Kritik:Hochglanzworte

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Kritik: Das Worte so inhaltsleer wie Seifenblasen sein können, zeigt die Inszenierung "Der schwarze Stein" am Dasvinzenz.

Das Worte so inhaltsleer wie Seifenblasen sein können, zeigt die Inszenierung "Der schwarze Stein" am Dasvinzenz.

(Foto: Hannes Rohrer)

In der Uraufführung "Der schwarze Stein" nimmt das Theater Dasvinzenz die Platituden der Werbesprache auseinander.

Von Yvonne Poppek, München

Dieser Clip traf einen Nerv. Ende 2021 brachte die Supermarkt-Kette Penny einen Kurzfilm heraus, in dem sich Mutter und Sohn nachts am Küchentisch treffen und er sie fragt: "Mama, was wünschst Du Dir eigentlich zu Weihnachten?" Mama wünscht sich ein normales Teenager-Leben für ihren Jungen, das sieht man in kleinen, emotionsaufgeladenen Szenen ablaufen. Es soll sein wie vor der Pandemie. Mehr als 17 Millionen Mal wurde das Video auf Youtube mittlerweile geklickt. Trotzdem: Hört man nur auf die paar Sätze, die gesprochen werden, lässt sich deren Dürftigkeit kaum ausblenden. Sprachlich gesehen: minimaler Einsatz, maximale Wirkung.

Dieses nicht ganz überraschende Prinzip von Werbung nimmt das Theater Dasvinzenz nun in seiner Uraufführung "Der schwarze Stein" auseinander. Cornelia Maschner hat den Abend erdacht und in der Ausweichspielstätte Mucca inszeniert. Die Regisseurin hat ein Händchen dafür, Dinge ins Absurde weiterzudrehen. Das hatte sie beispielsweise mit ihrem im Lockdown entstandenen Stream "Retnecboj" gezeigt. Ging es damals um sozialen Missstand, geht es jetzt um Werbung und Influencer. Dafür hat sie die erfolgreichsten Kampagnen der vergangenen 30 Jahre gefiltert - unter anderem auch die von Penny - und deren Sprüche in ihr Textbuch geschrieben. Das hat die erstaunliche Wirkung, dass inhaltlich eigentlich nichts Nennenswertes passiert, der Wiedererkennungswert der Satzschnipsel aber enorm hoch ist.

Der ganze Abend läuft übertourig. Die sechs Schauspieler (Monika Maria Herzing, Almut Kohnle, Martina Kundinger, Victor Natus, Marie Scholz und Janina Voss) sind nah an die Zuschauer herangerückt, queren auf Laufstegen den Raum, rattern Werbeslogans herunter, spielen Influencer, laut, schnell, aufgedreht. Sie funktionieren wie Hochglanzwerbung, die ihrem Betrachter auch immer auf die Pelle rücken muss. Figurentiefe oder Stringenz in der Handlung sind da nicht zu erwarten, es geht ja um Nonsens. Erkenntnisgewinn? Kleine Torte, statt vieler Worte.

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