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Naturschutz:Die Wirkung der Baumhäuser im "Kasti"

Im Forst Kasten wurden am Dienstagnachmittag Transparente und Baumhäuser in die Wipfel gehängt.

Im Forst Kasten wurden am Dienstagnachmittag Transparente und Baumhäuser in die Wipfel gehängt.

(Foto: Florian Peljak)

Um eine Rodung zu verhindern, steigen Aktivisten auf Bäume im Forst Kasten. Es ist der letzte Versuch, die Spielregeln zu ändern - und rechtswidrig, aber clever.

Kommentar von Jakob Wetzel

Natürlich sind sofort die Bilder da. Baumhäuser in 20 Metern Höhe. Handgreiflichkeiten zwischen Klimaschutz-Aktivistinnen und Polizisten. Steinwürfe auf Beamte. Der Sturz eines Aktivisten durch eine morsche Hängebrücke in den Tod. Es ist nur wenige Monate her, dass die hessische Polizei Besetzer aus dem Dannenröder Wald gezerrt hat, und erst wenige Jahre, dass in Nordrhein-Westfalen der Hambacher Forst geräumt worden ist.

Nun sind Aktivisten im Forst Kasten auf Bäume gestiegen, um eine Rodung zu verhindern. Am Donnerstag fällt eine Entscheidung im Stadtrat, wie es mit dem Forst weitergehen soll. Die Aktivisten hätten gar nicht unbedingt von einem "Hambi in München" sprechen oder gar den Spitznamen "Kasti" erfinden müssen. Die Bilder sind mächtig genug.

Natürlich gibt es große Unterschiede. Der Hambacher Forst steht dem Stromkonzern RWE im Weg, der Braunkohle abbauen will. Die Bäume im Dannenröder Forst waren ein Hindernis für einen Autobahn-Bau. Auf dem Gebiet des Forst Kasten dagegen soll Kies abgebaut werden, um eine Stiftung zu finanzieren, die ein Altenheim betreibt. Dafür sollen 9,5 Hektar Forst gerodet werden, das ist ein Bruchteil der Fläche, um die es woanders ging.

Doch der Grundkonflikt ist derselbe: Hier stehen der Klimaschutz und der Umstand, dass es in der Klimakrise schwer zu verantworten ist, Tausende Bäume zu fällen. Dort stehen die legitimen wirtschaftlichen Interessen der Stiftung - und nicht weniger als der Rechtsstaat. Wie bei der Rodung des Dannenröder Walds beteuern die Verantwortlichen, die Entscheidung sei gefallen, leider, nun müsse man sich an die Verträge halten.

Eine Baumbesetzung ist da der letzte Versuch, die Spielregeln zu ändern. Die Aktivisten wollen die Kosten der Rodung in die Höhe treiben, um den Stadtrat zum Einlenken zu zwingen. Und sie erzeugen womöglich Bilder: von Baumhäusern und Aktivisten, die verhindern wollen, dass Bäume gefällt werden. Das ist rechtswidrig, aber clever. In einer Zeit, in der die Klimakrise in die Debatte zurückkehrt, können solche Bilder weder den Grünen noch der SPD gefallen, die im Rathaus regieren. Sie können auch Markus Söder (CSU) nicht gefallen, der sich dabei fotografieren ließ, wie er einen Baum umarmt. Auch wenn er im Herbst nicht als Kanzlerkandidat antritt: Bilder einer Räumung wären Gift an der Urne.

© SZ vom 19.05.2021/van, wean
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