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Aktkalender:"Die schwierigsten Tiere waren die Alpakas"

Insgesamt 37 junge Veterinärmediziner an der LMU wurden für den „Veti-Kalender“ zu Models.

Es gibt Feuerwehrkalender, Karpfenkalender - und nun auch einen Aktkalender der Veterinärmediziner an der LMU. Warum tun sie das?

Trotz Vorbereitung aufs Staatsexamen war noch Zeit für ein Projekt der besonderen Art: Der diesjährige Abschlussjahrgang der Veterinärmediziner an der LMU hat einen Aktkalender herausgebracht, finanziert damit seinen Abschlussball und unterstützt Tierschutzorganisationen in Australien. Insgesamt 37 Studierende wurden für die "Veti-Kalender" zu Models - und mussten bei den Shootings auch mal bissigen Waschbären sowie spuckenden Alpakas trotzen. Dem Tiermedizin-Studenten Max Wieth, 27, kam im Oktober vergangenen Jahres die Idee. Mit seinen Kommilitonen Jule Ruß, Georg Düringer und Vera Sommerer hat er innerhalb von sechs Wochen einen Frauen- und einen Männerkalender entworfen, gestaltet und produziert. Hier spricht er über das Gemeinschaftsprojekt des Jahrgangs, in das so viel Herzblut geflossen ist.

SZ: Nach dem Feuerwehrkalender und dem Karpfenkalender gibt es jetzt auch den Tiermedizinerkalender mit nackten Models. Warum sollte man euren Aktkalender kaufen?

Max Wieth: Na ja, von dem Karpfenkalender grenzen wir uns schon deutlich ab. Wir haben sehr viel mehr Tierarten als nur die Karpfen.

So gesehen: Ja. Die Frage bleibt trotzdem.

Das Projekt war anfangs eine Schnapsidee. Wir sind Teil vom Organisationsteam für den Abschlussball, kümmern uns also auch um die Finanzierung. Dieser Spaßkalender sollte und wird eine Unterstützung für den Abschlussball sein.

Studium in München

Ein Studium an der LMU - in Bildern

Es geht aber auch um Benefiz.

Unser Jahrgang hat angesichts der Buschbrände in Australien entschieden, einen Teil der Einnahmen zu spenden. Über die genaue Organisation stimmt das Semester zu diesem Zeitpunkt noch ab. Wir haben die Sache angestoßen und vertreten das Semester in dieser Angelegenheit - aber die Entscheidung ist die des Semesters, nicht die von uns. Eine Kommilitonin fliegt nach dem Staatsexamen im März zur Koala-Hilfe nach Australien, einige von uns haben dort schon Praktika gemacht.

Du hast das Projekt ins Leben gerufen und zusammen mit Jule Ruß, Georg Düringer und Vera Sommerer koordiniert. Aber wie kamst du überhaupt auf die Idee, einen Aktkalender zum Abschluss des Studiums zu produzieren?

In Amerika machen die Tiermediziner das lustigerweise auch. Das ist keine neue Idee, das gab es nur in München nicht. Wir haben diese Idee für München sozusagen wiederbelebt. Anfangs dachte ich nicht, dass irgendjemand darauf anspringt. Als wir dann eine Umfrage im Jahrgang gestartet haben, wurde ich eines Besseren belehrt.

Ihr habt mittlerweile schon einige Verkaufstermine hinter euch. Wie überzeugt ihr die Leute am Verkaufsstand?

Solche Kalender sind Geschmackssache. Wer sich so einen kauft, mag das, was er sieht. Wir haben uns bei der Bildgestaltung viel Mühe gegeben, dass die Fotos Stil und Klasse haben. Es gibt Leute, die stehen auf den Karpfenkalender. Und es gibt Leute, die stehen auf unseren Stil. Die hohe Qualität überzeugt auch anfängliche Kritiker. Unser Kalender ist ein Luxusprodukt. Etwas, das man sich gönnt.

Luxusprodukt? Stichwort Body Positivity: Warum gestalten junge Menschen im Jahr 2020 noch so einen Kalender?

Wir haben im Kalender alle Größen und Formen. Alles ist schön. Jeder kann sich zeigen. Und jeder, der wollte, durfte mitmachen. Wir mussten nicht nach Models suchen, wir hatten am Ende zwölf Bewerbungen mehr als Plätze. Wünsche haben wir versucht, möglichst umzusetzen: Wer auf welchen Gruppenfotos war, wer von welcher Seite abgelichtet werden wollte. Bei der Nachbearbeitung sind wir auf konkrete Wünsche eingegangen. So wurden wir etwa gefragt, ob wir bei Problemzonen etwas machen könnten. Damit wirklich jeder mit dem zufrieden war, was abgedruckt wurde. Das war uns sehr wichtig. Das Projekt sollte in erster Linie Spaß machen. Und es soll eine schöne Erinnerung sein für alle, die mitgemacht haben. Meistens waren die Tiere mehr Arbeit als die Models.

