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Schule in Corona-Zeiten:Eltern und Kinder protestieren vor der Staatskanzlei

Genug vom Homeschooling: Schüler und Eltern fordern die Öffnung der Schulen in Bayern, wenn die Inzidenz unter 165 liegt.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Ich bin kein Screenager". Bei einer Demo vor der bayerischen Staatskanzlei fordern etwa 200 Teilnehmer, dass Schüler wieder in die Schulen dürfen und der Distanzunterricht ein Ende hat.

Von Sabine Buchwald

Ministerpräsident Markus Söder und seinem Kabinett sollten die Ohren klingen. Das war das Ziel, als um 10.15 Uhr die Menschenmenge vor der Staatskanzlei anfing zu brüllen. Die gut 200 Demonstranten, darunter viele Kinder, machten Minuten lang einen Höllenlärm - trotz ihrer Masken. Sie hatten sich versammelt, um die hier tagenden Politiker auf sich und ihr Anliegen aufmerksam zu machen: Die Schüler sollen wieder in die Schulen, der Distanzunterricht soll ein Ende haben und Bayern nicht länger ausscheren vom bundeseinheitlichen Weg. Einige Teilnehmer hielten Plakate in die Luft mit Sprüchen wie: "Schule nur online ist gemein" oder "Ich bin kein Screenager". Die Sehnsucht nach Schule scheint groß zu sein.

"#165" ist das Motto der Demo, das auf den Inzidenzwert von 165 hinweist, bis zu dem Schulen bundesweit geöffnet bleiben sollen. Im Freistaat aber werden Schüler, mit Ausnahme der Abschlussklassen derzeit bereits ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 in den Distanzunterricht geschickt - die Staatsregierung bekräftigte am Dienstag noch einmal, dass es bei dieser strengeren Regel für die Öffnung der Schulen bleiben werde. Zum Missfallen der Demonstranten: "Wir sind an einem Punkt, an dem wir etwas tun müssen", sagt Verena Matzner, Mutter von drei Kindern.

Innerhalb von drei Tagen hat sie die Demonstration auf die Beine gestellt. "Wir wollen in keiner Weise mit Corona-Leugnern und Querdenkern in einer Reihe stehen", betont sie. Aber man dürfe ihnen nicht allein die Straße überlassen.

In diesem Sinne bekam die Sprecherin der Initiative "Kids4school" Unterstützung von Benjamin David, dem Chef der Urbanauten. Er wiederum konnte Ecco Meineke und sein Jazzquartett für die Aktion gewinnen. Als Meinecke kurz die Bühne in eigener Sache nutzte und erzählte, dass er Hartz IV beziehe und dringend eine neue Wohnung suche, wird klar: Familien leiden unter der Situation, aber auch die Kulturschaffenden.

Als Redner traten der ehemalige Kunst- und Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) sowie Martin Hagen, Fraktionsvorsitzender der Landtags-FDP auf. Für ihn sei der Lockdown ein Verbrechen an den Kindern, vor allem an denjenigen aus nicht so privilegierten Familien, sagte er. Heubisch wiederum verwies auf das Grundrecht auf Bildung und die in Berlin beschlossenen einheitlichen Corona-Regeln: Der bayerische Sonderweg sei doch "ein Witz".

© SZ vom 28.04.2021/infu, van
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