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München:Corona-Fälle in Schulen - ganze Klassen werden heimgeschickt

Erster Schultag in Bayern

Mit Mundschutz hinter dauergekippten Fenstern: So lernen derzeit die Schüler an vielen Münchner Schulen.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Der Inzidenzwert sinkt leicht, aber die Zahl der Schüler, die wegen Corona-Befunden nach Hause geschickt werden, steigt. OB Reiter will das Alkoholverbot auf die Theresienwiese ausweiten.

Von Jakob Wetzel

Sie hätten schon damit gerechnet, dass es an ihrer Schule Coronafälle geben könnte, aber dass es sie gleich derart ungünstig treffen würde, damit nicht, sagt Thomas Bednar, Direktor des Maximiliansgymnasiums an der Oettingenstraße. Am späten Freitagnachmittag hätten sie erfahren, dass nicht nur ein Schüler aus der neunten Klasse positiv auf das Coronavirus Sars-CoV-2 getestet wurde, sondern auch eine Sekretärin.

Und nun sei nicht nur die betroffene Schulklasse in Quarantäne, sondern auch das gesamte Sekretariat. Jetzt müsse man improvisieren: Bis womöglich eine Vertretung kommt, springen Lehrer ein, sitzen am Telefon und kümmern sich um die Anliegen der Schüler. Und die Neuntklässler erhielten nun Fernunterricht und Material über eine eigene Plattform, sagt Bednar. Das habe die Schule ja bereits eingeübt.

Die Schüler sind damit nicht alleine: Am Gisela-Gymnasium in Schwabing zum Beispiel hat es den gesamten Jahrgang Q12 getroffen. Gleich fünf Schüler sind dort positiv getestet worden; am Montagmorgen habe die Schule daher alle 143 Schülerinnen und Schüler des Abschlussjahrgangs nach Hause geschickt, sagt Schulleiter Christoph Pfaffendorf. Sie müssen sich auf das Virus testen lassen.

Die Schule habe glücklicherweise gute Kontakte zum Tropeninstitut der Ludwig-Maximilians-Universität. In den kommenden Tagen sind Sprechstunden mit Lehrern sowie Ärzten von dort eingerichtet worden, damit Schüler und Eltern Antworten auf ihre Fragen erhalten. Und bis Mittwoch dürfen nun auch die Jahrgänge elf und zehn im Schulhaus freiwillig Coronatests machen. "Wir haben das Gefühl, wir können alles bewältigen", sagt Pfaffendorf. "Aber wir hätten darauf verzichten können."

Es gibt noch weitere Fälle: Das Schuljahr ist erst eine Woche alt, doch an knapp zehn Schulen heißt es für einzelne Klassen schon wieder "Lernen daheim". Am Luitpold-Gymnasium im Lehel etwa wurde am Montag eine sechste Klasse nach Hause geschickt. Bereits in der vergangenen Woche waren an fünf Münchner Schulen einzelne Klassen vorübergehend geschlossen worden.

Verglichen mit der Situation im März, als wenig später bayernweit alle Schulen zugesperrt wurden, handelt es sich freilich um Einzelfälle. Mitte März waren alleine in München mehr als 50 Schulen vollständig geschlossen. Im Gegensatz dazu sind derzeit nicht nur weniger Schulen betroffen, sondern auch nur einzelne Jahrgangsstufen oder Klassen.

Auch der Sieben-Tage-Inzidenzwert ist zuletzt leicht zurückgegangen; am Freitag hatte er noch 46,08 betragen. Am Montag lag er bei 39,62. Ab einem Wert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner drohen geteilte Klassen und Fernunterricht in der Fläche. Doch auch wenn der Wert in den nächsten Tagen auf 50 oder mehr steigen sollte, bedeute das nicht automatisch, dass Kitas und Schulen schließen würden, betonte am Montag Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Der Krisenstab der Stadt sei sich einig, "weiter mit Augenmaß vorzugehen". Der Betrieb in Schulen und Kitas solle so weit wie möglich aufrechterhalten werden. "Mir ist bewusst, wie sehr gerade Familien unter der Situation leiden", sagte Reiter.

Wichtig sei, ob sich Infektionsketten nachvollziehen lassen, so der OB weiter. Das aber sei bei Schulen und Kindertagesstätten deutlich einfacher als bei Ansteckungen im öffentlichen Raum. Die Stadt hatte deshalb zuletzt ein Alkoholverbot für Freitag- und Samstagnacht auf fünf stark frequentierten Plätzen erlassen. Dasselbe werde für das kommende Wochenende gelten, sagte Reiter. Weiteren Handlungsbedarf sehe er aktuell jedoch nicht. Allerdings soll dieses Alkoholverbot womöglich auch für den kommenden Samstag auf der Theresienwiese gelten. Das werde geprüft, sagte Reiter.

Am Samstag, 19. September, hätte eigentlich das Oktoberfest beginnen sollen. In verschiedenen Gruppen in den sozialen Medien hätten sich deshalb bereits viele "Wiesn-Fans" zum Feiern auf der Theresienwiese verabredet, so Reiter. "Ich will vermeiden, dass die Wiesn-Partys dort zum neuen Corona-Hotspot werden." Im Rathaus hätten sie gar darüber diskutiert, die Theresienwiese am Wochenende komplett einzuzäunen, heißt es von den Grünen. Davon habe man aber wieder Abstand genommen: Es sei überzogen.

Die Rathaus-CSU will dennoch weiter gehen: Sie fordere für Samstag ein Betretungsverbot für die Theresienwiese, sagte Fraktionschef Manuel Pretzl. Ein Alkoholverbot greife nicht weit genug und sei schwer zu kontrollieren. Außerdem werde es "der Tradition der Wiesn nicht gerecht, wenn der eigentliche Anstich-Samstag zu einer halbscharigen Privatparty wird - egal ob mit oder ohne Alkohol".

© SZ.de/infu
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