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Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt:Kalt erwischt

Die derzeit größte Kälteerzeugungsanlage der Stadt arbeitet in einem Stockwerk tief unter dem Stachus.

(Foto: Stephan Rumpf)

Streit um Baumfällungen bremst Durchbruch der Fernkälteleitung Richtung Stachus

Von Birgit Lotze, Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt

In der Thalkirchner Straße könnten 14 Bäume den Durchbruch der Fernkälteleitung vom Heizkraftwerk (HKW) Süd zum Stachus bremsen. Denn der Bezirksausschuss Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt hat keineswegs ihre Fällung durchgewunken, so wie es sich die Stadtwerke München (SWM) erhofft hatten. Zwar versuchte ein Ingenieur der SWM die Stadtviertelpolitiker in der jüngsten Sitzung zu überzeugen, dass es ohne Fällungen nicht gehe, wolle man den Bus an der Baustelle zur Verlegung der Leitungen entlang fahren lassen, doch das Gremium sah das mehrheitlich anders und vertagte die Angelegenheit. "Da muss man noch weiter schauen", sagte der Vorsitzende des Bezirksausschusses Benoît Blaser (Grüne).

Eigentlich wollten die SWM sofort, "umgehend", mit der Säge in dem betroffenen Straßenabschnitt zwischen Zenetti- und Reifenstuelstraße anrücken. Welche Auswirkungen die Vertagung um mindestens dreieinhalb Wochen nun auf den Weiterbau des 80-Millionen-Euro-Projektes hat, kann man noch nicht ermessen. "Die SWM prüfen jetzt die Konsequenzen für den Baufortschritt und mögliche Alternativen", hieß es auf Nachfrage einen Tag nach dem Votum des Bezirksausschusses.

Alternativen, vor allem zunächst alternative Untersuchungen, hat der Bezirksausschuss verlangt. Unstrittig sei, dass der Bus weiterhin, auch während der Bauzeit, dort verkehren müsse, dafür sei die Gegend zu schlecht angebunden an das öffentliche Nahverkehrsnetz. Doch sei nicht einmal geprüft worden, ob auch Bäume gefällt werden müssten, wenn man die Busspur nicht auf die östliche Seite der Thalkirchner Straße, sondern auf die West-, die Viehhofseite lege und dort für den Bus den Radweg und Parkstreifen nutze. Oder wie es mit einer Umleitung durch die parallel verlaufende Tumblinger Straße wäre.

Im Bezirksausschuss hieß es, die SWM hätten die Frist verbaselt. "Jetzt kam jedenfalls alles sehr überraschend", sagte Blaser. Bei der Projektvorstellung im vergangenen Winter war noch keine Rede von Baumfällungen, die SWM sagt, das habe sich erst bei der Detailplanung herausgestellt. Auch Anwohner haben erst kurz vor der Sitzung davon erfahren. "Wir haben Flyer in den Briefkästen gehabt mit Informationen über die Bauarbeiten", hieß es in der Plenumssitzung. "Doch kein Wort zu Bäumen, die gefällt werden sollen."

Bis 2021 soll das Fernkältenetz Münchens um vier bis fünf Kilometer wachsen. Die Wärme, die auf dem HKW-Gelände aus Geothermie und aus Kraft-Wärme-Kopplung gewonnen wird, soll auch zur Erzeugung von Fernkälte genutzt werden. Die Energieausnutzung gilt als ökologisch sinnvoll und soll auch die Kohlendioxidbelastung senken. Von Ende nächsten Jahres an soll die erzeugte Kälte von der Schäftlarnstraße in Sendling durch Rohre unter der Isarvorstadt und Ludwigsvorstadt in die Innenstadt strömen.

Fernkälte kann im Sommer der Hitzeglocke über der Innenstadt entgegenwirken, Nutzer sind in der Regel Bürohäuser und Hotels. Drei Kältezentralen gibt es bislang in der Innenstadt. Die Sendlinger Kälteerzeugungsanlage auf dem HKW-Gelände soll bei Weitem die größte werden. Die derzeit größte arbeitet in einem tief gelegenen Stockwerk des unterirdischen Stachus-Bauwerks, wo sich auch die U- und S-Bahnhöfe befinden.

© SZ vom 27.11.2020/van
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