Münchner Abiturienten:Picknick statt großer Party

Abiball

Abibälle und größere Feste für die Abiturienten wird es in diesem Jahr nicht geben (Archivbild).

(Foto: Jens Wolf/dpa)

Die Abifahrten wurden gestrichen, die Abistreiche auch - nun hoffen die Absolventen zumindest auf eine schöne Abschlussfeier. Doch die Corona-Regeln machen auch diese Planungen schwierig.

Von David Wünschel

Eigentlich hätte das letzte Schuljahr für Paulina Rosenow ein besonderes sein sollen. Den Flug nach Griechenland hatte sie schon gebucht. Doch die Abireise wurde abgesagt, später auch der Abistreich. Und Abipartys gab es sowieso keine. Auf all die Dinge, auf die Abiturienten sich normalerweise am meisten freuen, musste die 18-jährige Schülerin des Wilhelmsgymnasiums verzichten. Stattdessen hatte sie Homeschooling und Wechselunterricht. Viele ihrer Mitschüler hat Paulina Rosenow in den vergangenen Monaten kaum gesehen. "Da ist es wichtig, dass man ein Abschlussfest hat, bei dem alle dabei sind", sagt sie. "Das war ein Lichtblick während der Lernerei fürs Abitur."

Eine gebührende Feier nach zwölf Jahren auf der Schulbank: Das wünschen sich wohl die meisten Münchner Schülerinnen und Schüler, die dieses Jahr ihr Abitur machen. Doch aufgrund der Kontaktbeschränkungen sind Abibälle wie schon im vergangenen Jahr nicht erlaubt. Bei privaten Veranstaltungen im Freien dürfen aktuell bis zu 100 Personen zusammenkommen. Und die Abikassen sind leer, weil es kaum möglich war, sie durch Kuchenverkäufe oder Schulbasare aufzufüllen. Deshalb fallen die Feiern dieses Jahr deutlich kleiner aus als sonst; wenn sie denn überhaupt stattfinden. Paulina Rosenow und ihre Mitschüler haben noch keine festen Pläne, wollen sich aber vielleicht in einem Biergarten oder zu einem Picknick treffen.

Im Gegensatz zu privaten, von Schülern oder Eltern organisierten Abschlussfeiern sind bei den Zeugnisverleihungen am 16. Juli mehr als 100 Gäste erlaubt. Das geht aus einem Schreiben des bayerischen Kultusministeriums hervor, das an die Schulen geschickt wurde. Demzufolge soll es keine feste Personenobergrenze geben, solange die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Durch "kleinere musikalische Darbietungen" solle ein "gewisser feierlicher Rahmen" ermöglicht werden. Eine Bewirtung der Gäste ist bei den Zeugnisverleihungen laut dem Schreiben jedoch nicht erlaubt.

Am Wilhelmsgymnasium plant Schulleiter Michael Hotz nun eine Feier ohne Festmahl, aber mit vielen Ehrungen und Reden. Der Jahrgang besteht nur aus etwa 50 Schülern, daher kenne er alle persönlich, sagt Hotz. Und über jeden, der das Zeugnis in die Hand gedrückt bekommt, werde dann auch eine Anekdote aus der Schulzeit erzählt. Doch statt der üblichen 300 Gäste können dieses Jahr nur halb so viele zuhören; in der großen Schulaula haben wegen der Abstandsregeln etwa 150 Gäste Platz. "Wenn Oma und Opa auch unbedingt dabei sein wollen, streamen wir das in den Nebenraum", sagt Hotz. Nach dem offiziellen Teil wolle man dann auf dem Schulhof mit einem Glas Sekt anstoßen. "Die Schüler haben eine tolle Leistung vollbracht, da ist eine würdige Abiturfeier das Mindeste."

An den meisten anderen Gymnasien werden die Zeugnisverleihungen wohl ähnlich ablaufen. Das Maxgymnasium beispielsweise plant eine Feier im Pausenhof mit etwa 230 Gästen; falls das Wetter schlecht sein sollte, hat die Schule einen Saal gemietet. Das St.-Anna-Gymnasium hat den Jahrgang für die Zeugnisverleihung geteilt. Man wolle in Gruppen von etwa 150 Leuten feiern, sagt Schulleiterin Susanne Sütsch, und innerhalb der Gruppen "Dreierinselchen" bilden: jeweils ein Schüler und zwei Angehörige.

Die Abiturientinnen und Abiturienten des St.-Anna-Gymnasiums hatten eigentlich auch schon konkrete Pläne für eine eigene Feier gehabt. Frühere Jahrgänge hätten ihren Abiball oft in der Muffathalle gefeiert, sagt Celia Trauttmansdorff. Dieses Jahr wollte die 17-Jährige gemeinsam mit ihren Mitschülern alternativ ein kleines Fest im Pausenhof planen: einige Bierzeltgarnituren, indisches Catering, Wein und Bier in gemieteten Kühlwagen. Eingeladen gewesen wären nur die rund 90 Schüler sowie alle Lehrer. Doch seit ein paar Tagen sind auch diese Pläne schon wieder Makulatur. Weil mehr als 100 Personen eingeladen sind, fürchtet Schulleiterin Sütsch rechtliche Probleme. Und das Bildungsreferat der Stadt schreibt: "Eine rein privat organisierte Abschlussfeier, die keine Schulveranstaltung ist, kann auf dem Schulgelände nicht stattfinden." Nun müssen die Abiturienten wohl auf eine private Feier verzichten und sich mit der Zeugnisverleihung begnügen - es sei denn, die Corona-Regeln ändern sich bis dahin noch einmal.

© SZ vom 29.06.2021/syn
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