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Corona-Pandemie in München:Die Delta-Variante breitet sich rasant aus

Unerreichbare Herdenimmunität bei Corona?

Zahlreiche Menschen spazieren durch die Fußgängerzone in der Innenstadt. Die Inzidenz in der Stadt ist niedrig - aber die Delta-Variante nimmt zu.

(Foto: dpa)

Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek geht von einem Anteil von 25 Prozent aller Neuinfektionen aus. Im Stadtrat wachsen die Sorgen vor dem Herbst.

Von Ekaterina Kel

Auch in München ist die Delta-Variante von Sars-CoV-2 auf dem Vormarsch. Laut dem Labor von Becker & Kollegen, das unter anderem die Tests von der Theresienwiese auswertet, liegt der Anteil der zuerst in Indien entdeckten Mutation im Zeitraum von 14. bis 20. Juni bei 24,6 Prozent aller positiven PCR-Tests, die das Labor ausgewertet hat. In der Woche davor lag der Anteil laut dem Labor noch bei elf Prozent.

Dies berichtete zunächst die Apotheken-Umschau. Diese Zahlen zeigen mehr als eine Verdopplung innerhalb einer Woche, die leicht übersehen werden kann, da die Inzidenzen und somit auch die Ansteckungen insgesamt sinken. Und obwohl es nur ein Labor von vielen ist, das Münchner Proben auswertet, zeigen die Zahlen wohl einen richtigen Trend. So sagte auch Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD) im Gesundheitsausschuss am Donnerstag: "Wir gehen davon aus, dass die Delta-Variante mittlerweile bei 25 Prozent liegt". Der große Haken aber sei, dass man es im Moment nicht wirklich flächendeckend für alle positiven PCR-Tests in München belegen könne. "Wir müssen in gewisser Weise schätzen", so Zurek.

Der Grund: Mit derzeitigen Methoden seien die meisten Labore noch nicht in der Lage, die Delta-Variante schnell zu erkennen. Erst wenn man die Alpha-Variante, also die zunächst in Großbritannien entdeckte Mutation, ausgeschlossen habe, könne die Probe zur Genomsequenzierung geschickt werden. Und es dauere unter Umständen bis zu 14 Tage, bis das Ergebnis vorliege. Natürlich viel zu spät für eine solch rasante Verbreitung, wie die Zahlen des Labors Becker & Kollegen sie andeuten. Bereits im Frühjahr war dieses Labor überdies ebenfalls das erste, das auf die schnelle Ausbreitung der Alpha-Variante hingewiesen hatte. Es hatte relativ schnell Methoden angewandt, um mittels spezifischer PCR-Tests Mutationen an einzelnen Stellen des Virusgenoms nachzuweisen, ohne die gesamte Sequenzierung vornehmen zu müssen.

Die momentan etwas wackelige Datenlage in der Stadt bereitet einigen Stadträten Sorgen. So sagte Hannah Gerstenkorn von den Grünen, die Delta-Variante stimme sie "ungemütlich". Es sei höchste Zeit, an Konzepte zu denken, wie vor allem Kinder und Jugendliche unter zwölf Jahren, für die es noch keine Impfung gibt, vor Ansteckungen geschützt werden können. Hans Theiss von der CSU mahnte an, dass das Gesundheitsreferat die Entwicklung "unbedingt im Blick behalten" solle, besonders, wenn es Verdopplungen gebe. "Die Frage ist, ob wir uns in einer trügerischen Sicherheit Richtung Herbst bewegen", so Theiss. Schließlich wisse man erst dann wirklich, ob das "Impfbollwerk" wirklich halte. Der Leiter des Krisenstabs, Wolfgang Schäuble, hatte zuvor angemerkt, dass nach aktuellen Hochrechnungen im Laufe des Septembers etwa 75 Prozent der Münchner geimpft sein werden.

Zurek selbst äußerte sich ebenfalls kritisch darüber, dass man im Moment nicht Genaueres über die Ausbreitung der Mutante in München sagen kann. "Deshalb sehen wir die Lockerungen mit einem weinenden und einem lachenden Auge", so die Gesundheitsreferentin. Mehrere Stadträte äußerten daraufhin Bedenken, ob das Viertelfinale am 2. Juli wie geplant stattfinden sollte. Vor allem die anhaltende Missachtung der Maskenpflicht unter den Zuschauern sei bei solchen Menschenmengen gefährlich. "Der Veranstalter hat alles Mögliche getan", so Zurek. Es habe immer wieder Aufforderungen im Stadion gegeben, die Maske aufzusetzen, Helfer seien durch die Reihen gegangen. Man müsse einfach zur Kenntnis nehmen, dass das Durchsetzen der Maskenpflicht bei den Fußballspielen "so nicht möglich" sei. Dennoch: Am Ende sprachen sich mehrere Stadträte für das Spiel in München aus.

© SZ vom 25.06.2021/kafe, van
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