Feiermeile:Die aktuelle Ruhe auf der Türkenstraße könnte trügen

Party Türkenstraße

Spontane Feiermeile unter freiem Himmel: die Türkenstraße im vergangenen Sommer.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Während die Anwohner nach dem Party-Sommer Forderungen stellen, sehen die Sicherheitskräfte die Lage entspannt. Entscheidend für die Zukunft sei die Entwicklung der Corona-Pandemie.

Von Ilona Gerdom

Menschen, die tanzen, grölen, feiern, dicht an dicht in Pandemiezeiten: Solche Bilder hat die Türkenstraße im vergangenen Sommer an einigen Abenden geliefert. Mittlerweile ist es in der Maxvorstadt stiller geworden, naturgemäß schon jahreszeitlich und temperaturbedingt. Doch die Ruhe könnte trügen - zumindest, wenn man den Blick voraus richtet. Antworten von Polizei und Kreisverwaltungsreferat (KVR) auf Anträge aus der Bürgerversammlung und auf SZ-Anfrage zeigen: Wie es im kommenden Jahr wird, hängt stark vom Pandemiegeschehen ab.

"Die Lage hat sich beruhigt", berichtet ein Anwohner, der anonym bleiben will. "Jetzt kommen nur noch die 'normalen', gelegentlichen Ruhestörungen." Anders als in "den Spitzenzeiten". Damals hat der Maxvorstädter "Massen von Feierwütigen" vor seiner Haustür erlebt. Das bedeutete nachts Lärm und am Morgen dann Müll, Scherben und andere Hinterlassenschaften der Partygäste. Die daraufhin beschlossenen Maßnahmen seien nicht ausreichend gewesen, findet der Familienvater. Das Glasverbot zum Beispiel habe "kaum Effekte" gehabt. Das schätzt ein Sprecher der Polizei München anders ein: "Die heuer umgesetzten Konzepte - Entzerrung und das Verbot für Glasbehältnisse - haben sich grundsätzlich bewährt."

Auch an Hotspots wie dem Josephsplatz klagten Stadtteilbewohnerinnen und -bewohner über Ruhestörung und Abfall. Dass in der Bürgerversammlung im Juli mehrere Anträge zum Thema gestellt wurden, überraschte daher nicht. Gefordert wurde mehr Polizeipräsenz, ein Verbot von "mobilen Musikanlagen" im ganzen Viertel, um einer "Ballermannisierung" vorzubeugen, außerdem ein Versammlungsverbot und die Einschränkung der Außengastronomie.

Es gehört zur Natur des Verwaltungsprozesses, dass es dauert, bis Antworten auf die Empfehlungen der Bügerversammlung kommen. Umso schneller sind die nun vorliegenden Schreiben des Kreisverwaltungsreferats zusammengefasst: Was Einsatzkräfte vor Ort angeht, reagiere man "lageangepasst". Alle weiteren Forderungen seien geprüft worden, entsprochen werden könne allerdings keiner einzigen. Darüber hinaus konstatiert die Behörde, dass mit "Beginn der herbstlichen Witterung" sowie Öffnungen von Clubs und Bars - die nun allerdings wieder schließen - "das Personenaufkommen an den Hotspots reduziert" werde. Auf Nachfrage bestätigen sowohl Kreisverwaltungsreferat als auch Polizei, dass sich diese Einschätzung mit dem inzwischen eingetretenen Herbst bewahrheitet habe.

Seit Oktober liege die Zahl der Beschwerden "im normalen Bereich". Grund für die Partys im Freien, da ist man sich einig, seien "primär die coronabedingten Einschränkungen" gewesen. Damit habe sich das "Freizeitverhalten" in den öffentlichen Raum verschoben. Ob das im kommenden Jahr wieder so läuft, lasse sich nicht voraussagen. Laut der Ordnungsbehörde hängt das von den "Corona-Rahmenbedingungen" ab.

Der Anwohner der Türkenstraße hofft indes auf ein Ende der Pandemie und damit auf das solcher "Auswüchse". Wenn vor dem eigenen Fenster doch wieder gefeiert wird, dann ist für ihn klar, was er erneut fordern wird: "klare Regelungen wie frühere Sperrstunden und Aufenthalts- und Verweilbeschränkungen".

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