher Spieglwirts mitgebracht: einen ziemlich großen, reich bebilderten Zierkrug aus dem Jahr 1949, der zum hundertsten Geburtstag des Wirtshauses an der Ecke Feldmochinger/Pelkovenstraße gefertigt wurde und drei Liter Bier fasst. "Jetzt bin ich fast ein bisschen sprachlos", sagt Wagner, und: "Da trinken wir zwei mal zusammen draus!"

An diesem Abend trinken deutlich mehr Leute auf die Wiederauferstehung eines bayerischen Wirtshauses, das zu den ältesten Moosachs gehört. Denn die Augustiner-Brauerei hat zur Eröffnungsfeier geladen. 2019 hat sie das historische, unter Denkmalschutz stehende Anwesen erworben, nachdem viele schon befürchtet hatten, dass es nicht mehr zu retten sein würde. 1849 war es an der alten Salzstraße zwischen Sendling und Moosach erbaut worden, ursprünglich als sogenannte Sölde. So nannte man damals einen Bauernhof, den sich mehrere Kleinbauern teilten.

Aus dem Karl- wird 1898 der Spieglwirt

Weil das damals schon nicht mehr sehr rentabel war, wurde 27 Jahre später ein Wirtshaus daraus, "Karlwirt" wurde er genannt. Und 1898 übernahm dann der Münchner Metzger Franz Xaver Spiegl die Gaststätte. Seither war sie in ganz Moosach als "Spieglwirt" bekannt. Mehr als 50 Jahre lang betrieb Spiegl mit seiner Familie das Wirtshaus selbst, später wurde es verpachtet.

Ende 2017, fast 120 Jahre später, blieb dann der Zapfhahn zu; dem bis dahin letzten Wirt war der Pachtvertrag gekündigt worden. Das Anwesen stand dann fast ein Jahr lang leer; die Erbengemeinschaft, die das Haus geerbt hatte, wusste nichts Rechtes damit anzufangen und verkaufte es schließlich an die Augustiner-Brauerei. Deren Mehrheitseignerin, die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, hat als eines ihrer Stiftungsziele den Denkmalschutz, und so fand sich hier geradezu ein Paradebeispiel dafür, was sich aus einer alten Hütte noch herausholen lässt.

Moosach: Mit viel Euphorie gestartet: das Wirtspaar Edith und Marcus Wagner.

Mit viel Euphorie gestartet: das Wirtspaar Edith und Marcus Wagner.

(Foto: Robert Haas)

Das Vorhaben, kann man sagen, ist wirklich mehr als geglückt: Der alte Spieglwirt ist sicher eines der schönsten neuen Wirtshäuser im historischen Stil geworden, das München aufzuweisen hat. Nicht nur vorne in der Wirtsstube, sondern auch hinten im Stadel, der zum Wirtshaussaal mit Galerie umgebaut wurde. Augustiner-Vorstand Martin Leibhard ist ganz glücklich. "Ich freue mich auch", sagt er, "dass wir nach drei Jahren endlich mal wieder ein Wirtshaus eröffnen können". Und dann gleich ein solches Prestigeobjekt. Schön auch, dass man mit dem Wirt Marcus Wagner - er betrieb zuvor eine Golfplatz-Gaststätte in Olching - und seiner Frau Edith einen Namensvetter von Josef Wagner, der die Brauerei bis 1900 erst zu ihrer heutigen Größe brachte, gefunden hat. Zwei Söhne des Wirtspaars haben auch Koch gelernt, und so kann sich Leibhard sicher sein: "Wir haben genügend Backup, wenn der Koch im Spieglwirt mal einen schlechten Tag haben sollte."

Die Moosacher nehmen ihr Wirtshaus bereits rege an

Dass die Moosacher ihr Wirtshaus bereits rege annehmen, kann man vorne in der Gaststube schon sehen, während hinten im Saal noch die offizielle Feier läuft. Dort sind vom Pfarrer bis zur Freiwilligen Feuerwehr alle vertreten, die den Saal mal für Versammlungen nutzen wollen. Selbstverständlich auch die Politik, vertreten vor allem durch Stadtrat Alexander Reissl (früher SPD, jetzt CSU), Stadträtin Julia Schönfeld-Knor (SPD) und die Landtagsabgeordnete Diana Stachowitz (SPD) sowie CSU-Landtagskandidat Alexander Dietrich, und auch der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post, inzwischen aus der Partei ausgetreten, ist gekommen. So sehr die Meinungen bei ihnen sonst auseinander gehen - beim Spieglwirt sind sie sich einig: Das ist ein Schmuckstück geworden.

Rudi Böck, der Nachbar, hat übrigens nicht nur den prächtigen Zierkrug zum neuen, alten Spieglwirt beigetragen. Böck ist laut Leibhard "nicht mehr ganz so jung, wie er ausschaut", sondern schon im stolzen Alter von 103 Jahren, aber nicht nur für dieses Alter immer noch topfit und hell im Kopf. Er kann auch schöne Geschichten von seinem Vater erzählen. Der hatte selbst noch den Prinzregent Luitpold erlebt, wie er einmal auf der Jagd im Spieglwirt einkehrte und dicke Zigarren rauchte. Böck selbst war von Beruf Schreiner, wie sein Vater.

Den Stammtisch hat ein 103-Jähriger mit seinem Spezl geschreinert

Und deshalb bekam er vor drei Jahren von Augustiner spontan den Auftrag, noch einmal den Hobel und anderes Werkzeug in die Hand zu nehmen, um doch bitte den Stammtisch für den Spieglwirt zu schreinern. "Das hat er dann mit seinem Spezl zusammen auch gemacht", erzählt der Stadtrat Alexander Reissl, "aber der ist heute nicht da, weil er nämlich mit 85 Jahren gestorben ist". Rudi Böck, der im Januar 104 wird, hat nun aber selbstverständlich einen Ehrenplatz am Stammtisch bekommen.

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