Typisch deutsch:Vorbereitung zum Hamsterkauf

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Typisch deutsch: Ein Zwerghamster.

Ein Zwerghamster.

(Foto: Christian Endt)

Bei Haustieren haben die Münchner ein Rad ab: Schildkröten, Schlangen, Spinnen. Unsere Autorin verhandelt nun mit ihrer Tochter, welches Lebewesen zu ihnen in die Wohnung kommt.

Kolumne von Lillian Ikulumet

Ich war zu Besuch bei einer Freundin und starrte aus ihrem Fenster, auf der Suche nach Inspiration. Die Worte wollten einfach nicht fließen. Und dann, hinter mir, hörte ich ein Geräusch und drehte mich um. Es war der weiße Zwerghamster des Sohnes meiner Freundin. Diggy heißt er. Der Hamster, nicht der Sohn. Diggy ist nachts am aktivsten, steht aber auch gegen Mittag auf, um auf seinem Laufrad zu trainieren. Nun war er gerade erwacht.

Als ich dieses niedliche kleine Lebewesen beobachtete, fing ich an zu grübeln. Das Tier wirkte nicht unglücklich in seinem Rad. Aber sicher kann man sich nicht sein. Eventuell ist Diggy einsam, vielleicht hüpft er nur mangels Alternativen ins Rad - und in Wahrheit ist ihm sterbensfad.

Meine kleine Taliah verhandelt ja schon länger mit mir darüber, ob sie ein Haustier bekommt. Und je länger sie die Verhandlungen führt, desto unausweichlicher wird, dass es nicht mehr um das Ob geht, sondern um die Frage: welches?

In Deutschland kann fast jedes Wesen als Haustier gehalten werden. Hamster, Kaninchen, Mäuse, Katzen. Das sind die Klassiker, die mir auch in anderen Ländern dieser Welt begegnet sind. Aber Vögel in Käfigen, Schlangen, Schildkröten und Riesenspinnen? Die Münchner spinnen - zumindest bei ihren Haustieren.

Würde ich diesen Irrsinn mitmachen, meine afrikanischen Freunde müssten denken, dass ich in Deutschland angefangen habe, Voodoo zu praktizieren. Wer in Uganda solche Tiere nur in der Nähe seines Hauses hält, kann dort allen Gepflogenheiten nach nichts anderes sein als ein Voodoo-Meister. Man kann dort nicht einfach so eine Maus verschenken. Es sei denn, im Geschenk ist ein passender Voodoo-Zauber inbegriffen, um das Tier zur Strecke zu bringen. Die einzigen akzeptablen Haustiere, die ich kenne, sind Hunde. Sogar Katzen gelten in Teilen Afrikas bis heute als Verbrüderte der Hexerei. Deshalb meiden viele Menschen dort die Nähe zu Katzen. In Deutschland halten sich auch manche von Katzen fern - aber in aller Regel nur wegen einer Katzenhaar-Allergie.

Irrsinn? Einer meiner besten Freunde würde mir widersprechen. Er hat eine Schlange als Haustier und vertritt die Ansicht, dass diese Tiere missverstanden werden. Seine Schlange leiste ihm wertvolle Gesellschaft und habe eine entspannende Wirkung auf ihn. Man braucht nicht täglich mit ihr spazieren zu gehen. Sie ist tagsüber und nachts ruhig und muss nur einmal pro Woche fressen, meinte er. Ihm sei unerklärlich, warum so viele Menschen sich einen Hund oder eine Katze antun.

Eventuell sollte ich mir Gedanken über meinen Freundeskreis machen. Ich habe eine Freundin, die ein Jahr lang Geld gespart hat, um sich eine Königspython leisten zu können. Sie ist trotzdem noch meine Freundin, aber wir treffen uns jetzt bei mir oder an einem neutralen Ort. Allein die unzähligen Frösche, die sie bei sich zuhause rumquaken hat, damit die Python regelmäßig ihre Mahlzeiten vertilgen kann... Eigentlich muss ich wirklich dankbar sein, dass meine Tochter in den bisherigen Verhandlungen lediglich Katzen, Hunde und Hamster erwähnt hat.

Typisch deutsch

Ihre Flucht hat drei Journalisten nach München geführt. In einer wöchentlichen Kolumne schreiben sie, welche Eigenarten der neuen Heimat sie mittlerweile übernommen haben. Alle Texte dieser Reihe finden Sie unter sz.de/typisch

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