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Corona:So läuft die Ausstellung der digitalen Impfnachweise ab

Corona-Impfung: Digitaler Impfausweis in der Apotheke

Der digitale Impfnachweis ist für den Geimpften kostenlos, die Apotheke bekommt dafür 18 Euro vom Bund erstattet.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Etwa 240 Apotheken in München bieten den digitalisierten Pass an - und der Andrang ist groß. Aber woher weiß der Apotheker, ob der Stempel im gelben Heft echt ist? Und welche Lösung gibt es für Genesene?

Von Ekaterina Kel

Am Ladenfenster klebt schon der Zettel mit dem neuen Hinweis: "Wir digitalisieren Ihren Impfpass". Die Humboldt-Apotheke an der gleichnamigen Straße, die die Au von Untergiesing trennt, stellt Geimpften von diesem Montag an ein digitales Impfzertifikat aus. Wenn ein Kunde mit einem gelben Impfbuch und einem vollständigen Corona-Impfschutz hereinkommt, fragt das Team nach einem Ausweis und trägt dann die Impf-Daten in ein spezielles Portal ein, das mit dem Robert-Koch-Institut verbunden ist.

Anschließend wird ein QR-Code ausgedruckt, den der Kunde in der Corona-Warn- oder in der Covpass-App einscannen kann. Danach kann er papierlos seinen Impfstatus nachweisen. Dieser Service ist für ihn kostenlos, die Apotheke bekommt dafür 18 Euro vom Bund erstattet.

Das Interesse sei direkt am Morgen groß gewesen, berichtet Inhaber Peter Schmitt. Aber händelbar: "Wenn sie nacheinander kommen, ist das alles kein Problem." Die Ausstellung der QR-Codes funktioniere recht reibungslos. Schmitts Apotheke ist eine von Hunderten in München, die von nun an diesen Service anbieten. Eine Übersicht findet sich auf der Seite mein-apothekenmanager.de.

Eine genaue Anzahl der Apotheken, die diesen Service bieten, lässt sich laut dem Bayerischen Apothekerverband nicht nennen. Von den insgesamt 350 Apotheken in München würden aber etwa zwei Drittel, also gut 240, mitmachen. Und da das Interesse "riesig" sei, würden sich vermutlich im Laufe der Zeit noch weitere Apotheken beteiligen, so eine Verbandssprecherin.

Für jeden ausgedruckten QR-Code erstattet der Bund 18 Euro

Und woher weiß der Apotheker, ob der Arztstempel im gelben Impfpass echt ist? "Wir kennen ja unsere Leute", sagt Schmitt. Richtig kontrollieren lasse sich das aber nicht. "Wir sind ja kein Polizeirevier." Zumal die Papierbüchlein sehr leicht zu fälschen seien. Einen Sonderfall stellen außerdem die Genesenen dar, die nur eine Impfung brauchen - die ließen sich bisher nicht in das Portal eintragen, heißt es aus Apotheken. Jedoch rechne man mit einer schnellen technischen Lösung.

Das städtische Impfzentrum in Riem stellt die Zertifikate bereits seit Ende vergangener Woche aus. Allerdings bisher nur für Personen, die gerade aktuell ihre zweite Impfung dort erhalten. Für Personen, die bereits früher vollständig geimpft worden sind, sei dies "derzeit softwaretechnisch nicht möglich", heißt es von der Stadt. Der Freistaat arbeite aber an einem Verfahren, um künftig die digitalen Zertifikate auch online oder per Telefon anfordern und per Post oder E-Mail erhalten zu können.

In Arztpraxen gibt es ebenfalls wohl noch Startschwierigkeiten. Da die Praxen verschiedene Softwaresysteme nutzen, warten viele noch auf das nächste Update, bevor sie ihren geimpften Patienten diesen Service anbieten können. Der Wunsch danach ist zumindest bei den Patienten groß: "Wir werden mit Anfragen zugeschüttet", sagt Philipp Gross von der Hausarztpraxis am Baldeplatz. "Aber wir sind noch nicht soweit".

Bei ihm in der Praxis wird viel geimpft, der Hausarzt fürchtet einen "erheblichen Mehraufwand", falls man am Ende die Daten von jedem einzelnen Patienten händisch irgendwo eintragen müsste. Er hofft auf eine technische Lösung, die nur einen Klick und ein weiteres Dokument zum Ausdrucken erfordert. Er erinnert auch daran, dass der digitale Impfnachweis bloß "ein Angebot und keine Pflicht" sei. Der gelbe Impfausweis sei weiterhin völlig ausreichend - und oberste Priorität habe bei ihm nach wie vor die Impfung selbst.

So versucht auch die Stadt München mit mobilen Impfteams besonders gefährdete Gruppen zu erreichen. Vergangene Woche sind in zwei Sonderaktionen mehr als 880 Gäste der Münchner Tafel sowie 405 Menschen im Bezirk Neuaubing mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson versorgt worden.

© SZ vom 15.06.2021/tpa, van
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