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Corona-Pandemie:Was Sie zum Start des digitalen Impfpasses wissen müssen

Wer gegen das Coronavirus immunisiert wurde, kann das künftig auch mit dem Handy nachweisen. Wie funktioniert das? Und woher bekommt man das Zertifikat? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Kassian Stroh

Seit einem halben Jahr wird in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft, und jetzt lässt sich das auch auf dem Handy nachweisen: Deutschland hat den digitalen Corona-Impfpass in Betrieb genommen. So muss, wer etwa bei einem Theaterbesuch oder einer Reise nachweisen will, dass er geimpft ist, nicht mehr sein gelbes Papierheft mitnehmen oder die Bestätigung seines Gesundheitsamtes, dass er bereits Corona hatte. Bis Ende Juni könnten alle Praxen und Impfzentren die neuen Zertifikate ausstellen, hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt; von diesem Montag, 14. Juni, an ist das auch in den Apotheken möglich. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen:

Wer bekommt den Impfnachweis und wie?

Jeder, der vollständig geimpft ist, in der Regel also zwei Dosen bekommen hat - das ist inzwischen mehr als jeder vierte Mensch in Deutschland. Und jeder, der eine Corona-Infektion durchgemacht hat und mittels PCR-Testergebnis seine Genesung nachweist. Das digitale Zertifikat für Geimpfte und Genesene soll künftig dort erstellt werden, wo geimpft wird - also in einer Arztpraxis oder einem Impfzentrum. Wer die zweite Spritze schon erhalten hat und den Digitalpass nachträglich braucht, soll sein Zertifikat entweder in den kommenden Wochen vom Impfzentrum zugeschickt bekommen oder in einer Apotheke erhalten können, wenn er dort sein gelbes Impfheft vorlegt. Eine Übersicht, wer diesen Service anbietet, bietet die Internetseite mein-apothekenmanager.de. Gültig wird der Nachweis zwei Wochen nach der letzten Impfung, weil dann der Schutz vollständig ist.

Wie funktioniert der digitale Impfpass?

Geimpfte bekommen ein sogenanntes Corona-Impfzertifikat auf Papier; dieses enthält auch einen QR-Code. Den scannen sie ein und übertragen die Information damit in eine App. Derzeit stehen dafür zwei zur Auswahl: Die neue App Covpass, die nur zu diesem Zweck entwickelt wurde, oder die Corona-Warn-App des Bundes, wenn man die aktuellste Version installiert hat. Beide Apps laufen auf allen aktuellen Android- und iOS-Smartphones und sind kostenlos. Auch aktuelle Corona-Tests lassen sich dort hinterlegen. Bald soll zudem die App Luca den digitalen Nachweis bieten.

Wenn man nun irgendwo seinen Schutz nachweisen will, zückt man sein Handy und lässt vom Bildschirm einen speziellen QR-Code abscannen (so wie bei der Handyticket-Kontrolle in der Bahn). Dafür hat der Kontrolleur eine eigene Prüf-App auf seinem Gerät und bekommt dann in Grün oder Rot angezeigt, ob das Zertifikat gültig ist - sowie Name und Geburtsdatum, um womöglich den Personalausweis zu kontrollieren. Den muss man also auch dabeihaben. So soll Missbrauch vermieden werden.

Was kostet der digitale Impfpass?

Laut Bundesgesundheitsministerium ist das Angebot für die Geimpften kostenlos. Aber natürlich bekommen zum Beispiel die Apotheken Geld für den Aufwand der Ausstellung - jeweils 18 Euro sollen es für jeden digitalen Nachweis sein.

Muss ich den digitalen Impfausweis nutzen?

Nein. Er ist ein Zusatzangebot. Eine Impfung lässt sich auch weiterhin durch den herkömmlichen gelben Impfpass belegen oder das neue Corona-Impfzertifikat auf Papier.

Wann geht es wirklich los?

Dass das Projekt vergangene Woche von Bundesgesundheitsminister Spahn gestartet wurde, heißt noch nicht, dass ab sofort alle Geimpften auch den Nachweis bekommen und nutzen können. "Es geht jetzt los, Schritt für Schritt", sagte Spahn am Donnerstag. Es werde etwas dauern, bis alle Praxen oder Impfzentren die Voraussetzungen dafür geschaffen haben. Das soll laut Spahn bis Ende des Monats abgeschlossen sein. Und laut Deutschem Apothekerverband bieten nicht alle Apotheken von Anfang an die nachträgliche Dokumentation an.

Was wird in dem neuen Ausweis gespeichert?

Laut Robert-Koch-Institut enthält das Zertifikat Informationen zu Impfstatus, Impfdatum und Impfstoff sowie den Namen und das Geburtsdatum. Diese Daten werden lokal auf dem Handy gespeichert, nicht zentral auf einem Server (weshalb man sie auch selber wieder löschen könnte). In Deutschland gibt es für Impfungen kein zentrales Register; und da man keine Verbindung zu einem Server braucht, kann man den digitalen Impfpass auch ohne Handyempfang, Wlan- oder Datenverbindung vorlegen. Das Impfzertifikat lässt sich auch auf mehrere Handys übertragen - etwa wenn man zwei Geräte nutzt oder eines verloren hat.

Wie sicher ist der neue Impfpass?

Da die Daten nur lokal und nicht zentral gespeichert werden, ist die Missbrauchsgefahr gering - sofern die Identität der jeweiligen Person überprüft wird, etwa indem sie einen Personalausweis oder Pass vorlegt. Andernfalls könnten mehrere Menschen mit ein und demselben Zertifikat durch die Gegend laufen. Das Problem ist vermutlich eher, dass der herkömmliche Papier-Impfpass relativ leicht zu fälschen ist, was trotz der hohen Strafen, die darauf stehen, vielfach auch passiert. Wenn nun jemand mit einem solchen falschen Pass in die Apotheke kommt, um sich ein Zertifikat für den digitalen Impfpass ausstellen zu lassen, dann muss der Apotheker über die Echtheit entscheiden - "nach fachlicher Augenscheinkontrolle", wie Gesundheitsminister Spahn sagt, der Irrtümer aber "nicht zu 100 Prozent ausschließen" will. Die Apotheker wiederum sehen sich gerüstet: "Jede Apotheke muss jeden Tag 100 oder mehr Rezepte auf ihre Echtheit prüfen", sagt Christian Splett von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. "Apotheker trauen sich daher zu, auch Impfausweise zu prüfen."

Was hat das alles mit dem digitalen Impfnachweis zu tun, den die EU seit Jahresbeginn entwickelt?

Sehr viel. Das neue Zertifikat erfüllt laut Ministerium "von vornherein" alle Anforderungen der EU. Die Mitgliedsstaaten und das Europaparlament haben sich auf die Details eines europaweiten Covid-19-Zertifikats geeinigt, das somit nicht zuletzt Reisen deutlich erleichtern soll. Das hat einige Zeit gedauert, da man sich bei diesem Projekt nicht nur politisch einigen, sondern auch eine einheitliche technische Umsetzung finden musste. Das Parlament hat die europaweiten Vorgaben am vergangenen Mittwoch gebilligt; offiziell müssen nun noch die einzelnen Mitgliedsstaaten zustimmen. Im Vorgriff darauf ist der digitale Impfnachweis in Deutschland nun bereits gestartet, im Testbetrieb lief er seit Ende Mai.

© SZ/kml/sks
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