Ausschreibung zum Großmarkthallen-Bau:Wie es mit Münchens größtem Marktplatz weitergeht

Ausschreibung zum Großmarkthallen-Bau: Der Bau der Großmarkthalle soll nun europaweit ausgeschrieben werden.

Der Bau der Großmarkthalle soll nun europaweit ausgeschrieben werden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Nach intensiver Debatte entscheidet sich der Stadtrat, für den Bau der Großmarkthalle europaweit nach Partnern zu suchen. Das Projekt, das längst schon fertig sein sollte, verzögert sich damit erneut.

Von Anna Hoben

In der mittlerweile nahezu unendlich erscheinenden Geschichte um eine neue Großmarkthalle ist ein neues Kapitel aufgeschlagen: Der Stadtrat hat am Mittwoch mit großer Mehrheit beschlossen, das seit vielen Jahren diskutierte Großprojekt in Sendling europaweit auszuschreiben. Dieser Schritt war gemäß einer nicht-öffentlichen Beschlussvorlage des Kommunalreferats nach einem Rechtsgutachten nötig geworden. Mit den neuen Entwicklungen wird sich der Fortgang erneut um Monate verzögern. Der Stadtrat hält jedoch daran fest, dass das Projekt 2030 fertig sein soll.

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(Foto: SZ-Karte:Hosse/Mapcreator.io)

Im vergangenen November war die Büschl-Unternehmensgruppe beim bisherigen Investor Umschlagzentrum Großmarkt (UGM) eingestiegen und hatte ihre Pläne für das Areal vorgestellt. Diese beinhalten neben der neuen Großmarkthalle auch den Bau von Wohnungen und Büros. Eine Direktvergabe an den Investor ist jedoch nach der neuen rechtlichen Bewertung nicht mehr möglich.

Die Büschl-Gruppe könnte trotzdem einen Startvorteil haben, weil sich der Stadtrat ein Konzept mit Wohnungen wünscht. Die Ausschreibung sei aber "nicht auf eine Person zugeschnitten", sagte Stadträtin Kathrin Abele (SPD). Es könnten sich andere Bewerber beteiligen, alles sei offen. Zuletzt hatten die Stadtwerke als städtische Tochtergesellschaft Interesse an dem Areal angemeldet.

Das wichtigste Ziel sei, dass der Großmarkt in München bleibe, sagte Abele. Es müsse nun vorwärts gehen, "es ist keine Zeit mehr, alles umzuschmeißen". Ähnlich hatte sich zuvor Grünen-Fraktionschefin Anna Hanusch geäußert. 2030 als Zielmarke sei "sehr ambitioniert", es habe keinen Sinn, jetzt nochmal umzuschwenken. "Ich hoffe, wir finden eine gute Konstruktion, das dann auch in einer Partnerschaft umzusetzen."

Auch Alexander Reissl (CSU) sagte, er sei froh, dass der vor fünf Jahren eingeschlagene Weg fortgesetzt werde. Den grundsätzlichen Kurswechsel zu einem Investorenmodell hatte er vor seinem Wechsel zur CSU noch als SPD-Fraktionschef mitbeschlossen.

Unter den Händlern war zuletzt Unverständnis über das Vorgehen der Stadt laut geworden. "Wenn sich abzeichnet, dass es mit dem neuen Großmarkt in München bis 2030 nichts wird, dann müssen wir uns in näherer Zukunft wieder nach einem Standort außerhalb der Stadtgrenzen umschauen", so hatte sich Günther Warchola, Präsident des Bayerischen Fruchthandelsverbandes, zitieren lassen.

Einfach eine Halle für Lebensmittel. Wenn es so einfach wäre

Die Händler könnten sich einen Neubau durch die Stadt gut vorstellen. So hatte es diese ursprünglich einmal geplant. Dass die Stadt zu diesem Plan zurückkehrt und selbst baut, das forderten die Oppositionsfraktionen Die Linke/Die Partei und ÖDP/München-Liste in einem gemeinsamen Änderungsantrag.

"Wenn man sich in eine Sackgasse manövriert, sollte man wenden und nicht darüber hinausfahren", sagte Linken-Fraktionschef Stefan Jagel. Die Stadt müsse das Projekt wieder komplett in die Hand nehmen, erst den Großmarkt bauen und sich später dem Wohnungsbau auf dem Gelände widmen. Die städtischen Planungen aufzugeben sei ein "fataler Fehler" gewesen. Die Stadt hätte viel mehr Einfluss auf die Mietpreise der dort entstehenden Wohnungen, wenn sie selber bauen würde, so Jagel.

Nicola Holtmann (ÖDP) stimmte grundsätzlich zu, wollte die Stadt aber nicht in einer "Sackgasse" sehen, sondern an einer "Weggabbelung". Schließlich sei man wieder "bei Null, da, wo wir vor fünf Jahren auch schon waren". Eine Investorenlösung lehne ihre Fraktion auch deshalb ab, weil diese die Großmarkthalle zur Nebensache mache. Es gehe dann vor allem um Büros und Wohnungen. München brauche aber "kein Investorenprojekt, sondern einfach nur eine Halle für Obst und Gemüse". Und die könne sie auch selbst stemmen, das sehe man an den realisierten Bauprojekten Volkstheater und Interims-Gasteig.

Richard Progl (Bayernpartei) erinnerte daran, dass die neue Großmarkthalle nach dem ursprünglichen Plan schon seit zweieinhalb Jahren fertig sein sollte. Mittlerweile fielen die Hallen fast auseinander, ihren Zustand bezeichnete er als "gemeingefährlich". Seine Fraktion FDP/Bayernpartei werde dennoch für die Beschlussvorlage des Kommunalreferats stimmen, "damit das Verfahren nicht wieder gestoppt wird".

Gemeingefährlich? Da gehen die Meinungen auseinander

Vehementer Widerspruch kam von Alexander Reissl (CSU). Es habe "eine ganze Reihe von Sachgründen" gegeben, warum man damals die Vorlage des Kommunalreferats - also die Realisierung durch die Stadt - abgelehnt habe. Vor allem habe die Logistik der Halle nicht gestimmt.

Das unterstrich Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU). Der Stopp der eigenen Planungen sei richtig gewesen, "der damalige Eigenbau hat eine untaugliche Halle vorgesehen". Die Beschreibung des aktuellen Zustands der Hallen als "gemeingefährlich" wies sie zurück. Man müsse "einiges investieren", weil sie jahrzehntelang vernachlässigt worden seien, aber das Geld - 30 Millionen Euro kostet die Instandhaltung allein in den nächsten Jahren - sei "nicht verschwendet".

Wegen des Denkmalschutzes würden die Hallen erhalten bleiben, wenn auch irgendwann mit anderer Nutzung. Die Stadt hätte wesentlich früher einen Erbbaurechtsvertrag abschließen wollen, so Frank; dass wegen der Corona-Pandemie der Investor nochmals intensiver nachgedacht habe, sei aber "nachvollziehbar".

Die Ausschreibung könne nun "ab morgen live gehen", so die Kommunalreferentin, so dass man vor der Sommerpause wisse, "was der Markt hergibt". Dann kann in Sachen Großmarkthalle das nächste Kapitel geschrieben werden.

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