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Coronavirus:Die Krankenhäuser füllen sich

Ein Bild aus dem Dezember von der Corona-Intensivstation in der München Klinik Schwabing - auf dem Vorweihnachtsniveau sei man trotz steigender Patientenzahlen derzeit nicht.

Ein Bild aus dem Dezember von der Corona-Intensivstation in der München Klinik Schwabing - auf dem Vorweihnachtsniveau sei man trotz steigender Patientenzahlen in den meisten Krankenhäusern derzeit nicht.

(Foto: Florian Peljak)

Die Zahl der Patienten, die in München wegen Covid-Symptomen behandelt werden müssen, steigt seit Wochen stetig an. Kliniken beobachten in der dritten Welle teils jüngere Patienten, teils schwerere Verläufe.

Von Ekaterina Kel

Die Kurve der Covid-19-Patienten in München spiegelt die Situation in den Krankenhäusern wider, wie sie im ganzen Land zu beobachten ist: Seit Ende Februar werden stetig mehr Menschen mit Covid 19 im Krankenhaus behandelt. An diesem Dienstag liegen laut der städtischen Statistik 204 Patienten mit einer bestätigten Covid-19-Infektion in Münchens Krankenhäusern. Vor vier Wochen waren es noch 131 Patienten.

"Die Zahlen steigen nicht explosionsartig, aber es werden tendenziell immer mehr Patienten", beobachtet Anja Pürschel. Sie hat die ärztliche Leitung der Covid-Stationen am Helios Klinikum in Pasing inne. Im Moment lägen dort auf der Covid-Normalstation neun Patienten, auf der Intensivstation sechs. Man sei noch nicht auf dem Niveau um Weihnachten herum, sagt Pürschel. Doch die fordernde Pandemiesituation sei für die gesamte Belegschaft anstrengend - nach mehr als einem Jahr Ausnahmesituation. Die Arbeit mit Covid-19-Patienten fordere persönlich viel von den Mitarbeitern, nicht zuletzt, weil man mehr Zeit im Krankenhaus verbringt. Aber: "Wir wissen, wofür wir es tun", sagt die Medizinerin. Jeder, dem man helfen könne, erinnere einen daran, dass es jetzt wieder heißen muss, durchzuhalten.

Wie groß die Welle dieses Mal wird, was auf das Team von Anja Pürschel noch genau zukommt - das weiß im Moment keiner. "Wir können nur gucken, dass wir möglichst gut gewappnet sind." Und mehr Erfahrungen mit dem Virus habe man mittlerweile auch.

Eine Besonderheit fällt Pürschel in letzter Zeit häufiger auf: "Wir sehen nun auch mehr jüngere Patienten um die 60 im stationären Setting." Natürlich gebe es auch nach wie vor die ganz Alten mit Vorerkrankungen, aber der Trend gehe klar Richtung jüngere Menschen. Wie sie sich das erklärt? Schwer zu sagen, meint die leitende Oberärztin. Zum einen sei das Virus wohl einfach deutlich stärker im Umlauf und stecke deshalb auch mehr andere Personengruppen an. Zum anderen habe dies sicherlich auch mit den neuen Virus-Mutationen zu tun. Klar sei: "Die Verbreitung geht sehr schnell."

Bei der München Klinik ist die Lage weiter stabil: Die rund 50 Covid-19-Patienten, die man schon vor eineinhalb Wochen auf Stationen liegen hatte, werden auch an diesem Dienstag gezählt. Dafür hat man nun wieder an den vier Standorten in Schwabing, Harlaching, Bogenhausen und Neuperlach Corona-Stationen aufgebaut - "mit Blick auf möglicherweise steigende Zahlen", wie eine Sprecherin mitteilt. Und am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Nymphenburg ist die Lage auf der Intensivstation "seit Wochen auf einem hohem Niveau", berichtet der Oberarzt in der Klinik für Innere Medizin II, Frank Eberhardt. Auf der Covid-Normalstation befänden sich die Zahlen seit einigen Wochen wieder im Anstieg.

Derweil arbeitet am Klinikum rechts der Isar der Mediziner Georg Schmidt daran, den erkrankten Patienten zu Hause möglichst effektiv zu helfen. "Ich habe den Eindruck, dass in der gerade anlaufenden dritten Pandemiewelle der Anteil der Betroffenen mit schwerem Verlauf eher zunimmt", sagt er. Deshalb erprobt er einen Ohrsensor, mit dessen Hilfe Mediziner Körpertemperatur, Sauerstoffsättigung, Atemfrequenz und Puls eines Covid-19-Patienten zu Hause überwachen können, um zu erkennen, wann ein schwerer Verlauf eintritt. So können sie möglichst frühzeitig reagieren - und ihn oder sie ins Krankenhaus bringen.

© SZ vom 07.04.2021/wean
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