Mit dem Erlös wollen Max Wieth, Vera Sommerer, Georg Düringer, Jule Ruß (von links) ihren Abschlussball finanzieren und Tierschutz in Australien unterstützen.

(Foto: LMU Veti-Kalender Team)

Aber steht so ein Aktkalender nicht für überholte Geschlechterklischees?

Es gibt solche und solche Reaktionen. Wir haben auch Kommentare bekommen, dass der Kalender sexistisch sei. Die Frage ist nur, was bei einem Frauen- und Männerkalender sexistisch ist. Beide Geschlechter sind vertreten, kein Geschlecht wird schlechter dargestellt als das andere. Das ist absolut neutral gehalten. Wir haben da nicht mehr reininterpretiert als notwendig. Wichtig ist, dass viel Herzblut in das Projekt geflossen ist.

So viel Herzblut war wahrscheinlich auch wegen der Tiere nötig. Nur mit Menschen läuft ein Shooting deutlich einfacher.

Die schwierigsten Tiere waren die Alpakas. Sowohl beim Fotografieren als auch in der Nachbearbeitung. Die waren ziemlich grimmig und schauen selten so, wie man es gerne hätte. Das ein oder andere Tier spuckt oder läuft auch mal weg. Deshalb mussten wir danach manche Ausschnitte aus den verschiedenen Bildern kombinieren. Wir wollten nur zwei Motive: Das Foto für den Männer-Kalender entstand vor einer Futterraufe mit mehreren Alpakas, die in verschiedene Richtungen blicken. Für den Frauen-Kalender lag ein Alpaka auf dem Boden, hinter dem eine Kommilitonin kniete - die anderen waren im Hintergrund mit einem weiteren Alpaka.

Die Shootings mit so verschiedenen Tieren müssen recht unterschiedlich verlaufen sein.

Wir sind angehende Tiermediziner. Das geht dann schon. Aber natürlich geht man mit einer Kuh anders um als mit einer Schlange oder einem Leopardgecko. Der war übrigens bissig. Im Schnitt waren alle Tiere recht kooperativ - außer vielleicht die Waschbären und die Leopardgeckos. Schwierig war auch das Wetter. Wir haben im Oktober und November fotografiert, brauchten aber auch Bilder für Juni, Juli und August. Bei zwei von 24 Shootings schien die Sonne. Trotzdem sollten die Fotos nach Sommer aussehen.

Ihr habt für die Shootings mit der Münchner Auffangstation für Reptilien, dem Lehr- und Versuchsgut Oberschleißheim und dem Tierheim in München zusammengearbeitet. Wie haben die denn kooperiert?

Total positiv. Die Auffangstation für Reptilien zum Beispiel ist aber auch echt erfahren, sie haben dort oft mit Tattoo-Models zu tun. Die haben uns sehr mit den Reptilien und Waschbären geholfen und zu fast keinem Tier nein gesagt, mit dem wir die Fotos machen wollten. Von den Giftschlangen mal abgesehen. Wir waren für die Fotos aber auch in einem Hörsaal.

Welcher Ort ist besonders in Erinnerung geblieben?

Wir haben in einem Greifvogelpark fotografiert, wo zur gleichen Zeit Besucher unterwegs waren. Das bedurfte einiger Organisation beziehungsweise Abdeckung. Es war echt kalt an dem Tag. Ein paar Senioren waren auch in dem Park und schienen sich zu denken, wenn sich junge Leute ausziehen, müssen sie hinschauen. Ich habe Jule, das Model, mit einer riesigen Bettdecke abgeschirmt. Sie stand auf einer Brücke, im Hintergrund war ein Ahornbaum und sie hatte einen Uhu auf dem Arm.

Hängt bei dir zu Hause ein Kalender?

Einen Wandkalender braucht heutzutage kein Mensch mehr. Den hängt man sich an die Wand, weil man ihn schön findet, und nicht, weil man ihn zwingend braucht. Ich habe normalerweise gar keinen Kalender. Ich habe alles auf meinem Handy. Für die Prüfungsphase drucke ich mir einen Kalender aus - und jetzt habe ich natürlich unseren eigenen. Das ist doch klar.

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