Haus der Kunst Okwui Enwezor ist tot

Okwui Enwezor im Haus der Kunst.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der frühere Leiter des Münchner Museums und künstlerische Leiter der Documenta 11 ist im Alter von 55 Jahren gestorben.

Okwui Enwezor ist tot. Der ehemalige Leiter der Biennale und der frühere Chef des Münchner Hauses der Kunst ist im Alter von 55 Jahren gestorben. Enwezor war einer der bedeutendsten Kuratoren der globalen Kunstszene. Er wurde 1963 in Nigeria geboren und ging 1982 nach New York, um Politikwissenschaft zu studieren. Aus einer frühen Leidenschaft für Lyrik heraus entwickelte er bald auch ein Interesse an bildender Kunst. Sein besonderes Augenmerk lag dabei von Anfang an neben der amerikanischen und europäischen zeitgenössischen Kunst des 20. Jahrhunderts vor allem auf der modernen afrikanischen Kunst.

Ab 1989 arbeitete Enwezor als freier Kurator, Autor und Kritiker. 1993 gründete er die halbjährlich erscheinende Zeitschrift Nka: Journal of Contemporary Art, die zum wichtigsten Forum für afroamerikanische Kunst wurde.

Haus der Kunst als Forschungsinstitut mit Archivbereich

Internationales Renommee erwarb sich Enwezor durch die von ihm konzipierte Ausstellung "African Photographers, 1940 - Present", die 1996 die große Afrika-Ausstellung des Guggenheim-Museums in New York begleitete, und 1997 als künstlerischer Direktor der zweiten Biennale von Johannesburg. Diese trug den Titel "Handelswege: Geschichte und Geographie" und beschäftigte sich mit den Folgen von Migrationsströmen und den Auswirkungen des globalen Warenverkehrs.

Von 1998 bis 2002 leitete Enwezor die elfte Documenta in Kassel. Außerdem war er für zahlreiche große Ausstellungen zuständig, etwa die Biennalen in Venedig und Sevilla. 2011 ging er als Nachfolger von Chris Dercon ans Haus der Kunst in München. Enwezor war dort allein für die Ausrichtung und die Organisation verantwortlich - eine große Herausforderung für einen Kurator, der vorher noch kein großes Ausstellungshaus kontinuierlich betreut hatte. Das Haus der Kunst besitzt keine eigene Sammlung, sondern bezieht in seine Ausstellungen unterschiedliche und interdisziplinäre Standpunkte ein.

Enwezor begriff das Haus dabei auch als Forschungsinstitut mit Archivbereich und Förderprogramm unter anderem für Nachwuchskünstler. Aus gesundheitlichen Gründen legte Enwezor im Juni 2018 sein Amt nieder.

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