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Kultur in München:Haus der Kunst bekommt neuen Geschäftsführer

Das Haus der Kunst in München

Das Haus der Kunst in München

(Foto: dpa)
  • Der Kulturmanager Wolfgang Orthmayr wird neuer kaufmännischer Geschäftsführer am Haus der Kunst in München.
  • Der 59-Jährige werde seinen Posten am 25. Februar antreten, teilte Kunstminister Bernd Sibler mit.
  • Orthmayr war unter anderem Interims-Geschäftsführer der documenta und am Museum Fridericianum in Kassel.

Den Großteil seines beruflichen Lebens hat Wolfgang Orthmayr im Musikgeschäft verbracht, neun entscheidende Monate jedoch auch im Kunstbetrieb. Da war Wolfgang Orthmayr nach Kassel geholt worden, um nach dem Millionen-Defizit der Documenta 14 die Documenta wieder in ruhigeres Fahrwasser zu steuern. Jetzt wird der 59-jährige Kulturmanager der neue kaufmännische Leiter des Hauses der Kunst, das seinerseits finanziell wie personell bewegte Zeiten hinter sich hat.

Wolfgang Orthmayr tritt die Nachfolge des bisherigen kaufmännischen Geschäftsführers Bernhard Spies an. Dessen Vertrag endet wie vorgesehen nach zwei Jahren. In dieser Zeit hat er das Haus zeitweise allein geführt, nachdem dessen künstlerischer Direktor Okwui Enwezor sein Amt im August 2018 aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben hatte. Wie Bayerns Kunstminister Bernd Sibler, der auch Aufsichtsratsvorsitzender des Ausstellungshauses ist, an diesem Dienstag bekannt gab, nimmt Orthmayr seine Tätigkeit bereits zum 25. Februar auf. Gemeinsam mit dem designierten künstlerischen Geschäftsführer Andrea Lissoni, der am 1. April sein Amt antritt, wird er künftig die Doppelspitze im Haus der Kunst bilden.

"Ich verstehe meine Rolle dabei als Möglichmacher, der die künstlerisch Verantwortlichen im Haus mit einer zeitgemäßen Organisation und Struktur unterstützen will", sagt Orthmayr. "Ich freue mich, gemeinsam mit dem engagierten Team des Hauses Andrea Lissoni bei der vorgesehenen Neu-Aufstellung zu begleiten und zu unterstützen." Darüber hinaus will Orthmayr sich erst äußern, wenn er mindestens 100 Tage im Amt ist.

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Der 59-Jährige bringt vielfältige Erfahrungen in der Führung von kleinen, mittleren und großen Unternehmen mit. Wolfgang Orthmayr, der als deutscher Staatsangehöriger in Rumänien geboren worden ist, verbrachte seine gesamte Jugend in seinem Geburtsland. In Deutschland lebt er seit 1977. Den Weg in die Kulturwirtschaft schlug er direkt nach seiner Schulzeit ein - ganz am Anfang als One-Man-Show. Als 19-Jähriger DJ legte er Platten in einer Freiburger Diskothek auf. 1980 begann der junge DJ und begeisterte Plattensammler, in einem Freiburger Plattenladen zu arbeiten. Von da wechselte er 1986 zum damals neu gegründeten bundesweit tätigen Musik-Spezialisten WOM - World Of Music. Dort war er zunächst als Einkäufer tätig, im Laufe der Zeit - und im Zuge einer Fortbildung am Sankt Gallener Management Institut - arbeitete er sich hoch bis zum Vorsitzenden der Geschäftsführung. 2003 wechselte er zu Sony Music Entertainment, leitete dort den Schweizer Markt. Eine spätere Station absolvierte er als Geschäftsführer von Stage Entertainment, dem europäischen Marktführer im Musiktheaterbereich.

Als er im Jahr 2018 zum Interims-Geschäftsführer der Documenta und des Museum Fridericianum gemacht worden sei, habe ihm das allerlei höhnische Kommentare eingetragen, sagte Orthmayr später der Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen. Mancher habe ihn als den "Musical-Fuzzi" abgetan. Das Team der Documenta habe ihn aber "mit offenen Armen und unterstützend" aufgenommen. Die berufliche Begegnung Orthmayrs, des bekennenden Independent-Musikfans, mit der zeitgenössischen Kunst hat offenbar nachhaltig gewirkt. Sie sei ihm "Gewürz fürs Hirn", sagte er bei seiner persönlichen Bilanz am Ende der Documenta 14.

Schon damals, vor gut einem Jahr, konnte er sich vorstellen, weiterhin im Management im Bereich der Bildenden Kunst tätig zu sein. Für Minister Bernd Sibler ist mit Orthmayr nun jedenfalls "das Zukunftsteam für die Münchner Institution" Haus der Kunst komplett. Und das Defizit des Hauses hat Bernhard Spies mittlerweile offenbar weitgehend in den Griff bekommen. Ihm dankte Sibler für seine engagierte Arbeit.

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