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Haidhausen:Jetzt kann die Nonne Ruhe geben

Der Laden am Max-Weber-Platz ist seit Jahren ungenutzt.

(Foto: Robert Haas)
  • Mit Plakaten machte die Betreiberin der Kloster-Apotheke am Max-Weber-Platz auf den Leerstand des Ladens auf der gegenüberliegenden Straßenseite aufmerksam.
  • Nun hat die Erzdiözese München, der die Immobilie gehört, einen Mietvertrag mit der Bäckereikette Wimmer unterschrieben.
  • Die Apothekerin versteht sich mit ihren Plakaten als Sprachrohr der umliegenden Geschäfte und der Haidhauser.

Sie sei es nicht gewesen, sagt Sonja Hölzer, Betreiberin der Kloster-Apotheke am Max-Weber-Platz. Sie meint damit die Plakate, die in der Nacht auf Montag in die Schaufenster des ehemaligen Foto Modl geklebt worden sind. Darauf war appetitliches Obst, Fleisch und Gemüse zu sehen, wie es sonst in Werbeprospekten glänzt. In großen Buchstaben war zu lesen: "Das könnte hier schon sein". Den nächtlichen Plakatierern dauert der seit Anfang 2016 andauernde Leerstand offensichtlich viel zu lang.

Das muss "der Haidhauser Untergrund gewesen sein", sagt Hölzer. Bisher hatte sie das Vorrecht auf plakatives Anprangern des Leerstands auf der anderen Straßenseite. Schon mehrmals hat sie mit provokant-humorvollen Plakaten in ihrem Schaufenster auf den andauernden Leerstand hingewiesen. Am Freitag hat die Erzdiözese München nun einen Mietvertrag mit der Bäckereikette Wimmer unterschrieben. Wenn alles glatt laufe, so eine Sprecherin der Erzdiözese, könne die Bäckerei Anfang kommenden Jahres dort eröffnen.

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"Das wäre schön", sagt Hölzer und schlägt ihre Hände vor ihrer Brust zusammen - Albrecht Dürers betende Hände kommen einem in den Sinn. Nur, das mit dem Glauben an die Erzdiözese ist bei ihr so eine Sache. "Man darf nicht jedem glauben", mahnt seit Kurzem ein neues Plakat im Schaufenster der Klosterapotheke am Max-Weber-Platz. Dazu hält eine junge Frau im Nonnengewand ein Kruzifix in der Hand, um das sich eine Schlange windet.

"Ich wollte damit bewusst provozieren", sagt Hölzer. Sie versteht sich mit ihren Plakaten als Sprachrohr der umliegenden Geschäfte und der Haidhauser. In einem Viertel, wo um jeden Quadratmeter Kämpfe ausgetragen werden - egal, ob es um bezahlbaren Wohnraum, Parks oder Ladenfläche geht -, führt so ein nichtgenutztes Geschäft eben zu einem "gewissen Zorn", sagt Hölzer. Sie sei häufig auf die nicht genutzte Fläche angesprochen worden, von Kunden und anderen Ladenbetreibern. "Das ist eben ein sehr familiärer Platz mit richtigem Dorfleben."

Besonders stört Hölzer das "vatikanische Schweigen" der Erzdiözese. Wenn die Stadt einen Meter Straße aufreiße, stehe da doch auch ein Schild, das erklärt, was dort passieren soll. Die Schaufenster des ehemaligen Foto Modl dagegen sind mit weißen Planen abgehängt. Auf Augenhöhe sind nur abweisende Blätter im DIN-A-4-Format zu sehen. "Laden nicht zu vermieten" und "Bekleben verboten. Zuwiderhandlungen werden zur Anzeige gebracht", steht da. Diese Art der Kommunikation findet Hölzer so "vatikanisch". Abweisend wirkt das auf sie, wie eine Mauer. "So lassen wir uns hier in Haidhausen nicht behandeln", erklärt Hölzer, von der Kirche ja schon gleich dreimal nicht. Ganz wichtig ist ihr dabei, dass Humor bei ihren Plakaten mitschwingt. Den vermisst sie bei der Kirche ohnehin.

Vor knapp einem Jahr begann das Plakat-Ping-Pong am Max-Weber-Platz. Damals hängte Hölzer die erste Nonne in ihr Schaufenster. Die guckte grimmig, streckte den Zeigefinger aus und forderte die Kirche auf, den Leerstand zu beenden. Diese konterte augenzwinkernd mit einem eigenen Plakat, auf dem eine Apothekerin zu sehen war. Sie versprach, dass von Frühjahr 2019 an saniert und anschließend sofort vermietet werde.

Auch der Bezirksausschuss schaltete sich ein und forderte, den Leerstand schnell zu beenden. Den bisher letzten Vorstoß dazu gab es in der Juli-Sitzung. Allerdings zog die CSU ihren Antrag doch wieder zurück. Denn die Lokalpolitiker hatten mitbekommen, dass sich im ehemaligen Foto Modl etwas tut. Wenn auch nicht so schnell wie zuletzt gedacht, als die Kirche ehrgeizig ankündigte, in diesem Sommer mit der Sanierung fertig zu sein.

Nun heißt es dazu: "Im Laufe des Jahres" werde man wohl fertig. Grundlos hat sich die Wiedereröffnung allerdings nicht verzögert, betont die Erzdiözese. Vielmehr habe sich wegen der jahrelangen Vermietung vieles angestaut, was nun für die Instandhaltung nötig sei, sagt Erzdiözesen-Sprecher Christoph Kappes. "Im Keller wurden außerdem erhebliche Feuchtigkeitsschäden mit Versalzungen vorgefunden." Alles in allem habe sich der ehemalige Foto Modl zu einem "äußerst komplexen Sanierungsprojekt" entwickelt. Außerdem ordnete die Erzdiözese im Frühjahr 2016 - kurz nachdem beim Modl die letzte Kamera über die Theke gegangen war - interne Zuständigkeiten und Bauprozesse neu. Laut Kappes war das ein weiterer Grund für die zeitliche Verzögerung.

"Seit Jahresbeginn laufen Abbrucharbeiten in dem Gebäude", berichtet Kappes. Zudem will die Diözese die ursprünglich zwei Gewerbeflächen zu einer zusammenführen, was einen Bauantrag erfordere. Wie schlimm die Feuchtigkeit im Keller ist, sollen Messungen feststellen. "Auf deren Grundlage muss über den Einbau einer zusätzlichen Lüftungs-/Heizungsanlage entschieden werden." Am Ende wird die Erzdiözese wohl mehr als 500 000 Euro in die Sanierung gesteckt haben, damit rechnet Kappes.

Wenn das alles so kommt, "machen wir vielleicht ein Bürgerfest", sagt Hölzer. Und wenn nicht? Wer weiß, was Hölzer als nächstes Plakatmotiv in ihr Schaufenster hängt.